Energie

Heidelcement
Kies in der Kasse, Würstchen auf dem Teller

Auf der Hauptversammlung erleben die Aktionäre von Heidelcement einen Vorstandsvorsitzenden in Siegerlaune. Bernd Scheifele ist überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Doch am Ende muss er doch Kritik einstecken.

HeidelbergIm altehrwürdigen Heidelberger Kongresszentrum ist Vorstandschef Bernd Scheifele in seinem Element – der Offensive. Der Heidelberg-Cement-Chef wirft Charts an die Wand, sie zeigen den eigenen Aktienkurs und die Bewertung seiner Konkurrenten. „Sie sehen, bei uns lagen sie richtig“, ruft Scheifele den Aktionären entgegen. Das Chart reicht fünf Jahre zurück und unter dem Strich steht beim größten deutschen Baustoffkonzern eine Steigerung um 113 Prozent, deutlich mehr als der Dax mit einem Plus von 84 Prozent. Dagegen verlor der schweizerisch-französische Branchenriese Lafarge Holcim trotz Elefantenhochzeit 22 Prozent an Wert und Konkurrent Cemex sogar 24 Prozent. Ludwig Merckle, Aufsichtsrat und mit 27 Prozent Hauptaktionär des Unternehmens in der letzten Reihe des Podiums, schaut bei diesen Worten entspannt.

Auch die Kleinaktionäre im Plenum danken mit einem milden Lächeln. Bei der Stange muss Scheifele seine Aktionäre ohnehin kaum halten. Die Hauptversammlung der Nordbadener ist eher eine friedliche Betriebsfeier mit ehemaligen Mitarbeitern, die das Unternehmen bestens kennen und selbst treu dabei blieben, als sich das Unternehmen in der Finanzkrise mit der kreditfinanzierten Übernahme des Konkurrenten Hanson übernommen hatte.

Mit eisernem Sparkurs hat Scheifele Heidelcement zurück in die Erfolgsspur geführt und die Nettoschulden wieder unter sechs Milliarden gedrückt. Längst hat Scheifele wieder auf Angriff geschaltet und den italienischen Konkurrenten Italcementi mit einem Unternehmenswert von 6,7 Milliarden Euro übernommen. Die fehlenden kartellrechtlichen Genehmigungen vorausgesetzt, wird der italienische Familienkonzern ab Juli in der Bilanz konsolidiert.

Auch die Italiener will Scheifele in sein Kostenkorsett zwingen. 400 Stellen werden in Italien abgebaut. Der Vorstands-Chef rechnet mit Synergien von 400 Millionen Euro und gehört zu den Managern, die solche Ziele in der Vergangenheit auch erreicht haben. „Unsere Branche leidet unter dem Aldi-Problem“, sagt Scheifele. „Wir haben permanenten Preisdruck, und wer seine Kosten nicht im Griff hat, bekommt früher oder später riesige Probleme.“

Danach sieht es bei den Nordbadenern derzeit nicht aus. Wegen besserer Geschäfte vor allem in den USA und Großbritannien hat Scheifele die Gewinnziele für das laufende Jahr erhöht. Aber auch in Deutschland und Nordeuropa lief es für das Dax-Unternehmen gut. Zudem endete die Flaute in Asien, so konnten die Kurpfälzer auf ihrem wichtigen Markt Indonesien mehr Zement, Sand oder Kies losschlagen. Außerdem kam Rückenwind durch die niedrigen Energiepreise und den Sparkurs.

Im ersten Quartal stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 7 Prozent auf 321 Millionen Euro. Damit schnitt HeidelbergCement besser ab, als Experten erwartet hatten. Der Umsatz verharrte mit gut 2,8 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Unter dem Strich blieb ein für die Aktionäre anrechenbarer Verlust von 72 Millionen Euro. Das waren 51 Millionen Euro weniger als ein Jahr zuvor.

Das erste Quartal ist bei Baustoffkonzernen traditionell das schwächste Jahresviertel. „Das erste Quartal 2016 war operativ das beste seit der Finanzkrise und hat damit den positiven Trend des Vorjahres fortgesetzt“, erklärte Vorstandschef Bernd Scheifele. Dementsprechend habe das Unternehmen die Ergebnisprognose für das laufende Jahr von einem moderaten auf einen moderaten bis deutlichen Anstieg angehoben. Heidelcement stellt damit nun einen Zuwachs um einen hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentsatz in Aussicht. Der Umsatz soll weiterhin mäßig zulegen.

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Kies in der Kasse, Würstchen auf dem Teller

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Ehrgeizige Umsatzziele bis 2020

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