Energie

Schienenkartell
Bahn und Thyssen-Krupp wussten von Absprachen

Wegen künstlich überhöhter Einkaufspreise für Schienen entstand der Deutschen Bahn ein Milliardenschaden. Der Staatskonzern wusste schon deutlich länger vom Kartell als bislang bekannt.
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DüsseldorfDie Deutsche Bahn und Thyssen-Krupp sind erheblich früher über die Absprachen auf dem Schienenmarkt informiert worden als bislang bekannt. Bereits im Jahr 2000 war die Bahn bei der Aufarbeitung eines Schmiergeldfalls auf das Kartell gestoßen und hatte dieses bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt gemeldet, wie das Handelsblatt (Montagausgabe) unter Berufung auf interne Unterlagen des Staatskonzern berichtet.

Bislang hatten Bahn und Thyssen-Krupp beteuert, erst durch die Razzien des Kartellamts im letzten Jahr habe man Kenntnis von den Absprachen erhalten. Durch die späte Aufklärung wurde der Bund, der für Investitionen in das Schienennetz aufkommt, um rund eine Milliarde Euro geschädigt, wie sich aus internen Unterlagen der Firmen berechnen lässt. Die Bahn muss nun um Schadensersatzansprüche bangen.

In einem Brief vom 17. August 2000 an die Staatsanwaltschaft berichtet ein Anwalt der Bahn, dass Unterlagen sichergestellt wurden, „die eindeutig auf Preisabsprachen zu dem Einkauf von Schienen hinweisen“. In dem Schreiben nennt der Jurist die später überführten Kartellsünder Thyssen-Krupp und Voestalpine. Betroffen von den Absprachen war unter anderem die Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt-Köln, die insgesamt sechs Milliarden Euro gekostet hatte.

Die Bahn bestätigte die frühen Hinweise an die Staatsanwaltschaft. Diese hätten aber offensichtlich keine Notwendigkeit für Ermittlungen gesehen, erklärte ein Sprecher.

Die fehlende Aufklärungswille bei den Konzernen soll einen Grund gehabt haben: Nach Angaben eines Ex-Bahnmanagers einigten sich die Unternehmen auf ein Koppelgeschäft: Die Bahn akzeptierte überhöhte Preise – was ihr nicht schadete, denn Investitionen in die Schienen trägt der Bund. Im Gegenzug soll Thyssen-Krupp Kunde der Bahn-Frachttochter DB Cargo geblieben sein. Die Bahn wies dies zurück. Thyssen-Krupp äußerte sich nicht dazu.

 

Kommentare zu " Schienenkartell: Bahn und Thyssen-Krupp wussten von Absprachen"

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  • Ist "Strafvereitelung im Amt", oder so ähnlich, ein Ansatz?

  • Die Missstände ließen sich einfach und effektiv abstellen, wenn die Verantwortlichen für ihr verbrecherisches Tun mit ihrem gesamten Privatvermögen hafteten. Aber die Politiker in der BRD (Bananenrepublik Deutschland) sind Marionetten der Profiteure der Korruption; und selbst wenn die Schnüre der Marionetten gekappt würden, Schmiergeldzahlungen an Politiketr müßten dann auch entsprechend strafrechtlich verfolgt werden. Die Redner"honorare", die Figuren wie Steinbrück, Schröder, Fischer, Schmidt etc. etc. zusammenraffen, sind zwar nach erlassenem Recht (cui bono?) nicht strafbewehrt, nach Meinung der Menschen aber, die diese Figuren üppig alimentieren müssen, parasitäre Schädigung des deutschen Volkes.

  • ... und am Ende bekommt der Steuerzahler die Rechnung für die Mauscheleien der hohen Herren präsentiert. Weiter so Deutschland!

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