Altersvorsorgevermögen
Turbulente Zeiten für Pensionsfonds

Der Einbruch an den Finanzmärkten hat die Altersvorsorge deutscher Konzerne in Bedrängnis gebracht. In der Spitze gingen nach Berechnungen des Personalberaters Rauser Towers Perrin bis zu zehn Mrd. Euro des Altersvorsorgevermögens rechnerisch verloren - fast alle Dax-Konzerne haben ihre Pensionsverpflichtungen mittlerweile zum Teil ausgelagert.

DÜSSELDORF. Im gesamten Jahresverlauf liegt das für die Altersvorsorge zur Verfügung stehende Vermögen zum Ende des dritten Quartals allerdings mit drei Prozent im Plus. Das Gesamtbild sei also wesentlich freundlicher als es die Lage vermuten lasse, sagte Thomas Jasper, Partner von Rauser Towers Perrin dem Handelsblatt.

Deutschlands führende börsennotierte Dax-Konzerne haben inzwischen 160 Mrd. Euro für die Alterversorgung ihrer Mitarbeiter reserviert. Im Vorjahr waren es noch 139 Mrd. Euro. Praktisch gibt es keinen Dax-Konzern mehr, der nicht wenigstens einen Teil seiner Pensionsverpflichtungen in externe Fonds oder Treuhandgesellschaften ausgelagert hat. Einige Unternehmen wie SAP oder Daimler-Chrysler sogar bis zu 100 Prozent.

Allerdings sind beide Unternehmen wegen ihrer Historie ganz unterschiedlich belastet: Beim vergleichsweise jungen Softwarekonzern SAP waren es zum Ende des Geschäftsjahres 2006 gerade mal 316 Millionen Euro: Bei Daimler-Chrysler dagegen rund 37 Mrd. Euro an Pensionsverpflichtungen. Nach der Scheidung von Chrysler dürfte davon etwa die Hälfte übrig bleiben. Der Stuttgarter Autohersteller räumt damit den Spitzenplatz in dieser Rangliste zugunsten des Elektronikkonzerns Siemens. Der schiebt rund 26 Mrd. Euro Pensionsverpflichtungen vor sich her und zählt zu den deutschen Pionieren bei der Ausgliederung von Pensionsverpflichtungen.

Traditionell bildeten deutsche Unternehmen Rückstellungen für die Altersvorsorge in ihren Bilanzen. Die dafür reservierten Mittel können, sie müssen aber nicht in Aktien oder festverzinsliche Wertpapiere angelegt werden. Finanzchefs nutzten vielfach die Gelegenheit, ihre Milliarden schweren Alters-Rückstellungen für die Innenfinanzierung, zum Beispiel für Investitionen, einzusetzen statt Kredite bei Banken aufzunehmen.

Auf wachsenden Druck der internationalen Finanzmärkte änderten die deutschen Unternehmen jedoch in den zurückliegenden Jahren ihre Politik. Immer mehr gliederten die Verpflichtungen in Pensionsfonds aus, seit einigen Jahren auch in so genannte Contractual Trust Arrangements (CTA). Darin werden mit Hilfe einer Treuhandkonstruktion die Pensionsvermögen an Trägerunternehmen ausgelagert, die Bilanz der Unternehmen zugleich entlastet. Die Vorsorgeverpflichtungen können nur dann aus der Bilanz gestrichen werden, wenn gleichzeitig Firmenvermögen an die Trusts oder Fonds übertragen wird.

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