Energie

Neuer Stromtarifvergleich
„Ersparnispotenzial von 15 Prozent“

In Zeiten der Energiewende wird es wichtiger, wann der Strom verbraucht wird. Vor allem kleine Unternehmen können mit individuellen Tarifen sparen. Verivox bezieht jetzt die Verbrauchsprofile beim Tarifvergleich mit ein.
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DüsseldorfIndividuell abgestimmte Stromtarife – für viele Unternehmen wäre das ein großer Sparfaktor. Doch das Angebot dieser speziellen Tarife ist unübersichtlich und derzeit noch sehr beschränkt. Das Vergleichsportal Verivox will das ändern: Am Montag hat das Portal eine neue Funktion bei seinem Vergleichsrechner für Gewerbekunden gestartet, die die individuellen Verbrauchszeiten berücksichtigt.

Der Vergleichsrechner von Verivox richtet sich vor allem an kleinere Unternehmen mit einem Stromverbrauch von bis zu 50.000 Kilowattstunden pro Jahr. Die Handhabung ist simpel: Über eine Suchmaske gibt man den Jahresstromverbrauch und die Art des Gewerbes ein. Über ein Drop-Down-Menü hat man beispielsweise die Auswahl zwischen „Gewerbe werktags 8-18 Uhr (zum Beispiel Büro, Arztpraxis, Rechtsanwaltskanzlei)“, „Gewerbe mit starkem Verbrauch in den Abendstunden (zum Beispiel Hotel, Restaurant, Fitness-Studio)“, „Bäckerei mit Backstube“ oder „Wochenendbetrieb“. Der Rechner bietet dann verschiedene Tarife an, über die man sich bei Bedarf weitere Informationen anschauen kann.

„Bei einer Bäckerei mit einem Jahresstromverbrauch von 35.000 Kilowattstunden liegt das Ersparnispotenzial bei 15 Prozent“, sagte Verivox-Vorstandschef Chris Öhlund zu Handelsblatt Online. „Wir hatten aber zum Beispiel bei einem Hotel auch schon eine Ersparnis von rund 50 Prozent.“

In Zeiten der Energiewende wird das Thema individueller Verbrauch immer wichtiger. Am Wochenende etwa nimmt die Industrie weit weniger Strom ab als während der Woche. Doch die Wind- und Solaranlagen, die bereits fast ein Viertel der Stromerzeugung in Deutschland ausmachen, produzieren auch dann Strom, wenn er nicht gebraucht wird. Energieversorger bleiben so immer öfter auf ihrem Strom sitzen oder müssen sogar Geld bezahlen, um ihn an der Strombörse loszuwerden. Sie haben also ein Interesse daran, dass sich die Verbrauchszeiten der Unternehmen und privaten Kunden besser bestimmen lassen und möglicherweise durch spezielle Spartarife sogar verschieben.

Und immer mehr Versorger reagieren mit neuen Tarifen. So sorgte der britische Energieversorger British Gas Anfang August für Aufsehen, als er ankündigte, dass seine Kunden, die ein sogenanntes Smart Meter installiert haben, ab 2014 am Samstag kostenlos Strom beziehen können. Sie müssen sich allerdings dazu verpflichten, einen Teil ihres Stromverbrauches auf das Wochenende zu verschieben.

Bisher ist das Angebot für die zeitabhängigen Tarife jedoch sehr beschränkt. Verivox schätzt, dass ungefähr 20 Prozent der Stromanbieter Tarife haben, die auf bestimmte Verbrauchsprofile ausgelegt sind. „Wir wollen Marktöffner sein. Wir hoffen, dass der Wettbewerb durch die neue Funktion im Vergleichsrechner angekurbelt wird und es bald mehr zeitvariable Tarife gibt“, sagte Öhlund. Zur Zeit biete nur der Frankfurter Stromanbieter Ensys für fast alle Arten von Gewerben verschiedene Tarife über das Vergleichsportal an, so Verivox.

Insgesamt sucht der Verivox-Rechner derzeit aus 179 verschiedenen Tarifen von 59 Anbietern das günstigste Angebot heraus. Pro Postleitzahlbereich bieten durchschnittlich 36 Anbieter 72 verschiedene Tarife bei Verivox an. Die Zahl der Tarife wird sich erhöhen, schätzt Öhlund: „Es wird mehr auf die einzelnen Gewerbearten zugeschnittene Tarife geben.“

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Neuer Stromtarifvergleich: „Ersparnispotenzial von 15 Prozent“"

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  • @SteuerKlasseEins

    SmartMeter dienen nur zur Ausforschung des Endkunden und später zur Abschaltung von Endgeräten, z.B. falls der Kunde die Rechnung nicht bezahlt hat.

    Zur Netzsteuerung ist es völlig unwichtig ob Endkunde X ein paar Watt mehr oder weniger braucht.

    SmartMeter sind nur Abzock und Ausforschungsinstrumente, und sollen auch noch den Hersteller bereichchern.

    Es ist vollkommen ausreichend den Verbrauch am nächsten Knoten zu messen, z.B. am Eingang eines grossen Hauses oder am Strassenverteiler.

  • Lieber Tom,

    zu Ihren Ausführungen möchten wir gerne Stellung beziehen. Wir nehmen unsere Sorgfaltspflicht sehr ernst und schauen uns neue Unternehmen genau an, bevor wir sie im Tarifvergleich aufnehmen. Dennoch sind die Informationen, die wir über andere Unternehmen erhalten können, begrenzt - ein vollständige Prüfung kann nur durch eine staatliche Stelle erfolgen. Daher stehen wir in ständigem Austausch mit der Bundesnetzagentur und Verbraucherschützern. Verivox hat strenge Richtlinien für Verbraucherschutz und entwickelt diese ständig weiter, um Kunden vor unfairen Tarifbedingen zu schützen.

    Flexstrom hat im Juni 2013 Insolvenz angemeldet, wir haben unsere Vertriebspartnerschaft mit diesem Unternehmen - im Gegensatz zu anderen Vergleichsportalen - bereits im Dezember 2011 beendet. Unsere Kunden sind uns wichtig, daher haben wir auch den Bereich der Tarifempfehlungen entwickelt, mit dem wir weniger informierten Nutzern faire und sichere Tarife voreingestellt anzeigen.

    Sollten Sie weitere Fragen haben können Sie sich auch jederzeit gern direkt an uns wenden (presse@verivox.de)

    Ihr Verivox Team

  • @loco
    Es gab keine Subventionen für kommerzielle AKW. Punkt. Es gab zwischen 1960-1990 einige staatliche Forschungsprojekte, wie z.B. den schnellen Brüter Kalkar. Alle Kosten in diesem Zusammenhang (und auch der Irrsinn den Brüter nicht in Betrieb zu nehmen nachdem er fertig war) haben absolut nichts mit unserem Steckdosenstrom zu tun gehabt, sondern mit staatlicher Ineffizienz, und der Unterstützung der heimischen Exporte. Wenn Deutschland wollte, bräuchten wir überhaupt nichts (staatlich) erforschen, sondern könnten uns Technologie wie AKW, Schnellzüge/ICE, Autobahnen usw. von internationalen Unternehmen aus den USA, Russland, Südkorea bauen lassen, inkl. deren Experten, aber dazu sind wir als Deutsche zu stolz, wir müssen immer alles selbst machen, und wissen alles besser (siehe Energiewende).

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