100-jähriges Jubiläum
Was Aldi den Geburtstag versüßt

Aus einem kleinen Supermarkt in Essen-Schonnebeck haben die Albrecht-Brüder einen Milliardenkonzern erschaffen. Der Druck der Konkurrenz zwingt den Discounter zu einer Frischzellenkur. Eine Spurensuche.
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Essen/DüsseldorfDer Ursprungs-Aldi ist ein Schlauch: Vorne drei Kassen, drei schmale Gänge, am hinteren Ende ist das Lager so groß wie gerademal zwei Auto-Garagen. Huestraße 89, 45309 Essen-Schonnebeck – hier ist die Keimzelle des Aldi-Imperiums. Heute vor 100 Jahren begann im Haus nebenan Karl Albrecht mit Backwaren zu handeln. Ein Jahr später eröffnete das Lebensmittelgeschäft am heutigen Standort. Daraus bauten die Söhne Karl Junior und Theo nach dem Krieg eine der größten Einzelhandelsketten der Welt auf.

Weltweit setzt der Discounter inzwischen mehr als 60 Milliarden Euro um. Bis heute entstanden über den ganzen Globus verteilt 10.000 Filialen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern. Doch in der ersten Filiale in Essen ist die Welt stets klein geblieben. Aldi in Reinform: Viel Ware auf wenigen Quadratmetern, Dämmerlicht aus Neonröhren. Die Kunden kommen wegen des Preises, nicht wegen der ansprechenden Warenpräsentation.

Vom Discount-Prinzip Aldis haben sich die traditionellen Supermärkte in den vergangenen Jahren abgesetzt. Mit Erfolg – Edeka, Rewe und Co. holten sich Umsatz vom Discounter zurück. Doch inzwischen wehrt sich Aldi und setzt ebenfalls auf eine hochwertige, weil lukrative Strategie. „Früher war alles grau in grau, jetzt stehen auch mal bunte Kartons im Regal“, sagt ein Aldi-Filialleiter zu Handelsblatt Online.

Dabei waren es schlichte Läden und niedrige Preise, mit denen die Albrecht-Brüder die Deutschen überzeugten und zu Discount-Fans formten: Im vergangenen Jahr haben rund 87 Prozent der Deutschen zumindest einmal bei Aldi eingekauft. Gnadenlos sparsam und ein Kontrollwahn, der an die Inquisition erinnert – an Anekdoten über die beiden Brüder Karl und dem im Jahr 2010 verstorbenen Theo Albrecht hat es nie gemangelt. Doch die Knauserigkeit der Firmengründer war mehr als nur eine Marotte. Sie war ein wesentlicher Teil des Erfolgsrezeptes der geschäftstüchtigen Männer.

Die beiden Brüder hatten eine zueinander passende Arbeitsauffassung. Das erwies sich als Glücksfall. Von vornherein teilten sie sich ihre Aufgaben: Karl versah den Innen-, Theo den Außendienst. Sprich: Theo betreute die Verkaufsstellen, Karl kümmerte sich um die schwierige Einkaufspolitik. Es war nach dem Krieg nicht einfach, die richtige Ware preiswert und in ausreichender Menge zu erhalten.

Ab 1961 wurde aus dem Lebensmittelhandel der Brüder Albrechts Discount – kurz Aldi. Die ebenfalls hoch gehandelte Namens-Alternative „Billi“ kam letztlich nicht zum Zug. Binnen eines halben Jahrhunderts formten die beiden Brüder einen Milliardenkonzern, der die deutsche, aber auch die internationale Handelslandschaft nachhaltig veränderte. Das unternehmerische Motto der Brüder hieß: „Unsere Werbung liegt im niedrigen Preis.“

Ihre Operationsgebiete teilten die beiden in gesellschaftsrechtlich selbstständige Aldi-Gesellschaften. Damals entschieden sie, auf ihrer Deutschlandkarte den Aldi-Äquator mitten durchs Ruhrgebiet laufen zu lassen. Auch auf dem Globus markierten sie Zonen, die jeder der Brüder exklusiv für sich hatte. Aldi Nord (Theo) regiert seitdem in Dänemark, Benelux, Frankreich, Spanien und Portugal. Die von Mülheim an der Ruhr aus gesteuerte Süd-Schiene (Karl) legte den Schwerpunkt auf Osteuropa, den Alpenraum und die englischsprachigen Länder.

Kommentare zu " 100-jähriges Jubiläum: Was Aldi den Geburtstag versüßt"

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  • Aldi hat nachweislich eine für den Handel sehr niedrige Fluktuation und bezahlt seine Mitarbeiter anständig. Dafür muss man eben auch an die Schippe.
    Wie es falsch geht, sieht man bei Karstadt. Im feinen Kostüm die Pullover für nen Haufen Kohle falten und den Kunden als Unterbrechung der Arbeit sehen.

  • Die Einlassung von Herrn Brandes " ...das die Überzeugung ,Inhalt ist wichtiger als Verpackung auf der Strecke bleibt" ist unbegründet und spiegelt die konservative Ausfassung dieses sicherlich verdienten ALDI-Nord - Managers, über den aber die Verbraucherwünsche der heutigen Zeit hinweggegangen sind. So sehen die ALDI-Nord-Filalen ja auch aus.
    Dem Preis entsprechende Qualität wird vom Verbraucher auch im Supermarkt als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, insbesondere in einer Zeit, in der alles und jedes überall verfügbar ist.
    Aber auch der preisbewusste will außer Produkten in Billigregalen und guten, fleissigen Mitarbeitern mit "modisch unterirdisch " verordneten Arbeitskitteln, etwas mehr Kaufemotion. Es denkt mittlerweile neben Grundbedarfsdeckung auch mehr in Anlaßkauf oder in Themenkauf/-angeboten, wie das z.B. von ALDI-Süd beispielhaft vorgemacht wird. Dagegen wirkt ALDI-Nord in Angebot, Ladengestaltung und Kundenorientierung wie ein Supermarkt einer längst vergangenen Zeit.
    Gut wenn sich da etwas ändern würde, zumal es gute Beispiele bei der Schwesterfirma ja gibt.

  • Dort nicht einzukaufen hilft den Angestellten auch nicht weiter. Ganz im Gegenteil.
    Das Grundproblem lässt sich durch nicht-tun auch nicht lösen, also kann man denen das bisschen was sie kriegen wenigstens noch "gönnen" (ein schwieriger Ausdruck für soetwas, mir fiel aber kein besserer ein).

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