Accor
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Die französische Hotelkette Accor versucht es mit Masse und Klasse: Der viertgrößte Betreiber dieser Art stellt sich der Konkurrenz in Form von Billiganbietern wie Motel One, möchte dabei jedoch auch die Kundschaft in der Oberklasse bedienen. Ein Spagat, der dem Unternehmen ein neues Profil verschaffen soll.

PARIS. Der französische Hotel- und Service-Konzern Accor will sein Angebot an günstigen Hotels in Deutschland ausbauen: „Wir wollen unseren beiden Economy-Marken in den kommenden drei Jahren jeweils zehn bis 15 Hotels hinzufügen“, kündigte Gilles Pélisson, Vorstandschef von Accor, im Gespräch mit deutschen Journalisten an. Das will sich Accor rund 150 Millionen Euro kosten lassen. Derzeit hat Accor 70 Häuser der Marke „Ibis“ und 80 der Kette „Etap“. Von der neuen Economy-Marke „All Seasons“ will Accor in Deutschland 20 Hotels aufmachen.

Branchenexperten werten die Ankündigung als eine Reaktion auf die schärfere Konkurrenz im Economy-Bereich: „Neue Wettbewerber wie Motel One machen Accor in Deutschland zunehmend das Leben schwer“, meint Maria Pütz-Willems, Chefredakteurin des Branchenfachdienstes „Hospitality Inside“. Denn die Motels von One Hotels seien günstiger als die „Ibis“-Hotels von Accor, böten den Gästen aber dennoch zentrale City-Lagen. Accor habe in Deutschland seine alte Stärke der Econoym-Hotelerie zu lange vernachlässigt.

Accor ist der weltweit viertgrößte Hotel-Betreiber mit 41 000 Hotels und rund 500 000 Zimmern. Im November feierte der Konzern sein 40-jähriges Bestehen. Seit zwei Jahren versucht Gilles Pélisson, Neffe eines der Gründer, dem Hotelriesen neues Leben einzuhauchen. Der neue Chef hat Randbeteiligungen wie den Club Med verkauft und die Strategie geändert: Wie die angelsächsische Konkurrenz will Accor sich auf den Betrieb der Hotels konzentrieren; die Immobilien werden größtenteils verkauft. Hinter der Strategiewende steht auch Großaktionär und Immobilienspezialist Colony Capital, der rund zehn Prozent an Accor hält.

Die derzeitige US-Immobilienkrise würde Accor keine Probleme bereiten, wie geplant wie Ende 2008 Häuser im Wert von 1,9 Mrd. Euro zu verkaufen, versicherte der Accor-Chef. „Die Käufer sind überwiegend Immobiliengesellschaften wie Reits, die ständig auf der Suche nach interessanten Objekten wie Hotels mit stabilen Einnahmen sind“, sagte Pélisson. Bis 2010 sollen nur noch 23 Prozent der Hotels Accor selbst gehören, derzeit ist es rund die Hälfte.

Pélisson arbeitet ferner daran, das Markensortiment (siehe Grafik) der Hotels klarer zu positionieren: Die Marke „Sofitel“ soll dabei klar auf Luxus ausgerichtet werden, unterhalb positioniert er die neue Business-Marke „Pullman“. Am unteren Ende fügt er ferner die neue Marke „All Seasons“ an.

Mit „All Seasons“ zielt Accor in Deutschland auf mittelständische Hotelbesitzer; sie sollen ihr Haus unter dieser Marke im Franchise-System betreiben und sich so dem Accor-Konzern anschließen. Denn „All Seasons“ ist nicht standardisiert wie „Ibis“, sprich, die Betreiber haben mehr Freiheiten.

Analysten halten die Gesamtstrategie für schlüssig und sind überwiegend positiv gestimmt (18 von 20 bei Bloomberg erfasste Analysten raten zum Kauf) Doch Branchen-Experten sehen auch Gefahren: „Accor droht mit seiner Vielzahl von Marken den Kunden eher zu verwirren“, meint Pütz-Willems, von „Hospitality Inside“.

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