Energie

Tankstellen
Maue Perspektive für die Zapfsäule

Bei Aral brummt das Geschäft. Deutschlands Tankstellenprimus rüstet daher Dutzende weitere Stationen auf „Rewe to Go“-Shops um. Doch der schöne Schein trügt: Langfristig könnte Aral, Jet & Co. der Untergang drohen.
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DüsseldorfFür eine Branche, die im Sterben begriffen sein soll, geht es so mancher Tankstellenkette ziemlich gut. Patrick Wendeler blickt jedenfalls auf ein sehr gutes Geschäftsjahr zurück. „Wir haben unsere führende Marktposition im Kraftstoffgeschäft behauptet und erneut ein erfreulich positives Ergebnis erzielt“, sagte der baumlange Vorstandschef von Aral, dem deutschen Marktführer.

Unter der Marke Aral werden in Deutschland 2444 Stationen betrieben. Mit einem Marktanteil von 21,5 Prozent liegt Aral knapp vor Konkurrent Shell und mehr als zehn Prozent vor Mitbewerbern wie Jet, Total oder Esso.

Der Außenumsatz im wichtigen Shop-Geschäft lag für die rund 1200 Stationen, die Aral selbst besitzt, bei rund 1,6 Milliarden Euro. Mit Autowäschen setzte Aral bei den gesellschaftseigenen Stationen im Vorjahr mehr als 105 Millionen Euro um – ein neuer Rekord. „Mit insgesamt über 15 Millionen Autowäschen ließ statistisch gesehen jeder dritte Autofahrer sein Auto einmal bei Aral im letzten Jahr waschen“, erklärt Wendeler.

Wenn es um konkrete Umsatzzahlen oder gar Gewinnzahlen für die gesamte Aral geht, wird Wendeler allerdings schmallippig. Aral veröffentlicht nur punktuell einzelne Geschäftsergebnisse. Lediglich für den Mutterkonzern von Aral, den britischen Ölmulti BP, liegen öffentlich Zahlen vor. BP setzte demnach 2015 in Deutschland rund 42,5 Milliarden Euro um und erzielte europaweit einen Gewinn von gut 532 Millionen Euro. Wie viel Aral zu dem Gesamtergebnis beigesteuert hat, ist unklar. Neben dem Tankstellengeschäft und dem Mineralölhandel ist BP in Deutschland auch im Raffineriebereich und im Schmierstoffsektor aktiv.

Unabhängig prüfen lässt sich also nicht, wie erfolgreich das Geschäft von Aral tatsächlich gelaufen ist. Klar ist aber, dass die niedrigen Kraftstoffpreise und die gute konjunkturelle Entwicklung in Deutschland im vergangenen Jahr den Dieselabsatz der Tankstellenbetreiber steigen ließen. Mine Burcu Gürsel sieht zudem derzeit für das Geschäft von Tankstellen generell positive Signale. „Der Treiber dafür sind insbesondere die gestiegenen Zulassungen von Pkw“, sagte die Mobilitätsexpertin der Ratingagentur Scope dem Handelsblatt.

Dennoch kommt das Geschäft von klassischen Tankstellen immer stärker unter Druck. Bundesweit sinkt die Anzahl der Stationen seit Jahren. Aktuell sind es nur noch 14.510 in ganz Deutschland. Elektroautos, rückläufiger Spritverbrauch und neue Mobilitätskonzepte gefährden das Geschäftsmodell der Tankstellen dabei ebenso wie politische Vorgaben.

Allein binnen der nächsten zehn Jahre wird der Kraftstoffverbrauch aufgrund von effizienteren Motoren um gut 30 Prozent zurückgehen, schätzen die Unternehmensberater von Roland Berger. Alternative Mobilitätsangebote wie Carsharing könnten sich ebenfalls negativ auf die Margen der Tankstellen auswirken. Denn wer sich sein Auto teilt, braucht weniger Sprit.  

Die Situation für Tankstellen dürfte sich in den nächsten Jahren zudem wegen strenger werdenden  Umweltvorschriften für Autos mit Verbrennungsmotor verschärfen. So geht etwa die Landesregierung in Baden-Württemberg mit Fahrverboten gegen hohe Feinstaubwerte vor. Ab dem kommenden Jahr müssen demnach bei Smogalarm in Stuttgart viele Autos mit Dieselmotor in der Garage bleiben – zumindest dann, wenn die Fahrer vorhaben, besonders von Feinstaub belastete Straßen zu passieren.

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  • Tja, würde sich die grünsozialistische Merkelregierung mal lieber mit Putin versöhnen.
    Dann gäbe es Öl und Gas billig im Überfluss.

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