Energie

Solar-Branche
Wo die Überlebenden Rettung suchen

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr Solaranlagen als je zuvor installiert. Doch der deutsche Markt gilt als übersättigt. Hersteller gehen pleite. Und selbst wer überlebt, muss sich neu orientieren.
  • 9

DüsseldorfEs sind wieder einmal Rekord-Zahlen, die die Bundesnetzagentur heute verkündet hat: 7.600 Megawatt neu installierte Leistung von Solaranlagen im vergangenen Jahr in Deutschland. Doch so gut sich das Wort „Rekord“ anhört: Die rosigen Zeiten für die Solarindustrie in Deutschland sind vorbei. Eine Pleitewelle hat die Branche erfasst, die vor allem Billigkonkurrenz aus China zu verdanken ist.

Erschwerend kommt hinzu: Laut einer aktuellen Analyse der Deutschen Bank wird die Nachfrage auf dem deutschen Markt – bisher weltweit wichtigster Markt für Solarkraft – in diesem Jahr um die Hälfte sinken. Diese Prognose galt bereits vor der angekündigten erneuten Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetz durch Umweltminister Altmaier.

Das Wachstum findet in anderen Teilen der Welt statt. Den Experten der Unternehmensberatung Oliver Wyman zufolge werden die neuen Solaranlagen vor allem in den USA und Asien gebaut, Europas Anteil an den neuinstallierten Anlagen werde von 80 Prozent im Jahr 2010 auf 37 Prozent im Jahr 2015 fallen. Vor allem in China, dem derzeit zweitgrößten Markt für Solaranlagen, aber auch in Indien, Japan und den USA liegt laut Experten das größte Potenzial.

Der Studie der Deutschen Bank zufolge wächst der Bedarf an Sonnenkraft in China von 4 Gigawatt im vergangenen Jahr auf 10 Gigawatt in diesem Jahr. Zum Vergleich: Deutschland hat derzeit eine installierte Solaranlagenleistung von rund 32,4 Gigawatt.

Die Nachfrage in Indien nach Solaranlagen werde sich mehr als verdreifachen auf 4 Gigawatt. Bereits 2011 wies die Region im Bereich erneuerbare Energien das mit Abstand größte Investitionswachstum auf: Um 62 Prozent stiegen laut Zahlen von Bloomberg Energy Finance und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP die Investitionen im Vergleich zum Vorjahr. Dicht dahinter waren die USA mit 57 Prozent Wachstum. Europa hingegen kam nur auf 10 Prozent und lag damit sogar unter dem weltweiten Durchschnitt von 17 Prozent Wachstum.

Manch ein Unternehmen reagiert bereits. So ist der hessische Wechselrichterhersteller SMA Solar seit einiger Zeit in Indien vertreten und im Dezember besiegelte das Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung von 72,5 Prozent am chinesischen Wechselrichter-Hersteller Jiangsu Zeversolar New Energy. „China wird sich in den kommenden Jahren zum weltweit größten Solarmarkt entwickeln“, sagt SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon. „Bisher war dieser Markt aufgrund der lokalen Besonderheiten für uns nicht zugänglich“. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen ändere sich das.

Seite 1:

Wo die Überlebenden Rettung suchen

Seite 2:

Schutzzölle auf chinesische Ware in den USA

Kommentare zu " Solar-Branche: Wo die Überlebenden Rettung suchen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mich wundert die oberflächliche Recherche und glattgeschliffene Berichterstattung schon. Ich lese ständig etwas von "Subventionen" in der Solarindustrie und ach so hohen "Kosten", die mit der Einführung und dem Ausbau verbunden sind.
    An die sich regelmäßig mit plattitüden aufregende Leserschaft ein paar Fakten:
    1. die Atomtechnologie hat bisher ca. 300% mehr an staatlichen Steuergeldern zur Erforschung und dem Aufbau erhalten als die Regenerativen Enregien zusammen.
    2. Kosten für Transport, Entsorgung, Aufbereitung oder mangelnder versicherungsschutz wird einfach schweigend auf alle Bürger umgelegt mit Steuerzahlungen oder Sonderregelungen.
    3. Was Kostet die erderwärmung, die zunehmenden Stürme und extremen Wetterlagen, Flüchtlingströme, Wassermangel, Militärische Absicherungen zum ungehinderten Zugang zu Öl und Kohle, Versauerung unserer Böden??? wer zahlt das alles verursacht durch den ach so billigen Strom, der Steuerzahler der nächsten 100 bis 1000 Generationen.
    4. Der Börsenstrompreis ist gerade wegen der Erneuerbaren Energien von ca. 6,5 auf 3,5 cent/kwh gefallen. Nochmals die regenerativen machen den Strom jetzt schon günstiger. Bisher haben alle großen Energieversorger und große Verbraucher davon profitiert. Die gewinne einbehalten und den verbrauchen statdessen höhere Preise angedreht. Beispiel: Die Bahn, ist befreit von der Umlage, kann günstier strom an der Börse beschaffen und hebt die Preise mit der Begründung höherer Energiekosten an.
    5. Arbeitsplätze lokal, vor Ort und durch gut ausgebildete Handwerker.
    6. ach ja, wir sollten noch etwas von dem wertvollen Öl, der Braunkohle und dem Gas für unsere Kinder übrig lassen, die haben bestimmt auch noch ideen was daraus schickes gefertit werden kann!

  • Durch technologische Innovationen alleine ist der Siegeszug der chinesischen Industrie nicht aufzuhalten. Das, was gerade in der Photovoltaik passiert, ist auch in anderen Branchen bereits passiert.
    Immerhin gebührt Deutschland dafür ein Ehrenplatz in der Geschichte, wenn man sich später einmal erzählen wird, wie es die Menschheit schließlich doch noch geschafft hat, eine Zivilisationskrise durch Energiemangel und Umweltkollaps abzuwenden.

  • @lumbagoo

    Ich bin bei Ihnen, dass die Erneuerbaren Energien auch in Saudi Arabien Einzug halten werden. Erste Miniprojekte gibt es dort schon heute. Die Frage, die sich für uns in Deutschland stellt, ist: Setzen wir mit der Photovoltaik in Deutschland auf das richtige Pferd?
    Ich denke, aus vielerlei Gründen "nein". Saudi-Arabien ist eben auf der Landkarte nicht gleich Deutschland. So einfach.

    Technologisch haben wir den kurzen Zeitvorsprung, den Deutschland in der PV vor den Chinesen mal hatte, nicht genutzt. Jetzt ist der Zug abgefahren. Wir werden also wohl oder übel diesem Geschäft aus deutscher Sicht zusehen müssen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%