Energie

Voestalpine
Stahl-Vorreiter kassiert einen Dämpfer

Der Stahlkonzern Voestalpine hat sein neues Geschäftsjahr mit einem starken Gewinnrückgang begonnen. Die moderate Erholung bei den Stahlpreisen konnte den Einbruch im Öl- und Gasbereich nicht wettmachen.

DüsseldorfSeit Jahren gilt der österreichischer Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine als Vorreiter und Maßstab für die europäische Branche. Die frühzeitige Spezialisierung auf hochwertige Stähle und die Belieferung der weitgehend konjunkturresistenten Auto-, Luftfahrt- und Bahnindustrie haben Voestalpine deutlich besser abschneiden lassen als die Konkurrenz.

Doch dieser Trend hat im ersten Quartal einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Das noch einmal verschlechterte Öl- und Gasgeschäft und die nur zögerliche Besserung der Stahlerlöse wegen langfristiger Verträge haben im ersten Quartal den operativen Gewinn (Ebit) auf 168 Millionen Euro und damit um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr (368 Millionen) schrumpfen lassen. Der Umsatz sank um gut sieben Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

Der Einbruch fiel aber auch deshalb so stark aus, weil der Konzern im gleichen Zeitraum des Vorjahres Sondererträge aus einer Konsolidierungsumstellung bei Tochtergesellschaften verbucht hatte. Bereinigt um diese Einmaleffekte ging der Nettogewinn um 28 Prozent auf 109 Millionen Euro zurück. Anleger reagierten verschreckt und schickten die Voestalpine-Aktie auf Talfahrt. Die Papiere verloren fast sechs Prozent auf 30,23 Euro und führten damit die Verliererliste im Topsegment ATX an der Wiener Börse an.

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder zeigte sich dann gar nicht so unzufrieden mit dem Ergebnis des ersten Geschäftsquartals. „Es entspricht unseren Erwartungen“, sagte er am Dienstag in Linz. Zwar hätten die schwieriger gewordenen globalwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ihre Spuren hinterlassen. „Die für uns wesentlichen Marktsegmente mit Ausnahme des Energiebereichs entwickeln sich aber weiterhin auf stabil solidem Niveau“, sagte er. „Dieses Quartal wird das schwächste in diesem Geschäftsjahr sein“, kündigte er an.

Eder geht von einer deutlich verbesserten wirtschaftlichen Entwicklung im Jahresverlauf aus, die sich auch in den Zahlen wiederspiegeln werde. So würden die im Stahl-Kontraktgeschäft vereinbarten Preiserhöhungen Schritt für Schritt wirksam werden. Hier rechnet Eder mit einer deutlichen Verbessrung ab dem laufenden Quartal. Ein Einbruch der Stahlpreise sei jedenfalls nicht in Sicht. „Wir sehen derzeit keinen Preisverfall im Herbst wie in den vergangenen vier Jahren“, sagte er. Das Preisniveau dürfte bis Jahresende in etwa gleich bleiben. „Das ist schon ein Fortschritt.“

Auch im Öl- und Gasgeschäft erwartet er angesichts anstehender Investitionen der Branche im späteren Jahresverlauf eine gewisse Entspannung. An seinen Ergebniszielen für 2016/17 auf Vorjahresniveau hält Eder unverändert fest.

Die besseren Perspektiven decken sich mit den jüngsten Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Stahl. demnach legten die Aufträge bei Walzstahl zwischen April und Juni um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Zudem füllten die Kunden verstärkt ihre Läger auf, was die Bestellungen um 16 Prozent anstiegen ließen. Dennoch warnte die Branchenvereinigung vor zu großem Optimismus: „Die Situation bleibt herausfordernd vor dem Hintergrund der nach wie vor ungelösten Importkrise auf dem EU-Stahlmarkt“, hieß es.

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