Energie

Shell in der Arktis
Die Milliardenwette im ewigen Eis

US-Präsident Barack Obama hat die Erlaubnis erteilt: Shell darf nun im Meer vor Alaska wieder nach Öl bohren. Es ist eine milliardenschwere Wette unter widrigsten Bedingungen. Umweltschützer sind empört.
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LondonAkribisch hat sich Shell auf diesen Moment vorbereitet. Bereits im Juli schickte Europas größter Energiekonzern eine Armada von 30 Schiffen und zwei Bohrinseln auf die Jagd nach Erdöl in der Arktis. Wegen der unwirtlichen Klima- und Wetterbedingungen war die Flotte bereits in die Tschuktschensee zwischen Alaska und Sibirien ausgerückt, bevor noch die letzten Genehmigungen vorlagen. Doch das Kalkül des britisch-niederländischen Konzerns ist aufgegangen: Das amerikanische Innenministerium erteilte dem Ölmulti in der Nacht zum Dienstag die Genehmigung für das umstrittene Vorhaben, um das jahrelang gerungen wurde.

Die Arktis gilt als letzter weißer Fleck auf der Weltkarte der Energiebranche. Experten schätzen, dass in der Region jenseits des Polarkreises rund ein Fünftel der noch vorhandenen, aber bisher nicht lokalisierten konventionellen Öl- und Gasreserven der Welt lagern.

Eine Milliardenwette im ewigen Eis. Seit Jahren bemüht sich der Energiekonzern Royal Dutch Shell darum, in der Arktis nach Öl zu bohren. Umgerechnet 6,3 Milliarden Euro pumpte der Konzern in den vergangenen acht Jahren bereits in das Projekt – ohne das eine einzige Testbohrung bisher fertiggestellt werden konnte. Denn immer wieder kam es zu Pannen. Wegen des extremen Klimas bleiben Shell nur rund zwei Monate im Jahr, in denen die Tschuktschensee einigermaßen eisfrei ist. In der Gegend treiben Eisschollen im Meer, deren Fläche so groß ist wie die Innenstadt von London.

Zudem gilt das Projekt als politisch heikel. Umweltschützer laufen seit Jahren Sturm gegen das Projekt. Viel zu riskant sei das Vorhaben, denn die Folgen eines Ölunfalls für das empfindliche Ökosystem der Arktis könnten verheerend sein, warnen sie. Im Falle eines Lecks sei es unmöglich, rasch ausreichend Technik in die Region zu schaffen, um eine Umweltkatastrophe zu verhindern.

Wie unberechenbar die Arktische See ist, hat der Ölkonzern bereits vor drei Jahren auf bittere Weise erfahren. Zum Jahresende 2012 wollte Shell seine Shell-Bohrplattform Kulluk durch den Golf von Alaska nach Seattle schleppen – doch das Vorhaben endete im Fiasko. Schwere Winterstürme und fast zehn Meter hohe Wellen stoppten den Transport. Die Crew musste per Helikopter evakuiert werden, die Plattform riss sich vom Schlepper los und trieb unkontrolliert durch die schwere See, bevor sie an der Küste Alaskas strandete.

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Die Arktis, das letzte große Ölreservoir

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  • Wäre Obama ein Leistungssportler, würde ich sagen: Es fehlt ihm an Konstanz.

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