Energie

Fracking-Boom in USA
Schiefergas jagt Europäern Angst ein

Die USA steigen 2015 zum weltweit größten Öllieferanten auf. Europas Unternehmen warnen daher vor einer Verlagerung energieintensiver Branchen nach Nordamerika. Zahlreiche Arbeitsplätze könnten abwandern.
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WienDas billige Schiefergas aus den USA bereitet Europa zusehends Sorge. Denn durch die billige Energie in Nordamerika geraten die heimischen Arbeitsplätze unter Druck. „Die USA betreiben eine Reindustrialisierung mit neuen Arbeitsplätzen“, sagte Gerhard Roiss, Vorstandschef des Öl- und Gaskonzerns OMV, auf einer Energiekonferenz am Mittwoch in Wien.

In den Vereinigten Staaten sei das Schiefergas um zwei Drittel billiger als in Europa. „In Europa gehen Arbeitsplätze verloren. Während in den USA die Investments mit hohem Energieverbrauch wachsen, stehen sie in Europa auf Halten“, warnte auch Georg Kapsch, Unternehmer und Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung.

Nicht nur die Mienen der Mitglieder des OPEC-Kartells, sondern auch die der Chefs europäischer Energieunternehmen wie OMV verdüstern sich bei einem Wort: Fracking. Denn die Technologie, bei der Schieferstein mit Wasser und Chemikalien aufgebrochen und das gebundene Öl und Gas herausgelöst wird, sorgt zurzeit für eine Revolution auf dem Weltenergiemarkt.

Die USA sind auf dem Weg, der größte Ölproduzent auf dem Globus zu werden – und setzen damit nicht nur die klassischen Fördernationen im Nahen Osten unter Druck, sondern auch die europäischen Energiekonzerne. „Importeure werden zu Exporteuren“, sagte Fatih Birol, Chefökonom der Internationale Energieagentur (IEA), in Wien. „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die US-Gaspreise nach oben gehen.“

Einfache Antworten kann es auf die Herausforderungen der billigen Energie aus Nordamerika nicht geben. In Namen der österreichischen Industrie forderte deren Präsident Kapsch, die Anstrengung zur Energieeffizienz zu verstärken. „Unser Ziel muss eine Reduzierung des Energieverbrauchs sein“, sagte er am Mittwoch. Ob das ausreicht, ist allerdings zweifelhaft.

In der EU-Kommission wurde intensiv über Maßnahmen diskutiert. In dieser Woche brachte EU-Energiekommissar Günther Oettinger das Fracking auch in Europa ins Spiel. Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern, befürwortet der der frühere baden-württembergische Ministerpräsident die Gewinnung von Schiefergas nach amerikanischem Vorbild.

„Wir brauchen in Europa die Option des Fracking, zumindest als Drohung gegen Putin“, sagte Oettinger auf der Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft in dieser Woche in Wien. Russland ist bislang wichtigster Gaslieferant in der Europäischen Union. Noch liefert das von Wladimir Putin regierte Land vier Fünftel des Gases. „Uns geht es noch gut. Doch ein Weckruf muss jetzt her“, appellierte Oettinger.

Indirekt unterstützte Roiss die Position Oettingers. „Wir müssen einen Ausgleich zwischen einer besseren Marktfähigkeit und den Kampf gegen die Klimaerwärmung finden“, fordert der OMV-Chef. Der Vorstandschef des größten österreichischen Unternehmens drängt auf niedrigere Strompreise, damit es zu keiner Abwanderung der Industrie in Europa kommt. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es viele Wege.

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  • Frei nach Guido Westerwelle: Wer risikolosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. Gentechnik, Fracking, Kernenergie... Dass die Mehrheit der Bevölkerung immer nur dagegen, dagegen, dagegen ist, ist ein Zeichen von spätrömischer Dekadenz. Nur weil man irgendwelche Risikos nicht 100-prozentig ausschließen kann, wird's gleich verhindert. Das sind dann häufig irgendwelche Leute mit Beamtenjobs, die glauben, man könnte einfach so auf günstige Energie verzichten. Bekanntlich kommt der Strom aus der Steckdose und das Geld vom Staat.

  • Zitat:"Einfache Antworten kann es auf die Herausforderungen der billigen Energie aus Nordamerika nicht geben."

    Natürlich gibt es dazu einfache Antworten,sprich dezentrale sehr kostengünstige und völlig umweltfreundliche Energieerzeugungstechnologien (die in naher Zukunft für alle auf dem Markt erhältlich sind),nur sind das halt keine Antworten,die von 4 Energie-Oligopolisten und deren parlamentarischen Marionetten in Betracht gezogen werden! Dennoch ist die Zukunft die dezentrale Energierzeugung mit alternativen Technologien,wie z.B. der patentierten und zertifizierten LENR-Technologie (NASA) bzw. E-Cat-Technologie (katalytische Energieerzeugung).

  • Warum sollen wir den Angst haben wegen der Frackerei in Amerika ?
    Wenn die lustig fracken und weniger Öl auf dem Weltmarkt einkaufen, sinken die Weltmarktpreise durch die fehlende Nachfrage allgemein, d.h. auch wir kommen in den Genuß tieferer Ölpreise.
    Was die Energie bei uns so teuer macht, sind doch die Steuern.

    Das mit dem Fracken in Europa können wir getrost noch verschieben, wenn doch das Öl günstig ist. Lassen wir es erstmal im Boden bis die Amis ausgefrackt haben.
    Dann können wir immer noch sehen. Dann wissen wir auch mehr darüber, was für Umweltschäden auftreten können.
    Und wenn Öl mal teuer ist, freuen wir uns, daß da noch ein paar Barrel liegen.

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