Energie

Kosten für den Ausstieg
Vattenfall entzieht sich der Haftung für AKW

Eon, RWE und EnBW haben die Politik mit ihren Plänen für eine Atomstiftung aufgeschreckt. Sie wollen das Atom-Risiko in eine „Bad Bank“ einbringen. Dagegen hat sich Vattenfall durch einen Trick der Haftung entzogen.
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DüsseldorfIn der Debatte um die Rückstellungen der Kernkraftbetreiber für Rückbau und Entsorgung gerät der schwedische Vattenfall-Konzern in die Kritik: Nach einem Bericht des Handelsblatts (Montagausgabe) hat sich der Mutterkonzern durch eine Umstrukturierung inzwischen der Haftung entzogen.

Das Unternehmen bestätigte dem Handelsblatt auf Anfrage, dass mit der Verschmelzung der Vattenfall Europe AG auf die Vattenfall GmbH im Jahr 2012 die Haftung für die deutschen Atomlasten nur noch „bis zur obersten deutschen Konzerngesellschaft“ gehe. Bis zur Umstrukturierung dagegen war auch die schwedische Konzernmutter voll in der Haftung. Ein Beherrschungsvertrag war bei der Umstrukturierung aber beendet worden.

Die Politik betrachtet die juristisch nicht zu beanstandende Veränderung der Konzernstruktur mit Sorge. „Die Bundesregierung muss diese für uns Steuerzahler gefährliche Lücke unverzüglich schließen und dafür sorgen, dass die Holding, die ja stets von den AKW-Gewinnen profitiert hat, sich nicht aus ihrer Verantwortung stiehlt“, sagte Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Ein öffentlich verwalteter Fonds sei das beste Mittel, um die Finanzierungspflicht der Betreiber verlässlich durchzusetzen, sagte sie.

Kommentare zu " Kosten für den Ausstieg: Vattenfall entzieht sich der Haftung für AKW"

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  • Witzig, billiger Atomstrom. Was haben wir gelacht!

    Noch witziger, eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung!) als Betreiber von Atomkraftwerken. Hat das mit der Vattenfall UG nicht geklappt?

    Am witzigsten - die Atomkraftwerke sind nicht versichert - weil ist ja zu riskant!!!

    So einen Irrsinn muss sich erst mal jemand ausdenken.

  • (1) IN den 1960er Jahren hatte die Atomkraft das Image der modernen, günstigen Energie und die Energieversorger wurden von der Politik aufgefordert AKW´s zu bauen, damit D konkurrenzfähig bleibt. Die Politik hat damals sich verpflichtet die Endlagerung ZU ÜBERNEHMEN.

    (2) Es kann ja wohl nicht sein, dass eine Bundesregierung auf Kosten von Privatunternehmen deren Rückstellungen verbruzzelt, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen und dann die Firmen in Haftung nimmt. In diesem Fall sollten die Energieversorger sofort Insolvenz anmelden, was dann dt. Kommunen und manche Banken in arge Schwierigkeiten bringen würde.

    (3) Ich vermute, dass wir innerhalb der nächsten 15 Jahre die gesamte Energiewirtschaft wieder verstaatlichen müssen, dank dem EEG. Für Energieerzeuger gibt es in D kein funktionsfähiges Geschäftsmodell mehr. Ergebnis: Unser Staat muss so oder so für die Abbruchkosten der AKW´s gerade stehen und für die Mehrkosten der Energiewende. Der monentan sehr gute Arbeitsmarkt wird die Abwanderung der energieintensiven Branche und deren Arbeitsplätze kaschieren und alle werden glücklich, bis auf die Stromverbraucher, die für alle Kosten aufkommen werden müssen.

    M. E. sind unsere Energieversorger bereits pleite, man darf es nur noch nicht der Öffentlichkeit sagen. Momentan geht es darum, wie der Modus der Auflösung sein soll, um größere volkswirtschaftliche Schäden zu vermeiden. Was die großen Vier einmal verdient haben, spielt keine Rolle, das Geld ist ausgeschüttet oder in wertlosen Industrieruinen (= Großkraftwerke mit 50% Auslastung) verbetoniert oder in sinnlose Investments (Thames Water) geflossen. Kein Investor wird ein Kraftwerk in D ohne staatliche Garantien betreiben wollen.

  • @ Fredi

    Erzählen Sie doch mal wo die Gewinne einer EnBW die zu über 90% dem Land B-W und dortigen Kommunen gehört gingen?

    Vattenfall ist ein schwedisches Staatsunternehmen. Wer bekam denn dann die Gewinne?

    Skandalös ist doch eher dass ein grüner Ministerpräsident der die EnBW-Führung bestimmt sein "Landesunternehmen" an Plänen mitmachen läßt die von anderen Grünen öffentlich kritisiert werden.

    Wo bleibt der grüne Basis-Protest gegen den grünen Ministerpräsidenten?

    "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren" gefällt den Sozialisten natürlich. 4 Worte kann man noch daherschwurbeln. Sich mal anzuschauen welche Steuern tatsächlich gezahlt wurden bekommt der Sozialist schon nicht mehr hin. Ein Investment in EON oder RWE vor 15 Jahren war nach Steuern keine sonderlich gute Entscheidung. So viel Gewinne gab es nicht die privatisiert werden konnten.

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