Energie

Solarkonzern in Not
Solarworld verbrennt kräftig Kapital

Für die seit Jahren defizitäre Solarworld wird es mal wieder eng. Firmenchef Frank Asbeck meldet, dass der Solarkonzern einen großen Teil des Eigenkapitals verbrannt hat. Die Aktie brach am Nachmittag um 33 Prozent ein.
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DüsseldorfBeim Photovoltaikunternehmen Solarworld ist wegen eines teuren Restrukturierungsprogramms und hoher Verluste im Tagesgeschäft das Eigenkapital empfindlich zusammengeschrumpft. Bei der Muttergesellschaft Solarworld AG verringerte sich das Eigenkapital 2016 um mehr als 28 Millionen Euro auf 2,6 Millionen Euro, wie das Bonner Unternehmen am Dienstag in einer Sofortmeldung für die Börse mitteilte. Solarworld werde nun gemäß Aktiengesetz zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen. Dort muss Asbeck den Anlegern erklären, wie er das Unternehmen aus der Misere führen will.

In den Tochtergesellschaften – den Produktionstöchtern in Deutschland und der US-Tochter ¦ sei aber noch viel Substanz vorhanden, sagte ein Sprecher. Insgesamt liege das Eigenkapital des Konzerns zum Jahresende bei über 120 Millionen Euro. Dies entspreche einer Eigenkapitalquote von 18 Prozent.

„Die Kosten für die eingeleiteten Maßnahmen zur Fokussierung lasten maßgeblich auf der Muttergesellschaft des Konzerns“, erklärte Finanzvorstand Philipp Koecke. Deshalb sei dort das Kapital so stark zurückgegangen. Die Aktien waren am Nachmittag für die Dauer von rund einer Stunde vom Handel ausgesetzt und brachen nach der Wiederaufnahme um 33 Prozent auf 2,66 Euro ein.

Bereits vor vier Jahren drohte der seinerzeit mit rund einer Milliarde Euro verschuldeten Solarworld die Pleite. Infolge des Preiskampfes mit Billiganbietern aus Asien verbuchte das einstige Aushängeschild der deutschen Solarbranche in der Bilanz 2012 einen Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro. Das Eigenkapital war negativ.

Damals einigte sich Asbeck mit den Gläubigern auf einen Schuldenschnitt. Sie verzichteten auf 60 Prozent ihrer Ansprüche und erhielten dafür Solarworld-Aktien (Debt-to-Equity-Swap). Die Aktionäre beschlossen zudem einen Kapitalschnitt um 95 Prozent und begnügten sich mit fünf Prozent vom Grundkapital. Für frisches Kapital sorgte ein Investor aus Katar.

Seit damals hat es Asbeck allerdings nicht geschafft, sein von ihm gegründetes Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Zwar sorgten Einfuhrzölle auf chinesische Billigimporte zeitweise für Entspannung, doch inzwischen ist der Preiskampf erneut entflammt. 2016 verbuchten die Bonner bei einem fünfprozentigen Umsatzplus auf 803 Millionen Euro operativ einen Verlust (Ebit) von 99 Millionen Euro.

Asbeck kündigte im Februar an, durch einen deutlichen Stellenabbau und die Konzentration auf Hochleistungsprodukte 2019 in die Gewinnzone zurückkehren zu wollen. „Die Rückkehr zur Profitabilität hängt davon ab, dass es uns gelingt, durch die Fokussierung auf ausschließlich sehr hochwertige Produkte und durch Maßnahmen in allen Bereichen die Kosten zu senken.“ Die Ausgaben für die Restrukturierung bezifferte er nicht.

Für 2017 rechnet das Unternehmen mit einem besseren, aber weiterhin negativen Ergebnis. Die endgültigen Zahlen will Solarworld am 29. März vorstellen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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