Alitalia
Aeroflot und Air One bleiben im Rennen

Nach dem Rückzug der Private-Equity-Fonds um TPG bleiben nun die russische Aeroflot und die italienische Air One als Hoffnungsträger für den Verkauf der noch halbstaatlichen Alitalia. Dabei gilt der Lufthansa-Partner Air One als klarer Favorit.

MAILAND. Der italienische Staat will sich bis Juli von seinen 49,9 Prozent an der angeschlagenen Fluglinie Alitalia trennen. Damit muss der potenzielle Käufer auch ein Angebot für die restlichen Aktien vorlegen, die an der Börse notiert sind. Doch der Verkauf gestaltet sich äußerst schwierig. Zum einen hat die Regierung in Rom bereits zweimal die Regeln für das Bieterverfahren geändert. Zum anderen erschweren die Mitarbeiter von Alitalia mit Streiks den Verkauf der Gesellschaft, die im vergangenen Jahr 626 Mill. Euro Verlust eingeflogen hat.

Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung Pierluigi Bersani zeigte sich gestern unbeeindruckt vom Rückzug der Finanzinvestoren: „Einige kommen, einige gehen und am Ende des Bieterverfahren wird man sehen, wer bleibt.“ Doch mit dem Ausscheiden der amerikanischen TPG, die gemeinsam mit Matlin Patterson und der italienischen Mediobanca SpA geboten hatte, verschlechtert sich die Verhandlungsposition der italienischen Regierung.

„Es kann passieren, dass sich auch Aeroflot und Air One zurückziehen“, gab ein Mailänder Analyst zu bedenken. Die Analysten von Euromobiliare raten zum Verkauf der Alitalia-Aktien. Wie aus Finanzkreisen verlautete, wollen die Air-One-Mutter AP Holding, die sich mit der Bank Intesa Sanpaolo zusammengeschlossen hat und die russische Aeroflot Russian Airlines, bei der Unicredit als Investmentbank fungiert, jedoch weiter im Rennen bleiben.

Ausschlaggebend für den Rückzug der Finanzinvestoren um TPG waren geänderten Auflagen der Regierung: Man sehe sich nicht mehr „in der Lage, allen Anforderungen zu entsprechen“, begründete TPG seine Entscheidung.

Air One werden gute Chancen eingeräumt, da die Regierung damit den „italienischen Charakter“ des Unternehmens wahren könnte. Obwohl Air One und Alitalia etwa auf der Strecke Rom-Mailand rund 90 Prozent Marktanteil hätten, hat Rom keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken.

Aeroflots Vizechef Michail Poluboyarinov hatte vergangene Woche klar gemacht, dass er weniger als den Börsenwert bieten will, der gestern bei 1,15 Mrd. Euro lag. „Wir wollen in das Unternehmen selbst und nicht in die Regierung investieren“, sagte Poluboyarinov. Bis zum 2. Juli müssen die Interessenten ihr verbindliches Angebot vorlegen. An der Börse ist der Kurs von Alitalia am Mittwoch um mehr als drei Prozent eingebrochen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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