Firmencheck
Solarboom treibt Wacker Chemie

Silizium schlägt alles: Mit der Kunst der Kristallveredelung hat es Wacker Chemie an die Spitze des Firmenchecks gebracht. Der Solarzellen-boom trifft ein Unternehmen, dass sich in den vergangenen Jahren erstaunlich entwickelt hat - und für die Zukunft noch einiges plant.

MÜNCHEN. Glücklich darf sich schätzen, wer ein Pulver verkauft, auf das die halbe Welt wartet. Wacker Chemie, der Münchener M-Dax-Konzern hat solch einen Stoff im Angebot: Polykristallines Silizium. Kaum eine Solarzelle liefert ohne die veredelten Kristalle Strom und auch die Chipindustrie ist ein gieriger Abnehmer. Polykristallines Silizium macht Wacker im Handelsblatt-Firmencheck zum renditestärksten deutschen Unternehmen.

Die Siliziumproduktion ist eines der fünf Geschäftsbereiche des Konzerns. Nun laufen Polymere, Dispersionspulver und andere chemische Helfer nicht schlecht, aber nichts schlägt derzeit die Nachfrage nach Silizium. Da weltweit nur ein halbes Dutzend Unternehmen die Kunst der Kristallveredlung industriell beherrschen, ist Wacker in einer blendenden Ausgangsposition. Wacker baut die Produktion in Deutschland massiv aus, von derzeit 10 000 Tonnen auf 22 000 Tonnen im Jahr 2010, über ein zusätzliches Werk im Dollarraum entscheidet das Unternehmen noch in diesem Jahr. Die Kunden aus der Solarwirtschaft können den Ausbau kaum erwarten, die Produktion der bestehenden Kapazitäten ist bis 2015 "zu 80 Prozent ausverkauft", wie ein Wacker-Sprecher frohlockt. Wer im kommenden Jahrzehnt Kontingente haben will, zahlt jetzt: Ein Großteil des um 500 Mill. Euro auf 643 Mill. Euro angeschwollenen Cash-Flows sind Anzahlungen auf künftige Siliziumlieferungen der Solarzellenhersteller. Solange der Solarboom hält, geht es Wacker gut.

Der Boom trifft ein Unternehmen, das sich in den vergangenen Jahren erstaunlich entwickelt hat. 2005 kaufte die Familie Wacker die Mehrheit von Sanofi-Aventis zurück und brachte Wacker ein Jahr später an die Börse. Noch immer hält die Familie die Mehrheit, die Eigenkapitalquote liegt bei 50 Prozent. Es folgt ein Rekordjahr nach dem anderen. Allein 2007 wuchs der Umsatz um 13 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro, der Reingewinn um ein Drittel auf 422 Mill. Euro. Der enorm hohe Cash-Flow macht Wacker unabhängig für seine weiteren Wachstumspläne. Fremdkapital bleibt ein Fremdwort.

Und die Münchener haben viel vor. Allein in diesem Jahr will Wacker eine Mrd. Euro investieren. Neben dem Ausbau der Polysilizium-Produktion ist China der Schwerpunkt. Wacker baut derzeit in China eine gemeinsames Werk mit dem US-Rivalen Dow Corning zur Produktion von Siloxan. Die Chemikalie ist eine wichtige Komponente für die in China stark wachsende Bauindustrie. Auch die Produktion von Dispersionspulver, einem wichtigen Grundstoff für Farben und Lacke, wird ausgebaut.

Das zweite wichtige Großprojekt entsteht in Singapur. Siltronic, die einst siechende Wacker-Halbleitertochter hat gerade die gemeinsame Produktion von Wafer-Scheiben eröffnet, dem Ausgangsmaterial für die Chipfertigung. Der koreanische Konzern Samsung, einer der größten Chipproduzenten der Welt, ist Partner und Hauptabnehmer der Wafer. Beide Unternehmen teilen sich die Investitionskosten von rund einer Mrd. Euro.

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