Firmencheck
Kranken Konzernen geht die Luft aus

Nur Unternehmen, die im zurückliegenden Boom ihre Eigenkapitalbasis ausreichend gestärkt und ihre Liquiditätsreserven erhöht haben, dürften in der Lage sein, auch eine längere Durststrecke zu überstehen. Ein Blick in die Bilanzen offenbart Bedrohliches: Viele Unternehmen luden sich vor der Krise hohe Schulden auf. Deshalb kann jetzt der Spielraum eng werden.

DÜSSELDORF. "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist ..." - im Märchen gibt der sprechende und allwissende Spiegel die einzig richtige Antwort. Externen Bilanzlesern steht ein solches Hilfsmittel nicht zur Verfügung. Zwar sollen Jahresabschlüsse ein zutreffendes und unverfälschtes Abbild der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens zeichnen, aber leider haben die Zahlenwerke einen Haken: Sie beschäftigen sich mit der Vergangenheit, für eine Prognose eignen sie sich nur bedingt. Ganz besonders gilt das in der aktuellen Rezession.

"Die klassische Bilanzanalyse kann nicht immer verlässliche Aussagen zur Krisendiagnose treffen", sagt Karlheinz Küting, Chef des Instituts für Wirtschaftsprüfung (IWP) in Saarbrücken. Denn der externe Bilanzleser wird nie die Möglichkeit haben, sich ein detailliertes Bild von einem Unternehmen zu machen.

Und trotzdem: Es lohnt sich, die Bilanzen genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn nur diejenigen Unternehmen, die im zurückliegenden Boom ihre Eigenkapitalbasis ausreichend gestärkt und ihre Liquiditätsreserven erhöht haben, dürften in der Lage sein, auch eine längere Durststrecke zu überstehen. Ein Blick in die Zahlenwerke offenbart da Bedrohliches: Viele Unternehmen luden sich vor der Krise hohe Schulden auf. Wenn nun die Erträge aus dem operativen Geschäft wegbrechen und zugleich kurzfristige Schulden zu tilgen sind, kann der Spielraum eng werden. Von den Banken ist derzeit kaum Hilfe erwarten. Vielmehr überwachen diese aus Angst vor weiteren Firmenpleiten penibel die Einhaltung der Kreditauflagen.

Um mögliche Wackelkandidaten zu identifizieren, hat das Handelsblatt in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Oliver Wyman und dem IWP 133 Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne einem Stresstest unterzogen. Die Analyse zeigt, wie gut die Unternehmen aus den Börsensegmenten Dax, MDax, TechDax und SDax für die Krise gerüstet sind.

Wie schlecht es beispielsweise um den Handels- und Touristikkonzern Arcandor wirklich steht, zeigt der Jahresabschluss 2008. Bereits bis Ende September hatte das Essener Unternehmen einen Schuldenberg von 12,7 Mrd. Euro aufgetürmt. Der Eigenkapitalanteil der Bilanzsumme war auf 8,8 Prozent geschmolzen und sank bis Ende Dezember weiter auf bedenklich niedrige 5,6 Prozent. Außerdem verbrannte das Unternehmen im operativen Geschäft viel Geld und hatte große Mühe, die Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten. Das Ende ist bekannt: Im Juni meldete Arcandor Insolvenz an.

Für den Bilanzexperten Küting stellt sich daher die Eigenkapitalausstattung, "also die andere Seite der Fremdkapitalquote", gerade in der Krise als einer der verlässlichsten Indikatoren für die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens heraus. Auch Oliver-Wyman-Partner Thomas Kautzsch sagt, Fremd- und Eigenkapital erwiesen sich gerade jetzt als "zentrale Kennzahlen". Zudem zeige der Stresstest, dass Investoren sich nicht auf einzelne Kennzahlen beschränken dürften. Es gebe praktisch kein Unternehmen, dass in allen Rubriken ganz schlecht abschneide. "Blaue Briefe" (siehe unten) gibt es daher nur für die Unternehmen, die bei mindestens zwei der drei ausgewählten Kennzahlen (siehe nebenstehenden Artikel) unter den 25 schwächsten Unternehmen zu finden sind.

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