Energie

„Erhebliche Risiken“
RWE-Chef sieht Offshore-Ausbau gefährdet

Die Zweifel am Offshore-Ausbau mehren sich. Nun hat sich auch der RWE-Chef Peter Terium skeptisch geäußert. Die Wirtschaftlichkeit müsse gewährleistet sein, sonst entstünden „erhebliche Risiken“.
  • 14

HamburgDer Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland könnte nach Einschätzung von RWE-Chef Peter Terium ins Stocken geraten. „Die Risiken sind erheblich“, sagte Terium am Dienstagabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. RWE sehe sich die Entwicklung kritisch an und müsse höllisch aufpassen, dass die Wirtschaftlichkeit der geplanten Windparks gewährleistet sei. Es sei möglich, dass Investitionen in britische Windparks rentabler seien. RWE sei kein reicher Stromkonzern mehr und müsse dann sehen, ob für Projekte in Deutschland noch ausreichend Mittel vorhanden seien.

RWE baut gegenwärtig den Windpark Nordsee Ost 35 Kilometer nördlich von Helgoland. Ein weiteres Projekt, Innogy Nordsee 1 rund 40 Kilometer vor Juist, liegt noch auf Eis. Die Investitionsentscheidung ist noch nicht endgültig gefallen. Ähnlich ist die Situation in der gesamten Branche. Mehrere Windparks sind in Arbeit, so zum Beispiel DanTysk an der deutsch-dänischen Grenze, ein Projekt des Energiekonzerns Vattenfall und der Stadtwerke München, oder Global Tech I, 93 Kilometer nördlich von Juist. Mehrere andere Projekte wurden aufgeschoben. Terium hält die ursprünglichen Ausbauziele der Bundesregierung von zehn Gigawatt installierter Leistung bis 2020 oder 25 Gigawatt bis 2030 nicht mehr für erreichbar.

Genehmigungen für neue Offshore-Windparks liegen ausreichend vor, aber die Investoren klagen über unsichere Rahmenbedingungen. Dazu zählen die Anbindung der Windparks an das Stromnetz und die Vergütungen für den Strom, wenn das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) geändert wird. Ein Windpark kostet eine Milliarde Euro und mehr. Unter unsicheren Bedingungen will kaum ein Investor ein solches Risiko eingehen, zumal es im europäischen Ausland ebenfalls Chancen für Offshore-Windparks gibt, vor allem in Großbritannien. Auch RWE betreibt bereits Windparks mit einer Leistung von mehr als 1000 Megawatt im Ausland und hat noch einmal die gleiche Leistung im Bau. Zum Vergleich: In der Nordsee sind gegenwärtig kaum mehr als 200 Megawatt installiert.

Für Norddeutschland ist der Ausbau der Offshore-Windenergie eine zentrale Frage der wirtschaftlichen Zukunft. Allein 14 Häfen haben sich darauf vorbereitet, beim Bau und Betrieb von Anlagen mitzuwirken; Werften hoffen auf Aufträge für Errichter- und Wartungsschiffe. Doch hängt die Offshore-Branche schon mehrere Jahre hinter den Zeitplänen zurück; die Investitionen an der Küste drohen zu verpuffen.

Für den RWE-Konzern bedeute die Energiewende eine verstärkte Umorientierung auf das Dienstleistungsgeschäft, sagte Terium. Es gelte, die Komplexität der Energieversorgung zu managen. „Das ist weniger kapitalintensiv, aber es weist auch geringere Margen auf“, sagte Terium. Der RWE-Chef warnte vor überzogenen Subventionen und Regulierungen in der Energiewirtschaft. Sie verhinderten, dass sich am Markt die wirtschaftlichsten und technologisch fortschrittlichsten Lösungen durchsetzen könnten. So würden zum Beispiel im Bereich der Photovoltaik mit hohen Beträgen Technologien gefördert, die nicht mehr den neuesten Standards entsprechen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Erhebliche Risiken“: RWE-Chef sieht Offshore-Ausbau gefährdet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zitat: "Und erst recht vor dem Hintergrund einer zunehmenden und Jahrzehnte langen Abkühlung des Erdklima (bis zum Kältehöhepunkt im Jahr 2055)"

    Wieder zuviel EIKE gelesen? Warum lassen Sie sich verblöden

  • @Fredi
    Jetzt hören Sie halt auf, mit diesem dummen Geschwätz!
    Das deutsche EEG hat Auwirkungen auf die gesamte Erneuerbare Energiewelt. Ohne diese EEG-Zwangssubventionen würde es weder die chinesischen Solaranlagenbauer geben, noch die absourde Windmühleninvestitione in England.
    Spanien macht gerade die schmerzhafte Erfahrung einer verfehlten Energie- und Wirtschaftspolitik. Die Solarenergie ist der größte Reinfall für Spanien.
    Und warum wollen Sie den Strom erst in Gas umwandeln und dann wieder zurück in Strom?!
    Da wandel ich doch direkt Gas in Strom um!!!!
    Das ist technisch einfacher und um einiges wirschaftlicher, FREDI!!!
    Du und die ganze Erneuerbare Energiebranche kommt mit Ideen daher, die technisch vollkommen unnötig sind, weil zu aufwendig. Und Mehr-Aufwand bedeutet immer einen Wettbewerbsnachteil. Somit wird die dirket Stromerzeugung (ohne Zwischenspeicherug) IMMER die wettbewerbsfähigste Erzeugung bleiben! Und das für einige Jahrhunderte noch!!!

  • Die Vergasung von Strom ist bereits Realität - googeln sie.
    Kaum eine neue Technolgie läßt sich heute ohne staatliche Anfangssubventionen -hilfen starten.
    Am deutschen EE-Gesetz kann dieganze Entwicklung aber nicht liegen. Die Briten haben viel mehr Windkraftwerke auf See als wir, dort greift das EEG offensichtlich nicht.
    Die Abzocker bei uns sind zum großen Teil die Großunternehmen, deren Strom die Verbraucher subventionieren, sowie die Netzbetreiber, die nun - dank Rößler . auch bei ihrem eigenen marktwirtschaftlichen Versagen - entschädigt werden!
    Eine Klimaabkühlung, noch dazu detailiert bis 2055 ist kaum vorherseebar, wenn auch sicher eine der vielen Theorien - mehr aber auch nicht!
    Viel sicherer ist dagegen, daß die Preise für Energierohstoffe drastisch steigen werden. Insbesondere Kohle und Öl. Di eChinesen kaufen hier gleich ganze Länder und verknappen den Markt.
    Und Gas? Vielleicht noch mit dem Fracking-Verfahren? Ja dann sitzen wir in der warmen Stube, aber ohne Wasser, das ist verseucht (dies nur am Rande)!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%