Energie

Stahlwerksverkauf
Die Zeit für Thyssen-Krupp verrinnt

Die Stahlwerke in Brasilien und den USA bescheren Thyssen-Krupp Milliardenabschreibungen. Die Essener wollen die Verlustbringer losschlagen. Zuletzt sprang ein Interessent ab. Doch nun rückt ein Verkauf angeblich näher.
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EssenDer angeschlagene Stahl- und Industriekonzern Thyssen-Krupp erreicht angeblich beim Verkaufsprozess für die verlustreichen Übersee-Stahlwerke eine heiße Phase. Dabei könnten brasilianische Interessenten zum Zuge kommen. „Wir befinden uns in intensiven Verhandlungen über den Verkauf von Steel Americas“, sagte ein Thyssen-Krupp-Sprecher am Freitag. Gespräche würden unter anderem mit Vale, der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES und brasilianischen Regierungsstellen geführt. Thyssen-Krupp konzentriere sich unverändert darauf, eine Übereinkunft zeitnah zu erreichen.

Eine Entscheidung wird es erst nach dem 15. Mai geben“, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Am 15. Mai will der Konzern seine Zahlen für das erste Geschäftshalbjahr vorlegen. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte ein Entscheidung für Mai in Aussicht gestellt.

Der brasilianische Bergbauriese Vale hält bereits eine Minderheitsbeteiligung an dem Thyssen-Krupp-Werk in Brasilien. Er hatte vor Monaten erklärt, an einer Übernahme nicht interessiert zu sein. Zu Steel Americas gehört auch noch ein Stahlwerk in den USA. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, eine Variante sei, dass künftig Thyssen-Krupp und Vale je ein Drittel an der Anlage in Brasilien halten und ein Drittel an den brasilianischen Stahlkonzern CSN gehen könnte. Für Investitionen könnten über eine Kapitalerhöhung 750 Millionen Dollar eingesammelt werden.

CSN hatte Interesse an beiden Thyssen-Krupp-Werken gezeigt. Dem Insider zufolge sind sowohl CSN als auch ein Bündnis aus Arcelor-Mittal und Nippon Steel noch im Rennen um beide Werke. Die Angebote beliefen sich auf über drei Milliarden Dollar. Die Konkurrenten U.S. Steel und Nucor hätten lediglich das Werk im US-Bundesstaat Alabama im Visier.

An der Börse sorgte die Aussicht auf einen bevorstehenden Verkauf der Stahlwerke für einen Kurssprung von über sieben Prozent auf 14,34 Euro. Am Vortag waren die Papiere noch unter Druck geraten, nachdem bekannt geworden war, dass der italienisch-argentinische Stahlkonzern Ternium sein Angebot zurückgezogen hatte.

Die Werke in Übersee haben Thyssen-Krupp bereits mehrfach die Bilanz verhagelt. Die Kosten für die Anlagen waren auf zwölf Milliarden Euro explodiert, zudem produzieren die Werke nicht kostendeckend. Die Verluste hatten maßgeblich dazu beigetragen, dass der auch wegen Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen unter Druck stehende Konzern im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren hatte. Thyssen-Krupp hat die Anlagen nach hohen Abschreibungen noch mit 3,9 Milliarden Euro in den Büchern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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