Energie

Sparkurs und Stellenabbau
Das Leiden der Stahlkocher

Die Stahlkonzerne Thyssen-Krupp und Salzgitter sparen radikal und streichen Arbeitsplätze. Weltweit ringt die Branche mit Überkapazitäten und schwacher Nachfrage. Nur ein Konzern aus Europa stemmt sich gegen den Trend.
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DüsseldorfAls ob der angeschlagene Stahlkonzern Thyssen-Krupp nicht schon genug Probleme hätte: Ein tonnenschwerer Eisenbrocken blockiert offenbar den Hochofen 2 des pannengeplagten Werks in Brasilien. Die Arbeiter können die Anlage seit Mai nicht mehr komplett hochfahren. Der Konzern spricht von „Prozessinstabilitäten“. Das Brisante daran: Die Essener wollen die brasilianische Hütte losschlagen und mit dem Verkaufserlös die Bilanz aufpolieren. Doch solange der Hochofen kalt bleibt, zögern die Interessenten.

Dabei wird der angestrebte Verkauf immer dringender. Die Flaute in der Stahlbranche belastet den Konzern, der in der tiefsten Krise seit der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 steckt. „Auch wir würden gerne schneller einen Abschluss erzielen“, sagte Konzernchef Heinrich Hiesinger. „Für uns stehen aber Unternehmensinteresse und Sorgfalt an erster Stelle.“ Ein zeitnaher Abschluss wird weiterhin anvisiert. Die Formulierung „zeitnah“ benutzt Thyssen-Krupp bereits seit Mai dieses Jahres.

Nach Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen musste im Winter der halbe Vorstand gehen, später auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Das Unternehmen streicht in seiner europäischen Stahlsparte 2000 Jobs. Weitere 1800 könnten durch Beteiligungsverkäufe wegfallen. Ein geringer Trost für Thyssen-Krupp: Auch die Konkurrenten ringen mit der Stahlkrise.

So fallen bei Deutschlands zweitgrößtem Stahlkonzern Salzgitter mindestens 1500 Stellen weg. Details zu den Einsparplänen nannte das Unternehmen jedoch nicht. Der Konzern verwies auf noch laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. Zum Stichtag Ende Juni beschäftigte Salzgitter noch 25.272 Mitarbeiter. Unterm Strich musste der MDax-Konzern aus Niedersachsen in den ersten sechs Monaten einen Verlust von 315,2 Millionen Euro hinnehmen.

Auch der Stahlhändler Klöckner & Co hat sich mit einem forcierten Stellenabbau und Kosteneinsparungen gegen die schwache Nachfrage und den Preisdruck in Europa gestemmt. Der Konzern hat fast 2000 Jobs gestrichen und Dutzende Standorte geschlossen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) senkte angesichts der schwachen Ergebnisse den Ausblick für die Bonitätsnote auf „negativ“. Das Urteil von Ratingagenturen entscheidet mit darüber, zu welchen Konditionen sich Unternehmen Geld leihen können.

Der gesamte Stahlsektor ist in einer Flaute gefangen. Der Branchenverband schraubte jüngst die Produktionsprognose für 2013 zurück. Statt der bislang erwarten 43 Millionen Tonnen laufe es in diesem Jahr auf 42,2 Millionen Tonnen hinaus, teilte die Wirtschaftsvereinigung Stahl mit. Im Juli produzierten die Hersteller mit 3,4 Millionen Tonnen 5,4 Prozent weniger von dem Werkstoff als noch im Vorjahreszeitraum.

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  • Der deutschen Stahlbranche geht es schon lange schlecht, weil sie aufgrund der hohen Löhn nicht international wettbewerbsfähig ist.

    Also: Löhne um 2/3 auf ein vernünftiges Maß senken, und der Branche geht es wieder gut. Und auch auf diesem Lohnniveau haben die Stahlkocher noch ein gutes Auskommen.

  • Wieso, die historische Rezession ist doch vorüber. ich verstehe deswegen nicht die Probleme im Stahlabsatz!! :D

  • Das ist nun wirklich ein Artikel, den ich nicht verstehe, weil ich extrem medien- und systemgläubig bin. Der Stahlindustrie muß es doch blendend gehen!

    Lest Ihr Eure eigenen Artikel nicht, liebe Redaktion? Die "historische Rezession" in Europa ist vorbei, wir haben einen Aufschwung!!!! Hurrah!!!

    Das geht nun aber mal nicht ohne Stahlnachfrage, schon gar nicht im Auto-/Maschinenbauland Deutschland. ALSO: Salzgitter, Thyssen und Co geht es folgerichtig blendend! (mal von dem verheerenden Mißmanagment bei Thyssen abgesehen).

    Also: Schön weiter Blockparteien wählen!
    Die haben alles im Griff! (jedenfalls uns)

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