Energie

Sinkende Preise
Wer vom billigen Öl profitiert

Der Fracking-Boom in den USA lässt die Erdölpreise auf neue Tiefstände fallen. Das kurbelt die Konjunktur an und sorgt für Freude an der Zapfsäule. Doch wie nachhaltig ist das billige Öl?
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DüsseldorfDie Lufthansa hat es derzeit nicht leicht. Die Piloten streiken, Billig-Airlines und die Araber nehmen Deutschlands größte Fluggesellschaft in die Zange. Gut, dass derzeit wenigstens die Kosten sinken. Schuld ist der niedrige Ölpreis. Die Kerosinausgaben machen bei Fluggesellschaften etwa ein Drittel der Betriebskosten aus. Das erlaubt es der Lufthansa, ein wenig durchzuatmen.

Nicht nur bei Fluggesellschaften, sondern auch bei Reedereien und Logistikkonzernen schlägt sich das billige Öl positiv in der Bilanz nieder – und wird zu einem scheinbar kostenlosen Konjunkturprogramm. Sinken die Rohölpreise um 30 Prozent, wachsen die Industrieländer um zusätzliche 0,8 Prozent, rechnete zuletzt der IWF vor.

„Volkswirtschaftlich wirkt sich dies positiv auf die konjunkturelle Entwicklung aus, da mehr Geld für andere Ausgaben zur Verfügung stehen“, sagt auch Ölexpertin Claudia Kemfert von Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Gründe für die Ölpreisentwicklung sieht sie nicht alleine in der Realwirtschaft. Ihrer Ansicht nach haben sich die fundamentalen Marktdaten nicht verändert. „Neu ist allerdings, dass die Erwartungen sich ändernder Ölpreise Spekulanten und Investoren anlocken“, sagt Kemfert.

Für viele Umweltschützer ist der niedrige Ölpreis dagegen ein Ärgernis, denn sparen lohnt sich immer weniger. „Für die Umstellung auf umweltfreundliche Heizungen und Autos ist der niedrige Ölpreis sicher ein Hemmschuh“, sagt Jan Burck, Klimaexperte von der Umweltschutzorganisation Germanwatch. Möglich, dass überfällige Modernisierungen auf die lange Bank geschoben werden.

Paradoxerweise könnte es aber auch positive Folgen für die Umwelt haben, wenn der Ölpreis weiter fällt. Das umstrittene Fracking, also das Aufbrechen tiefer Gesteinsschichten zur Ölförderung, könnte bei niedrigen Preisen unrentabel werden.

Einen merklich steigenden Verbrauch, insbesondere im Verkehrssektor, erwartet Umweltschützer Burck nicht aus den gesunkenen Ölpreisen. Die Nachfrage sei relativ unelastisch - so wie steigende Preise nicht zwangsläufig zu einem geringeren Verbrauch führen, sei derzeit auch nicht das Gegenteil zu erwarten.

Einige Länder fürchten zudem, dass das billige Öl den Deflationstrend verstärken könnte – eine Entwicklung, die man bei der EZB in Frankfurt nicht gerne sieht. Denn mit dem Ölpreis fallen auch die Kosten für erdölhaltige Produkte, also etliche Kunststoffe.

Auch in den Exportstatistiken der ölproduzierenden Länder schlägt sich der niedrige Ölpreis nieder. Nicht umsonst setzten sich Staaten wie Iran und Russland innerhalb der Opec zuletzt dafür ein, wieder höhere Preise durchzusetzen.

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Der Ölpreis - eine Verschwörung?

Kommentare zu " Sinkende Preise: Wer vom billigen Öl profitiert"

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  • @Pom
    Nur das Fracking nie subventioniert wurde.
    Es gab lediglich die in den USA von Wirtschaftsministerium gängige Innovationsförderung in Form eines „Taxcredit“. Bedeutet, dass man ein paar Dollar von der zu zahlenden Einkommensteuer abziehen darf. Diese Förderung bekommen aber alle Projekte die bei den Behörden angemeldet werden und als Innovativ oder Innovationsfördernd eingestuft werden.
    Subventionen die mit unserem EEG vergleichbar wären hat es nie indes gegeben.

  • Das die Fracking-Industrie sofort pleitegeht ist eher ein Wunschtraum der Saudis.
    Bei Erdgas haben die niedrigen Preise eher zu weiteren Innovationen geführt, als zu einer Minderung der Förderung.
    Als das Fördern von Erdgas mittels "Fracking", in den Jahren 2000 bis 2008, sich zu einem relevanten Teil der US Gasförderung entwickelte hatten die Amis Gaspreise zwischen 6 und 9 Dollar im Mittel über diesen Zeitraum.
    Ab 2007 bis heute sanken die Preise auf ca. 3 Dollar pro mmBtu im Mittel. Das ist ein Preisverfall von bis zu 66%. Und die Fracker fracken weiter. Durch den Preisdruck hat diese mittelständig geprägt Industrie alles versucht um Kosten zu senken. Neue Verfahren zur Auffindung von Kohlenwasserstoffen wurden entwickelt, Die Frackingflüssigkeit enthält mittlerweile kaum noch teure Chemikalien, dass man das Zeug trinken kann und die Bohrlöcher die heute gesetzt werden liefern im Schnitt 3 mal so lange Erdgas wie noch 2008 und haben keinen Förderabfall in der damals üblichen Höhe von ca. 70% nach dem ersten Jahr.
    Bereits im Jahre 2003 hat die Energieindustrie damit angefangen, Methoden der horizontalen Bohrung durch Schiefergestein zu kombinieren mit hydraulischem Brechen – wobei Tonnen von Wasser, Chemikalien und Sand in den Fels gepresst werden.
    Die Firma Four Sevens Oil Co. bohrte in jenem Jahr die besten Löcher im Barnett Shale-Gebiet. Zu Spitzenzeiten strömten 5,9 Millionen Kubikfuß Gas aus den Löchern.
    Heute sieht diese Menge geradezu winzig aus.
    Die Firma Cabot Oil & Gas Corp. Bohrte im vorigen Jahr das produktivste Loch in den USA, 30,3 Millionen Kubikfuß Gas pro Tag – das war fünf mal die Menge aus dem von Four Sevens aufgestellten Rekord vor einem Jahrzehnt.
    Besonders Deutlich wird dieser Sachverhalt an der Anzahl der neuen Bohungen. Diese verharren seit 2011 bei ca. 1200 Bohrungen pro Jahr wobei sich aber die Fördermenge seit 2011 mehr als verdoppelt hat.

  • @ Johann Brädt

    Es ist doch keine Verschwörungstheorie dass die USA die Macht über die Ukraine gewinnen wollte. Man hat doch inzwischen ganz offen geäußert wie viele Milliarden man in den letzten Jahren investiert hat um US-Marionetten in der Regierung zu installieren.
    Zuletzt die schnell noch eingebürgerte US-Bankerin die nun als ukrainische Finanzministerin agiert.

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