Energie

OMV, Statoil, Total
Libyen umwirbt die Öl-Multis

Libyen lebt von der Ölförderung. Doch der Bürgerkrieg macht das Geschäft für die großen Ölmultis schwierig. Der Staatskonzern NOC wirbt nun verstärkt um Investoren. Der Ölkonzern OMV hat bereits ehrgeizige Pläne.
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WienAuf dem großen Flachbildschirm wechseln die malerischen Bilder von Ölförderanlagen in der Wüste. Die überdimensionalen Postkarten aus der Sahara haben eine klare Botschaft: In dem vom Bürgerkrieg erschütterten Libyen läuft es rund. Mustafa Sanalla, Chairman des staatlichen Ölkonzerns National Oil Corp. (NOC), verteilte am Donnerstag bei seiner Stippvisite in Wien Beruhigungspillen. „Die Libyer schützen ihre Ölfelder. Dafür sind wir dankbar“, sagt der Chef des Quasi-Monopolisten.

Von den Einnahmen des NOC hängt das nordafrikanische Land mit derzeit drei tief verfeindeten Regierungen wirtschaftlich ab. Daher ist der seit 2014 als amtierende Chemie-Ingenieur Sanalla ein mächtiger Mann in dem Opec-Mitgliedsland. Doch nicht immer läuft es rund. Erst kürzlich lieferte das Sharara-Ölfeld, das größte des Landes unweit der Grenze zu Algerien und dem Niger, kein Öl mehr. Unbekannte hatte die Pipeline zum Exporthafen am Mittelmeer beschädigt.

Doch das ist Vergangenheit. Das Öl fließt nach Angaben von Sanalla wieder. Der mächtige Ölmanager ist nach Wien, dem Sitz der Erdölfördernden Staaten (Opec), gekommen, um Beruhigungspillen für die im Land aktiven Ölkonzerne zu verteilen. In Libyen fördern alle wichtigen Multis das „schwarze Gold“, darunter Total, Statoil, Repsol, Eni und OMV.

OMV ist bereits seit 1975 in Libyen vertreten. Österreichs größter Konzern hatte im vergangenen Jahr seine Produktion im Murzuq- und Sirte-Becken wieder aufgenommen. Derzeit fördert die OMV allerdings nur 10.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag im Schnitt. Eine bescheidene Menge. Wie Konzernchef Rainer Seele offen bekennt, kann es auch in diesem Jahr weitere zu vorübergehenden Stillständen kommen.

Denn die politische Lage in Libyen ist instabil und unübersichtlich. Erst in drei bis fünf Jahren – nach Beruhigung der politischen Lage – soll die OMV-Produktion auf 40.000 Fass pro Tag steigen. Dafür sollen auch zusätzliche Felder erschlossen werden. Wie Seele berichtet, gab es zuletzt ermutigende Zeichen. Im Herbst vergangenen Jahres wurde der Ölterminal im Sirte-Becken wieder aufgenommen und im Dezember dann die Sharara Pipeline wieder eröffnet – mit zeitweiligen Ausfällen.

In der obersten Etage der OMV-Zentrale mit einem malerischen Blick über Wien versucht Libyens oberster Öl-Manager Mut zu machen. „Ende April werden wird 800.000 Barrel pro Tag fördern. Ende August werden wir eine Million Fass erreichen“, sagt Sanalla, während er freundlich in seinem hellgrauen Bart lächelt. Mutige Versprechungen. Denn nach Informationen von Bloomberg förderte Libyen derzeit noch nur täglich 560.000 Barrel pro Tag. Die amerikanische Nachrichtenagentur berief sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise in Libyen. Sanalla sprach in Wien von einem derzeitigen Produktionsniveau von 698.000 Barrel täglich.

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