Aerolíneas Argentinas
Argentinien kauft seine Fluggesellschaft zurück

Schon zwei spanische Airlines haben versucht, die argentinische Aerolíneas Argentinas zu sanieren, zwischenzeitlich scheiterte auch American Airlines daran, die südamerikanische Fluggesellschaft profitabel zu machen. Nun möchte die argentinische Regierung das Unternehmen aus den Turbulenzen führen - ein gewagtes Unterfangen.

SÃO PAULO. Die chronisch krisengeschüttelte Fluggesellschaft Aerolíneas Argentinas gehört wieder Argentinien. Mit dem spanischen Besitzer Marsans einigte sich die Regierung in Buenos Aires nach zähen Verhandlungen, dass die Aktien der Aerolíneas Argentinas sowie der dazugehörigen Binnenfluggesellschaft Austral dem argentinischen Staat übertragen werden.

Eine Kaufsumme wurde nicht genannt, jedoch übernimmt die argentinische Regierung Schulden in Höhe von rund 800 Mill. Dollar. Dennoch soll die vor 18 Jahren privatisierte Fluggesellschaft nicht dauerhaft verstaatlicht werden: Der zuständige Sekretär für Transport Ricardo Jaime erklärte, dass die Gesellschaft in den nächsten zwei Monaten kapitalisiert und saniert werden soll. Danach würde das Unternehmen zum Teil wieder an Privatunternehmen verkauft werden. Staatspräsidentin Cristina Fernández erklärte, dass auch ein Verkauf an ausländische Konzerne möglich sein werde. Ob es dazu kommt, ist jedoch zweifelhaft: Bereits die Vorgängerregierung ihres Ehemannes Néstor Kirchner fuhr einen klaren nationalistischen Verstaatlichungskurs unter dem zahlreiche Unternehmen, die in den neunziger Jahren privatisiert worden waren, wieder unter staatliche Aufsicht gestellt wurden.

Dennoch bemühte sich die argentinische Regierung jetzt, eine einvernehmliche Lösung mit den spanischen Besitzern zu erreichen, die den Konzern 2001 übernommen hatten. Zeitweise drohten die Verhandlungen abzubrechen und wären dann zu einer weiteren Belastung im spanisch-argentinischen Verhältnis geworden.

Denn seit ihrer Privatisierung 1990 bestimmen spanische Kontrolleure über das Schicksal der traditionellen argentinischen Fluglinie – sehr zum Unwillen der Argentinier: Zuerst hatte die spanische Fluglinie Iberia den argentinischen Konkurrenten übernommen, war jedoch kurze Zeit selbst in Turbulenzen geflogen. Zeitweise versuchte auch American Airlines die Fluglinie zu sanieren.

Danach gehörte Aerolíneas Argentinas der spanischen „Staatlichen Organisation für Industrielle Beteiligungen“, welche die Fluggesellschaft vor sieben Jahren an den Touristikkonzern Marsans verkauft hatte. In Buenos Aires heißt es, dass die Marsans-Besitzer wegen verschwundenen Subventionen beim Kauf der argentinischen Fluglinie in Madrid vor Gericht stehen würden. 300 Mill. Euro von insgesamt 800 Mill. Euro seien verschwunden, die der spanische Staat zur Schuldentilgung der maroden Fluglinie 2001 zugeschossen habe. In Argentinien haben vor allem die fünf an der Gesellschaft beteiligten Gewerkschaften Druck gemacht, dass die Regierung die Kontrolle des Konzerns übernimmt. Aerolíneas Argentinas fliegt seit vergangenem Jahr unter Gläubigerschutz. Seit Monaten zahlt die Linie nicht mehr regelmäßig Löhne. Mehr als die Hälfte der Flotte steht am Boden, weil das Geld für Wartung und Kerosin fehlt. Die Flugausfälle zur derzeitigen Wintersaison in Argentinien haben in den letzten Wochen für große Verzögerungen im Flugverkehr geführt. Letzten Monat griff die Justiz ein und zahlte einen Überbrückungskredit, damit ein Teil der Flotte weiterfliegen und das Personal bezahlt werden konnte.

Noch 2003 hatte der Konzern großspurig verkündet, bald einen internationalen Börsengang zu beabsichtigen. Doch seitdem veröffentlicht der Konzern nur unregelmäßig seine Bilanzen. Die Gewerkschaften in Argentinien behaupten, dass das Unternehmen täglich eine Million Dollar Verlust einfliegt, bei einem Umsatz von 100 Millionen Dollar monatlich. Eine genaue Buchprüfung will die Regierung in den nächsten Tagen einleiten. Interesse am argentinischen Flugmarkt als Investor hat in den letzten Jahren mehrfach die chilenische Airline Lan verkündet.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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