Energie

Innogy büßt Gewinn ein
Großbritannien bremst grüne RWE-Tochter aus

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Scharfer Wettbewerb im britischen Markt wird zur Last

Eon und Innogy sind nicht nur auf dem Heimatmarkt direkte Konkurrenten, sondern auch auf ihrem wichtigsten Auslandsmarkt Großbritannien. Und beide kämpfen dort mit schwierigen Rahmenbedingungen, der Wettbewerb ist hart und die Regulierung scharf.

Eon hatte dort im vergangenen Jahr mehrere hunderttausend Kunden verloren, sich zuletzt aber wieder stabilisiert. Innogy hatte schon zum ersten Quartal eingeräumt, dass sich die Aussichten auf dem britischen Markt wieder verschlechtert haben. Nach dem ersten Halbjahr lag das Ebit in Großbritannien mit zwölf Millionen Euro im Minus und damit um fast 100 Millionen Euro niedriger als ein Jahr zuvor.

Für Innogy ist der scharfe Wettbewerb auf dem wichtigen britischen Markt besonders problematisch, weil das Unternehmen dort seit zwei Jahren schon mit hausgemachten Problemen zu kämpfen hat. Die britische Tochter hatte massive Probleme bei IT und Kundenservice und schon damit viele Kunden verprellt, das dortige Management ausgetauscht und eine Sanierung eingeleitet. Das Restrukturierungsprogramm kommt zwar voran, die Tochter wird aber jetzt später als erwartet wieder ordentliche Gewinne abliefern können. Die Wettbewerbssituation bleibe „durch den intensiven Wettbewerb und politischen Druck angespannt“, erklärte das Unternehmen. Innogy rechnet deshalb auch für das Gesamtjahr nicht mit einem positiven Ergebnis.

Weil es auch in den Niederlanden schlecht läuft, blieb das Ergebnis im Unternehmensbereich Vertrieb insgesamt mit 588 Millionen Euro um acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Dabei konnte Innogy auf dem Heimatmarkt deutlich zulegen.

Auch im Bereich erneuerbare Energien ging das Ebit um 18 Prozent auf 179 Millionen Euro zurück. Die Windanlagen waren schlicht schlechter ausgelastet, weil zum Jahresbeginn weniger windig war als sonst üblich.

Erfreulich verlaufen die Geschäfte im Konzern dagegen vor allem in der Netzsparte, dem wichtigsten Gewinnbringer. Diese steigerte das Ebit um 19 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Innogy profitierte hier unter anderem von geringeren Aufwendungen für Betrieb und Instandhaltung der deutschen Netz.

Die Ergebnisse von Innogy kommen auch RWE zugute. Im Gegensatz zu Eon hat der Konzern die Trennung nicht komplett vollzogen und hält auch nach dem Börsengang im vergangenen Oktober noch 77 Prozent an Innogy.
RWE-Chef Rolf Martin Schmitz legt am Montag seine Halbjahreszahlen vor. Schmitz wird einen Milliardengewinn präsentieren. Der liegt aber dieses Mal nicht an den stabilen Erträgen, die Innogy abliefert. Schmitz und RWE profitieren vom selben Sondereffekt, über den sich schon Teyssen und Eon freuen konnten: Auch RWE hat eine milliardenschwere Rückzahlung der Atomsteuer erhalten.

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  • Scheinbar kann uns der englische Markt lehren, dass wirklicher Wettbewerb im Energiebereich möglich ist, wenn es heißt, dass der politische und wirtschaftliche Druck sehr hoch ist in England und der Gewinn überschaubar bleibt.
    Denn im Umkehrschluss heißt das doch, dass die Kunden hier in Deutschland viel zu hohe Energiepreise zahlen. Und dies tut vor allen weh für die Haushalte mit geringeren Einkünften, die man eigentlich entlasten sollte.

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