Energie

Erneuerbare Energien
Kostenwende beim Offshore-Wind

Lange war fraglich, ob Windräder auf hoher See jemals ohne Subventionen Strom produzieren können. Nun steht die Meerwindindustrie aber kurz davor, voll wettbewerbsfähig zu werden – und hofft auf einen Wachstumsschub.
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DüsseldorfTeuer, unkontrollierbar, nutzlos – Offshore-Windenergie gilt unter ihren Kritikern noch immer als verrücktes Wagnis, das Firmen wie Volkswirtschaften tunlichst meiden sollten. Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, wettert beispielsweise gerne gegen die „kostspieligen Hochseeabenteuer“, die den Preis für die Energiewende unnötig in die Höhe treiben. Manuel Frondel, Energieökonom am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, hält ebenfalls nicht viel von Meerwindanlagen. Die Mühlen, die teils höher als der Kölner Dom (159 Meter) aus dem Wasser ragen, seien „nicht steuerbar“ und wären letztlich nichts anderes als „Subventionsruinen“.

Die unrühmliche Historie von Offshore-Windenergie in Deutschland scheint Mahnern und Zweiflern wie Müller und Frondel Recht zu geben. Über Jahre hinweg prägten Planungschaos, explodierende Kosten und mysteriöse Pannenserien das Bild der Meerwindbranche. Alleine Siemens versenkte fast eine Milliarde Euro im Meeresgrund, weil der Münchner Paradekonzern sträflich unterschätzte, wie schwierig es in der Praxis ist, die Hochseemühlen ans Stromnetz am Festland anzubinden. Doch diese leidvollen Erfahrungen sind mittlerweile überwunden.

In der deutschen Nord- und Ostsee drehen sich bereits 835 Windräder, die mit einer Kapazität von 3,5 Gigawatt rein rechnerisch mehr als zwei Millionen Haushalte mit Strom versorgen können. Die allermeisten Anlagen laufen dabei übers Jahr hindurch ohne Probleme. Einzig die Kosten von Offshore-Wind sind noch immer ein Ärgernis – zumindest bis jetzt. Denn laut einer Marktanalyse der Unternehmensberatung Roland Berger, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, hat die Offshore-Windindustrie einen Wendepunkt erreicht.

„Offshore-Windenergie wird wettbewerbsfähig und hat sich einen Platz im künftigen Mix der Energieträger gesichert“, schreiben die vier Autoren in ihrer 16-seitigen Einschätzung zur Lage der Meerwindbranche. Ausgangspunkt für den Optimismus der Roland-Berger-Experten ist der neue Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden, den der dänische Energieversorger Dong errichten wird. Mit Gesamtkosten von 87 Euro pro erzeugte Megawattstunde Strom sei das Projekt ein Meilenstein, der beweist, dass die Branche ihre Kosten binnen sechs Jahren mehr als halbiert habe. Der Abstand zu den anderen Energieerzeugungsarten schwindet dadurch im Eiltempo.

„Das Borssele-Projekt zeigt deutlich, dass Offshore-Windenergie schon bald zum ernstzunehmenden Wettbewerber für alle anderen Stromerzeugungsmethoden wird“, erklärt Manfred Hader, der für Roland Berger von Hamburg aus Firmen aus dem Windenergiemarkt berät und beobachtet. Zum Vergleich: Bei fossilen Kraftwerken (Kohle, Gas, Atom) liegen die durchschnittlichen Kosten pro Megawattstunde derzeit zwischen 40 und 60 Euro, bei Windkraft an Land zwischen 40 und 70 Euro und bei Strom aus Photovoltaik zwischen 70 und 130 Euro. Hader sieht Borssele als „Wendepunkt hin zu einem starken Wachstum und einer internationalen Verbreitung der Offshore-Windenergie“.

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  • Der Bericht wird dem Ruf der Deutschen Medien als L..Presse gerecht. Man sucht bewusst und systematisch sachlich falsche, aber ideologisch/(öko)religiös erwünschte Aussagen zur Erziehung des Volkes verbreiten.

    Soweit mir bekannt gibt es auf diesem Planeten bislang keine Windmühlen und Solaranlagen die abseits diverser Subventionssystemen, staatlicher Regulierung, oder des Mäzententums in einem grossen Netz wirtschaftlich wettbewerbsfähig ist. Das bedeutet eine Wettbewerbsfähigkeit kann nur innerhalb der Subventionssysteme stattfinden.

    Hintergrund: In einem Stromnetz müssen Erzeugung und Verbrauch in jedem Augenblick gleich sein. Dies wird im Sekundenbereich durch die rotativen Massen der Turbogeneratoren der modernen Grosskraftwerke sichergestellt, im Minutenbereich durch die Kesselreserven der Dampfkraftwerke. Im weiteren Bereichen durch die Regelung der Grosskraftwerke. Zufallsstrom ist in einem Netz wertlos, kann sogar einen Negativwert annehmen.

    Die Windstromeinspeisung erfolgt entsprechend den Launen des Wetters. Etwa 500 - 800h/Jahr wird mehr Strom eingespeist als benötigt wird so dass diese abgeregelt werden muss. Etwa 4000 - 5000 Stunden im Jahr wird in D kaum umweltschädlicher Strom aus Wind, oder Sonne eingespeist.

    Insgesamt ist der Strom aus Wind und Sonne in einem Netz wie dem Europäischen Verbundnetz regelmässig wertlos.

    Ausnahmen gibt es bei abgelegenen Inseln, Bergwerken etc. wo Dieselbrennstoff hohe Transportkosten verursacht und man Windmühlen (Bsp. Minen in Chile) nutzt um einen Teil der Brennstoffkosten zu sparen.



  • eine wirtschaftszeitung macht sich unglaubwürdig, wenn ihre nachrichten den erfolgen von firmen, investitionen und gesellschaften in bezug auf ihre wirtschaftlichkeit und gewinnaussichten widersprechen.

  • EEG abschaffen...erst dann wird man sehen ob diese Windmühlen eine wirtschaftliche Wertschöpfungskette in sich tragen.
    Aber dazu sind diese EE-Mafiosos zu feige...die zocken uns Bürger über das EEG immer mehr ab und bringen uns den Mangel und die Armut mit ihrer Energieeinsparung wieder zurück.

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