Aktie auf Höhenflug
Lufthansa plant neue Sparrunde

Als Reaktion auf das rasche Wachstum der Billigfluggesellschaften will die Lufthansa in den nächsten Jahren offenbar mehr als die kürzlich verkündeten 2 000 Stellen streichen. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich diese Zahl noch erhöhen wird“, kündigte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer in der Mitarbeiterzeitung „Lufthanseat“ an. Der Stellenabbau sei Voraussetzung für eine höhere Produktivität.

ebe/HB FRANKFURT/M. In der nächsten Woche will der größte deutsche Luftfahrtkonzern ein Effizienzprogramm namens „Zukunft Kont“ vorstellen, das eine Kostenreduktion im defizitären Europaverkehr um etwa 20 % bringen soll. Bestandteil des Programms ist die Einführung von Shuttle-Flügen. Durch dieses ständige Pendeln eines Jets zwischen zwei Flughäfen sollen die Bodenzeiten verkürzt und der Nutzungsgrad der Flotte insgesamt erhöht werden.

Viele Billigflieger kommen mit dieser Pingpong-Strategie auf eine weit höhere Produktivität und machen der Lufthansa zusehends Marktanteile im Europaverkehr streitig. Dabei weitet die britische Easyjet, die sich bis 2010 ein jährliches Wachstum von 25 % vorgenommen hat, ihre Expansion offenbar auf den deutschen Markt aus. Die Entscheidung für einen Einstieg in Deutschland im Sommer 2004 sei definitiv gefallen, heißt es in Branchenkreisen. Als Favoriten für die erste deutsche Easyjet-Basis gelten Berlin-Schönefeld und Köln/Bonn – ausgerechnet jener Airport, an dem mit Germanwings und Hapag-Lloyd Express bereits zwei deutsche Airlines ihre Billigtickets anbieten. Michael Garvens, Chef des Flughafens Köln/Bonn, hatte Verhandlungen mit den Briten kürzlich bestätigt. Easyjet war am Wochenende nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ryanair und Easyjet, die beiden europäischen Marktführer im Billigflieger-Segment, geraten unter massiven Expansionsdruck, weil sie eine Vielzahl von bestellten Flugzeugen im Markt unterbringen müssen. „Ryanair versucht bereits jetzt, mit Gewalt Flieger in den Markt zu drücken. Die Expansion stößt an ihre Grenzen“, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Beide Airlines seien „auf gutem Wege, sich zu übernehmen“, betonte auch Friedrich-Wilhelm Weidholz, Vorstandschef der Eurowings AG.

Die Aussicht auf das Sparprogramm haben die Aktien des Lufthansa-Konzerns auf den höchsten Stand seit über einem Jahr steigen lassen. Mit einem Plus von 3,26 Prozent notierten die Lufthansa-Aktien am Nachmittag bei 13,93 Euro und entwickelten sich damit deutlich besser als der Gesamtmarkt. Zuvor hatten die Aktien mit einem Kurs von 13,97 Euro ihren Höchststand seit Juli 2002 erreicht.

Die Lufthansa-Aktien würden durch die Aussicht auf neue Details des Sparprogrammes, zusätzliche Stellenstreichungen und einen möglicherweise verbesserten Ausblick des Unternehmens beflügelt, sagte Nils Machemehl, Analyst beim Bankhaus M.M.Warburg. „Vielleicht spekuliert der Markt auf eine positive Überraschung.“ Es könne sein, dass Lufthansa den Ausblick anheben werde, fügte er hinzu. Bisher hatte die Fluggesellschaft erklärt, sie werde in diesem Jahr voraussichtlich keinen operativen Gewinn machen.

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