143-Milliarden-Dollar-Deal
Kraft Heinz sagt Übernahme von Unilever ab

Der amerikanische Ketchup-Hersteller Kraft Heinz hat sein 143 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot für Unilever überraschend zurückgezogen. Ein Schock für die Anleger: Die Unilever-Aktie stürzt am Morgen ab.
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New YorkDer US-Lebensmittelriese Kraft Heinz hat sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den britisch-niederländischen Konsumgüterkonzern Unilever nach nur zwei Tagen wieder zurückgezogen. Das teilten die Unternehmen am Sonntag in einer gemeinsamen Mitteilung mit. Die 143 Milliarden Dollar (134 Milliarden Euro) schwere Offerte vom Freitag ist damit schon wieder vom Tisch. Ein Grund dafür wurde zunächst nicht genannt. Insider erklärten aber, Kraft sehe den Deal als nicht mehr verhandelbar an, da das Vorhaben bereits in einem in einem frühen Stadium bekannt geworden sei. Am Aktienmarkt hatte es am Freitag Gerüchte über die Pläne gegeben, Darauf war Kraft durch die britischen Übernahme-Regeln zu einer Veröffentlichung des Vorhabens gezwungen gewesen.

Ein Sprecher von Kraft Heinz schrieb in einer Mail vom Sonntag: „Das Interesse von Kraft Heinz wurde extrem früh publik gemacht. Unsere Intention war es, auf einer friedlichen Basis weiterzumachen. Doch es wurde klar, dass Unilever das Geschäft nicht durchführen möchte. Es ist daher das Beste, sich früh zurückzuziehen, so dass beide Firmen sich auf ihre unabhängigen Strategien konzentrieren können.“

Unilever hatte den Fusionsversuch bereits zurückgewiesen. Der britisch-niederländischen Hersteller von Dove-Seife, Axe-Duschgel und Lipton-Tee hielt sich durch das vorgeschlagene Angebot für „fundamental unterbewertet“. Es stellte mit 49,61 Dollar je Aktie immerhin einen Aufschlag von 18 Prozent auf den letzten Schlusskurs dar, allerdings verkündete der Konzern am Freitag: „Unilever sieht keine Basis für weitere Diskussionen.“ Kraft Heinz hatte zuvor bereits erklärt, weiter auf einen Zusammenschluss dringen zu wollen.

Laut „Wall Street Journal“ hatte Unilever-Chef Paul Polman allerdings auch den Verwaltungsrat und große Investoren gegen Kraft Heinz in Stellung gebracht. Das „WSJ“ schreibt in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen, Polman habe vor dem „Kostensenkungs-Ethos“ der Amerikaner gewarnt, das die Unilever-Marken beschädigen könnte.

Eine Fusion der Branchenschwergewichte hätte einige bekannte Marken unter einem Dach vereint. Zu Kraft Heinz gehört neben dem bekannten Ketchup etwa Philadelphia-Frischkäse oder die Mayonnaise Miracel Whip. Entstanden wäre ein Konsumgüter-Gigant mit einem Umsatz von gut 82 Milliarden Dollar, der nahe an den Schweizer Weltmarktführer Nestlé mit 89 Milliarden Dollar herangerückt wäre.

Nachdem Unilever-Aktien am Freitag zeitweise um fast zehn Prozent zugelegt hatten, brachen die Papiere zum Handelsstart am Montag an der Börse in London um 7,8 Prozent ein.

Als treibende Kraft hinter dem Vorhaben waren am Freitag Investoren vermutet worden, die die US-Lebensmittelbranche bereits seit Jahren umpflügen. Hinter Kraft stehen der Milliardär Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sowie der Finanzinvestor 3G Capital.

Unilever hatten neben einer zu niedrigen Offerte auch von strategischen Gründen gesprochen, die gegen eine Übernahme sprächen. Daher sehe Unilever keine Grundlage für weitere Gespräche, hatte es geheißen. Kraft hatte indes erklärt, man freue sich, eine Einigung über die Bedingungen einer Übernahme zu erreichen.

Die Lebensmittelbranche ist seit Jahren im Umbruch – vor allem in den USA: Kraft Heinz war selbst erst 2015 aus der Fusion des Ketchup-Herstellers Heinz mit dem Philadelphia-Produzenten Kraft hervorgegangen. Mitgemischt hatte bereits damals der Finanzinvestor 3G.

Unter Analysten und Investoren wurde nach Aufgabe des Vorhabens darüber spekuliert, ob Kraft wohl einen „Plan B“ hat und sich um ein anderes Übernahmeziel bemühen wird. Die Offerte für Unilever zeige, dass Kraft bereit sei, auch außerhalb des bisherigen Kern-Bereichs Nahrungsmittel zuzukaufen, sagte Analyst Ali Dibadj von Sanford Bernstein. Er nannte Colgate-Palmolive als ein mögliches neues Ziel von Kraft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur

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