Energie

Übersee-Desaster
Arcelor-Mittal bietet 1,5 Milliarden für Thyssen-Krupp-Werk

Thyssen-Krupp will seine verlustreichen Standorte in Brasilien und den USA rasch losschlagen. Konkurrent Arcelor-Mittal bietet nun offenbar 1,5 Milliarden Dollar für das Werk in Alabama – ein Bruchteil der Investition.
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BangaloreDer Stahlkonzern Arcelor-Mittal bietet einem Medienbericht zufolge 1,5 Milliarden Dollar für das Stahlwerk von Thyssen-Krupp im US-amerikanischen Alabama. Wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen weiter berichtet, hat auch der brasilianische Konzern Companhia Siderurgica Nacional seinen Hut in den Ring geworfen. Die Brasilianer bieten demnach 3,8 Milliarden Dollar. Auch der US-Konzern Nucor sei interessiert.

Arcelor-Mittal gab in der vergangenen Woche bekannt, ein Angebot unterbreitet zu haben, nannte jedoch keinen Preis. Thyssen-Krupp hatte seine Werke in Alabama und Brasilien 2012 zum Verkauf gestellt und zunächst einen Verkaufserlös von mindestens sieben Milliarden Euro angepeilt. Analysten hatten den Wert aber lediglich auf drei bis vier Milliarden Euro beziffert, der sich auch in dem festgelegten Buchwert niederschlägt. Ursprünglich hatte Thyssen-Krupp rund zwölf Milliarden Euro in die Werke investiert.

Thyssen-Krupp geriet in den vergangenen Monaten durch Misserfolge mit Stahlwerken in Brasilien und den USA sowie diverse Kartell- und Korruptionsvorwürfe in die Schlagzeilen. Drei von sechs Vorständen mussten ihren Hut nehmen, damit ein Neuanfang gelingt. Doch auch die Arbeit des Aufsichtsrats geriet ins Kreuzfeuer der Kritik.

Weiter angefacht wurde die Kritik durch die jüngste Luxusreisen-Affäre. Das Handelsblatt hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass Thyssen-Krupp die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat mit Luxusreisen verwöhnt hatte. Der IG-Metall-Vorstand und ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Bertin Eichler und andere Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium seien zwischen 2004 und 2012 mehrfach auf Kosten von Thyssen-Krupp First-Class nach Asien und Amerika gejettet. Neben geschäftlichen Terminen hätten dabei auch touristische Attraktionen auf dem Programm gestanden.

Eichler, der sich zu fünf First-Class-Flügen einladen ließ, zog daraufhin die Konsequenzen. Er kündigte an, künftig nicht wieder für das Kontrollgremium zu kandidieren und dem Unternehmen die Kostendifferenz zwischen First-Class- und Business-Class-Flügen zu erstatten.

Angesichts dieser Vorfälle gibt es für die Hauptversammlung von Thysssen-Krupp am Freitag in Bochum gleich mehrere Anträge, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Daher wird eine turbulente Hauptversammlung erwartet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Übersee-Desaster: Arcelor-Mittal bietet 1,5 Milliarden für Thyssen-Krupp-Werk"

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  • Der Aufsichtsrat wurde über die waren Kosten getäuscht. Sicherlich war auch ein Teil Selbsttäuschung dabei, und dann wurde die Situation in Brasilien falsch eingeschätzt. Brasilien ist, was die Umweltauflagen anbetrifft eben keine Bananenrepublik, und Umweltauflagen tragen erheblich zu den Kosten einer Anlage bei, ohne auf der Produktivseite einen Vorteil zu ergeben. Dass hier auch verschiedentlich geschummelt wurde, sieht man an der schlechten Umweltbilanz für die Nachbardörfer, seit das Werk den Betrieb aufgenommen hat.

    Die meisten Lieferanten waren übrigends sehr erfahren im Bau solcher Anlagen. Bei den Eigenleistungen haperte es allerdings.

  • Steinbrück auch im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp???Was will man mit einem Sozi dort?Wenn Sozies über Wirtschaft sprechen,reden die von ihrer Eckkneipe !

  • Tja, im Aufsichtsrat war auch ein gewisser Herr Steinbrück. Außer Lobbyarbeit für geringere Energiekosten glänzte er vor allem durch häufige Abwesenheit. Dafür erhielt er eine Entschädigung von 170 TEUR.
    Wenn sich alle Aufsichtsräte in der selben Art ihrem Amt verpflichtet fühlen ist es kein Wunder dass solche Fehlleistungen des Managements geschehen können. So wurden in Brasilien z.B. unerfahrene Fremdfirmen beauftragt. Dass dort vieles daneben ging wollte auch lange Zeit niemandem auffallen.

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