Energie

Rekordminus beim Energiekonzern
Eon macht 16 Milliarden Euro Verlust

Eon verbucht einen Fehlbetrag von 16 Milliarden Euro – ein Rekordminus. Jetzt will der Energiekonzern 1300 Stellen streichen, die meisten davon in Deutschland. Die Dividende wird mehr als halbiert.
  • 22

Essen/DüsseldorfJetzt liegen die Fakten schwarz auf weiß vor. Es war keine Frage mehr, dass Eon das Geschäftsjahr 2016 mit dem größten Verlust der Konzerngeschichte abgeschlossen hat. Es ging nur noch um die genaue Höhe – und die ist noch größer als Analysten im Vorfeld erwartet hatten: Unter dem Strich summiert sich der Nettoverlust auf 16 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bank hatte in einer Analyse jüngst noch mit 12,4 Milliarden Euro gerechnet und auch die pessimistischsten Prognosen gingen allenfalls von 14 Milliarden Euro aus. Im vergangenen Jahr hatte Eon zwar auch schon einen gewaltigen Nettoverlust verbucht – die 6,3 Milliarden Euro von damals wurden aber noch einmal kräftig übertroffen.

Eons Bilanz wurde von der Aufspaltung des Konzerns belastet, die Vorstandschef Johannes Teyssen im vergangenen Jahr durchgezogen hat. Bei der Abspaltung und dem Börsengang der Uniper SE, in der Eon das alte Geschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken und den Großhandel gebündelt hat, wurden milliardenschwere Abschreibungen fällig. Zudem muss Eon Milliarden für den geplanten öffentlich-rechtlichen Atomfonds mobilisieren, der künftig die Verantwortung für die Entsorgung des Atommülls übernehmen soll.

Eon betonte, die strategische Neuausrichtung sei „nun auch bilanziell abgeschlossen“. Die Bilanz des Geschäftsjahres 2016 sei „letztmalig von Lasten der Vergangenheit geprägt“ und es sei ein „Schlussstrich“ gezogen. „Die Bilanz des Übergangsjahres 2016 ist eine Zäsur, die den Weg von Eon in die neue Energiewelt frei macht“, versuchte Teyssen der Horrorbilanz etwas Gutes abzugewinnen: „Damit können wir uns nun voll und ganz auf unsere Kunden in den drei Kerngeschäften Energienetze, Kundenlösungen und Erneuerbare Energien konzentrieren.“

Vor Zinsen und Steuern verdiente Eon 3,1 Milliarden Euro – 13 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Aktionäre sollen trotz des Rekordverlustes eine Dividende von 21 Cent erhalten. Im Vorjahr waren es noch 50 Cent. 2017 sollen es immerhin wieder 30 Cent werden. Die Nettoverschuldung – inklusive Rückstellungen – stieg von 21,3 auf 26,3 Milliarden Euro. Mittelfristig will Eon den Wert auf 20 Milliarden Euro drücken.

Dafür will Eon mit dem Sparprogramm „Phoenix“ die jährlichen Kosten um 400 Millionen Euro reduzieren. Dabei werden 1300 Stellen weg fallen, 1000 davon in Deutschland. Das entspricht rund drei Prozent der aktuellen Belegschaft von 43.000.

Eon hatte zum Jahresanfang 2016 das alte Kerngeschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken sowie den Großhandel an das neue Unternehmen Uniper SE unter der Führung von Klaus Schäfer abgegeben. Eon konzentrierte sich selbst auf das Geschäft mit der Energiewende, also auf Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb. Im September brachte Teyssen dann gut 53 Prozent von Uniper an die Börse.

Dabei musste Eon schonungslos den Werteverfall in der Bilanz verarbeiten, den die notleidende konventionelle Stromerzeugung in den vergangenen Jahren erfahren hatte. Uniper wurde am Tag des Börsengangs mit rund vier Milliarden Euro bewertet. In Eons Büchern waren die Aktivitäten im Frühjahr noch mit 15,5 Milliarden Euro angesetzt worden.

Seite 1:

Eon macht 16 Milliarden Euro Verlust

Seite 2:

Eine Bilanz der Aufräumarbeiten

Kommentare zu " Rekordminus beim Energiekonzern: Eon macht 16 Milliarden Euro Verlust"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Danke, John Harris für die Quantifizierung des Merkel-Faktors, ich teile die Schätzungen zu 100%.

  • @ Herr F.K.
    "Allein in Kalkar wurde 10 Mrd DM an Steuergeldern verbrannt. Da braucht man keine Bundesdrucksachen."

    Im Fall Kalkar hat der damalige regionale Minister Farthmann die Verantwortung zu tragen, weil er die letzte von 22 Teilbetriebsgenehmigungen (Einlagerung der Brennelemente) nicht erteilt hat.

    Wahrscheinlich sind für Sie die EVUs selber Schuld, wenn sie von der "Kommission der Unwissenden" (aka Ethikkomission) enteignet werden. Aber gut, demnächst sind es dann die Kernphysiker, die über Euthanasie entscheiden.

    Die Kosten lagen im Bereich von 5 Milliarden Mark nicht 10. (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40616181.html)

  • @Lothar dM

    Konkret und plakativ gerundet sieht es so aus:
    1500 Mrd. für die Eurorettung (http://bit.ly/2dip5Xa)
    1000 Mrd. für die Energiewende (http://bit.ly/2dir51J)
    1000 Mrd. für die neuen Facharbeiter (http://bit.ly/1WD5oVl)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%