1,9 Milliarden Dollar Verlust
Etihad landet auf dem Boden der Tatsachen

Es ist der erste Verlust seit fünf Jahren: 1,9 Milliarden Dollar Miese muss Etihad verkraften. Die Airline korrigiert den Wert ihrer Flugzeuge massiv nach unten. Die Zahlen sind auch ein Fingerzeig für Air Berlin.
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FrankfurtDie Herrscher in Abu Dhabi räumen radikal bei ihrer Airline Etihad auf. Das jedenfalls belegen die heute publizierten Geschäftszahlen für das vergangene Jahr. Demnach hat die Mutter-Gesellschaft der deutschen Air Berlin im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 1,9 Milliarden Dollar (umgerechnet fast 1,6 Milliarden Euro) eingeflogen. Das ist der erste Verlust seit fünf Jahren. 2015 wurde noch ein Nettogewinn von 103 Millionen Dollar ausgewiesen, 2014 waren es 73 Millionen Dollar. Der Umsatz sank leicht von neun auf 8,36 Milliarden Dollar.

Hauptgrund für den Rekordverlust sind Abschreibungen in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar. Ohne diese hätte Etihad also einen kleinen Gewinn verbuchen können. Interessant ist der Blick auf die einzelnen Abschreibungspositionen. Ihre Flugzeuge hat die Airline-Gruppe aus Abu Dhabi um die beachtliche Summe von 1,06 Milliarden Dollar wertberichtigt.

Das Management verweist in seiner Erklärung auf niedrigere Marktwerte sowie das beschleunigte „Ausphasen“ von bestimmten Flugzeug-Typen, also die Herausnahme von Flugzeug-Modellen aus der Flotte. Auffällig dabei: Keine andere Airline auf der Welt hat in der jüngeren Vergangenheit auf die Notwendigkeit verwiesen, ihre Flugzeugwerte derart signifikant neu zu bewerten, weil sich das Marktumfeld radikal verändert hat.

Das spricht dafür, dass Etihad seine bisherigen Bilanzen unter dem mittlerweile ausgeschiedenen langjährigen CEO James Hogan bis an die Grenzen ausreizt hatte, um gut dazustehen. Interims-CEO Ray Gammell hat offensichtlich die klare Ansage, dies zu bereinigen.

Hohe Wertberichtigungen wurden zudem auf die Beteiligungen der Etihad Gruppe vorgenommen, vor allem auf die seit Jahren hohe Verluste schreibenden Fluggesellschaften Air Berlin und Alitalia. Etihad beziffert die Abschreibungen bei diesem Posten auf immerhin 808 Millionen Dollar.

Dass die Bilanz auch in diesem Punkt bereinigt wird, spricht dafür, dass Etihad die Trennung von Air Berlin und anderen Beteiligungen vorbereitet. Erst vor wenigen Tagen hatte sich der Golf-Anbieter von der Schweizer Regionalfluggesellschaft Darwin getrennt. Bei Air Berlin steht eine Integration in Lufthansa im Raum. Bei der insolventen Alitalia wiederum ist gerade die Frist abgelaufen, innerhalb derer Interessenten zunächst unverbindliche Angebote vorlegen können.

Unter anderem hat Ryanair mitgeboten, auch Lufthansa hat ein Auge auf bestimmte Teile wie Slots oder Flugzeuge von Alitalia geworfen. Die Bewerbungen werden nun ausgewertet, und im Herbst sollen dann die verbleibenden Kandidaten verbindliche Angebote präsentieren.

Dazu passt, wie auffällig intensiv Management und Verwaltungsrat betonen, dass das Geschäft der Kern-Airline Etihad gesund sei. „Die Rekord-Passagierzahlen im Jahr 2016 bestätigen die Rolle Etihads als bedeutender wirtschaftlicher Pfeiler für Abu Dhabi“, wird Mohamed Mubarak Fadhel Al Mazrouei, Chairman der Etihad Aviation Group, zitiert.

Das Airline-Geschäft unterstütze weiterhin die Vision von Abu Dhabi, den Tourismus zu entwickeln, den Handel voranzutreiben und die Verbindungen zu wichtigen regionalen und internationalen Märkten zu stärken.

Noch Anfang Februar hatte der damalige Etihad-Chef Hogan die „Stärke des Geschäftsmodells durch die Vielfalt der beteiligten Unternehmen“ gelobt.

Davon ist nun keine Rede mehr. „Wir konzentrieren uns auf die solide Performance unseres Flug-Kerngeschäfts, sowohl operativ als auch finanziell, trotz schwierigen Gegenwinds vom Markt“, sagte Interims-CEO Gammell. Und ergänzte: „Gleichzeitig sorgen wir dafür, Veränderungen innerhalb der gesamten Gruppe zu implementieren. Diese sind Teil der umfassenden Strategieüberarbeitung mit Fokus auf verbesserte Erträge und sinkende Kosten.“

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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  • Die meisten Fluggesellschaften dürften wohl deshalb keine Abschreibungen auf ihre Flugzeuge gemacht haben, weil sie diese (bisher) auch nicht bilanzieren.

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