Air Berlin kauft DBA
Flucht nach vorn

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold läutet mit der Übernahme der Münchener Fluglinie DBA die seit langem erwartete Konsolidierung im Markt der Billigflieger ein. Die Fusion ist die einzige Chance für sein Unternehmen, merklich zu wachsen. Denn das Geschäft über den Wolken ist hart. Auch Hunold musste schon derbe Rückschläge verkraften.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Selbst ein Börsengang, dem mancher Beobachter das Prädikat „desaströs“ gab, konnte Joachim Hunold nicht beirren – zumindest nach außen hin. Einmal musste das Going Public seiner Air Berlin mangels Nachfrage verschoben werden. Dann ging der Kurs in den Sinkflug über, obwohl Hunold den ursprünglich anvisierten Ausgabekurs auf Druck der Investoren deutlich reduzieren ließ.

„Den Achim“, wie der Air-Berlin-Chef branchenweit nur heißt, focht das nicht an. „Ich wollte uns auf eine solide Wettbewerbsbasis stellen, das haben wir geschafft“, erklärte er wenige Tage nach dem Börsengang. Und er kündigte sogleich an, dass es noch „die eine oder andere Veränderung im Markt in diesem Jahr“ mit ihm geben werde. Die Veränderung hat seit gestern drei Buchstaben: DBA. Die Air-Berlin-Aktie war da gerade unter die Zehn-Euro-Marke gerauscht, meilenweit vom ebenfalls verfehlten Ausgabekurs von zwölf Euro entfernt.

Die Anleger zeigten Hunold damit nur, was sie von ihm und der gesamten Airline-Branche in den nächsten Jahren erwarten: Verluste. Seit Jahren zeigen Branchenexperten mit dem Finger auf die gnadenlosen Überkapazitäten im europäischen Flugmarkt. Während es im Sommer 2000 mit zwölf Billigfluganbietern fast noch beschaulich zuging, zählte die Unternehmensberatung Mc Kinsey vier Jahre später bereits 54 Billig-Airlines in Europa: Angeführt vom obersten Geizhals Ryanair unterbieten sie sich regelmäßig mit immer abenteuerlicheren Tiefstpreisen. Zwar gab es inzwischen kleinere Marktaustritte wie die Pleiten von Volare (Italien), Air Polonia (Polen) oder V-Bird (Deutschland). Mehr als 300 Flugzeugbestellungen der Branchenführer Ryanair und Easyjet sorgen jedoch dafür, dass der Verdrängungswettbewerb an Schärfe noch zu- und nicht abnimmt.

Dabei gilt der deutsche Markt als am härtesten umkämpft, weil die Anbieter zwischen Hamburg und München im halben Dutzend Billigflüge unters Volk streuen und mit dem Lufthansa-Konzern zudem einen finanzkräftigen Platzhirsch vor der Nase haben. Entsprechend stehen nicht nur Air Berlin und DBA, sondern auch die Billigflieger Germanwings und HLX sowie die auf Ferienziele ausgerichteten Condor, Hapagfly und LTU unter enormem Kostendruck. „Fast alle haben derzeit Mühe, Durchschnittspreise von 70 Euro für den einfachen Flug zu erreichen“, räumte ein Airline-Chef zuletzt ein. Und Ryanair-Vorstandschef Michael O’ Leary sagte in einem Handelsblatt-Interview im Mai: „Überall wird das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen. Das ist absurd.“

Der Börsengang spielte Air Berlin 195 Mill. Euro in die Kasse – gerade genug, um Anzahlungen für neue Jets zu finanzieren und den Marketingpartner DBA zu kaufen. Die viel zitierte „Phantasie“ an der Börse wurde durch die Übernahme immerhin angeregt: ein Plus von zwischenzeitlich mehr als elf Prozent – Balsam auf die wunde Seele der Air-Berlin-Aktionäre. Der Erwerb jener Fluglinie, die einst unter dem vollen Namen „Deutsche BA“ als Tochter von British Airways im verlustreichen Konkurrenzkampf gegen den Platzhirsch Lufthansa scheiterte, ist für Air Berlin der Einstieg in eine neue Dimension des Fluggeschäftes.

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