Energie

Ölpreis
Die fetten Jahre sind vorbei

Die Ölpreise ziehen zwar wieder an, doch der Preisanstieg ist vor allem den Erwartungen von Spekulanten geschuldet. Zu alten Höchstständen wird es nach Einschätzung von Experten nicht mehr kommen.
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DüsseldorfDer rasante Ölpreisverfall der letzten Monate hat offenbar ein Ende. Seit Mitte Januar hat der Ölpreis vorerst seinen Tiefstand verlassen und steigt seitdem kräftig an. In den vergangenen Wochen legte er um gut 20 Prozent zu, von 45,70 auf knapp 60 Dollar für ein Barrel (156 Liter) der Sorte Brent. Nun gibt auch die Internationale Energieagentur (IEA) Entwarnung: Die Talfahrt der Rohölpreise wird sich nach ihrer jüngsten Einschätzung bald abbremsen, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Eine Rückkehr zu den Höchstwerten der vergangenen drei Jahre werde es jedoch nicht geben, prognostizierte die in Paris ansässige Organisation. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich die jüngste Erholung der Ölpreise „in einem vergleichsweise begrenzten Rahmen“ bewegen werde.

Auch andere Experten teilen die Einschätzung der IEA. „Ein steiler Anstieg des Preises, wie es 2009 geschah, scheint heute unwahrscheinlich“, schreibt Ole Sloth Hansen, Rohstoffanalyst der Saxobank in einem Kommentar. Vielmehr rechnet er in den kommenden Monaten mit einem stagnierenden Preis um das heutige Niveau.

Ganz ähnlich sieht das auch die Commerzbank, deren Analysten mit einem komplizierten ersten Halbjahr rechnen. Für Juni prognostizieren sie einen Preis zwischen 50 und 55 Dollar pro Barrel. Ab der zweiten Jahreshälfte könnte sich der Preis aber auf bis zu 75 Dollar erholen. Die saisonal stärkere Nachfrage werde dann zudem durch bessere konjunkturelle Entwicklungen gestützt.

Die Veröffentlichung der IEA-Studie führte dazu, dass am Ölmarkt die Rally der vergangenen Tage vorerst endete: Ein Fass der Nordseesorte Brent verbilligte sich um mehr als ein Prozent und kostet nun 57,65 Dollar.

Dass der Ölpreis in den vergangenen Wochen so stark gestiegen ist, liegt vor allem an den Erwartungen der Ölspekulanten. Denn in den vergangenen Wochen mehrten sich die Anzeichen, dass diverse Ölförderer ihre Aktivitäten in den USA zurückfahren und sich die Fördermenge mittelfristig reduzieren könnte.

So ist etwa die Zahl der Fracking-Ölbrunnen in den USA im Vergleich zum vergangenen Jahr um ein Fünftel zurückgegangen – von 1.416 auf nur noch 1.140. Mit den Texanern von WBH Energy ging im Januar bereits das erste Unternehmen Pleite. Das Analysehaus Cowen & Co. rechnet gar mit einem Einbruch der Investitionen von mindestens 116 Milliarden Dollar. Die Zahl der Entlassungen in der Industrie liegt schon jetzt bei 30.000.

Anleger erwarten nun eine Verknappung des Rohstoffs und treiben den Preis nach oben – obwohl täglich noch 230 Millionen Liter Öl zu viel auf den Markt schwemmen, steigen die Preise. Eine Folge der Spekulationen.

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Kommentare zu " Ölpreis: Die fetten Jahre sind vorbei"

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  • @Thomas Podgacki: Der Euro-Absturz wird noch weitergehen (obwohl ja niemand einen Währungskrieg will), schon jetzt sind die Spritpreise bei meiner Tanke wieder auf 1,28 für Diesel. Draghi, wir lieben dir.

  • Stimmt, eine weise Entscheidung.

    Alles, was staatlich gefördert wird wie diese alternativen Energien, sollte man nur dann nutzen, wenn man kurzfristig und ohne Mehrkosten wieder zurück gehen kann.

    Öl und Gas kann man offensichtlich nicht toppen.

  • Gut das ich bei meiner Ölheizung geblieben bin und nicht auf die Öko-Energie wie Hackschnitzel- Pelletsheizung umgestiegen bin. Wobei ja Öko ziemlich relativ ist, wenn reihenweise für diese Energieform die Wälder fallen müssen.

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