Air France
Forsche Franzosen

Die Interessensbekundung von Europas größter Fluggesellschaft Air France-KLM bringt Bewegung in den Bieterwettkampf um die spanische Iberia, der bis dato eigentlich noch gar kein Wettkampf war. Die Franzosen werden in London und Frankfurt misstrauisch beobachtet.

DÜSSELDORF. Das bisher einzige Gebot für die spanische Iberia des Konsortiums um British Airways und den Finanzinvestor TPG galt aufgrund der finanziellen Beteiligung von British Airways an Iberia von zehn Prozent als selbstverständlicher und in Hinblick auf die Werthaltigkeit der Beteiligung auch als ein nicht ganz uneigennütziger Liebesdienst. Die Interessensbekundung von Air France-KLM an Iberia ist demgegenüber ein Paukenschlag. Auch deshalb, weil die Franzosen weder Nachhilfe in Punkto Integrationspolitik noch einen Liquiditätslieferanten wie die Briten brauchen.

Air France-KLM ist mit einem Jahresumsatz von 23 Milliarden Euro nicht nur Europas größte Fluggesellschaft, sondern in der margenschwachen Branche auch eine der profitabelsten. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 1,24 Milliarden Euro – und soll weiter steigen.

Vorstandschef Jean-Cyrill Spinetta will bis 2010 rund 1,4 Milliarden Euro einsparen, um die Kapitalrendite von 6,5 auf 8,5 Prozent zu steigern. Und mit Barmitteln von knapp vier Milliarden Euro könnte Air France-KLM die Übernahme der Iberia mit einer Marktkapitalisierung von 3,6 Milliarden Euro locker zahlen.

An der Chuzpe der Franzosen gibt es seit dem Jahr 2003 zudem keinen Zweifel mehr. Mit der Fusion zur Air France-KLM brachten sie die Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt in Gang. Für die Aktien der damals eigenständigen, niederländischen KLM war Air France bereit einen Aufschlag von über 40 Prozent zu zahlen. Analysten schwärmen noch heute von einer der „am geschicktesten durchgezogenen Übernahmen“. Und auch die Integration gelang mustergültig – ohne Massenentlassungen und ohne Identitätsverlust.

Die Maschinen heben weiter mit den Markenzeichen ab – der Trikolore und der Krone. In Bezug auf Angebotsvielfalt (111 Ziele) und Auslastung (81 Prozent) hält Air France-KLM die Nummern zwei und drei in Europa, Deutsche Lufthansa und British Airways, klar auf Distanz. Das Betriebsergebnis ist heute dreimal so hoch wie vor der Fusion, und die Dividende zehnmal so hoch. Air France-KLM diente deshalb auch der zweiten Fusion im europäischen Himmel im Jahr 2005 als Blaupause: Lufthansa und Swiss.

Aus dem Duo mit der Iberia jetzt ein Trio zu formen, ist dem Franzosen Spinetta also zuzutrauen. Und entsprechend misstrauisch wird die Interessensbekundung von Air France-KLM an Iberia auch in London und Frankfurt beobachtet.

Forsch gingen die Franzosen auch die jüngste Herausforderung an. Das zwischen der EU und den USA verabschiedete Open Skies-Abkommen. Während sich Lufthansa noch vornehm zurückhält, und British Airways ankündigte künftig auch ab Frankfurt, Zürich und Paris Direktflüge über den Atlantik anbieten zu wollen (was einen Preiskrieg zur Folge hätte), verkündete Spinetta eine Ménage à quatre: Air France-KLM wolle mit den US-Partnern aus dem Luftfahrtbündnis Skyteam, Delta und Northwest, gemeinsame Sache machen, und die Transatlantikflüge bündeln. Zum Nutzen des Gewinns - und der eigenen Reputation.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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