Alte Bahnhöfe
Wohnen, wo andere aussteigen

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Bahn will Risiken reduzieren

Wenn ein Bahnhofsgebäude verkauft wird, heißt das freilich nicht, dass an dem Bahnhof keine Züge mehr halten. Am Bahnsteig vor dem Falkenberger Bahnhof hält zweimal stündlich die Regionalbahn. Nur stammen die meisten Empfangsgebäude, welche die Bahn heute verkauft, aus dem Dampflokzeitalter. Wo es früher Stationsvorsteher, Schalterbeamte und Gepäckabfertiger brauchte, reichen heute an ländlichen Haltepunkten ein Bahnsteig und ein Fahrkartenautomat. Damit muss auch kein Bahnpersonal mehr im Bahnhof wohnen. Die Gebäude aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind damit zu groß und für den Bahnbetrieb überflüssig.

In Falkenberg ersetzt jetzt ein Wartehäuschen „Marke Bushaltestelle“ - so Wittstock - das Empfangsgebäude. Der Bahnbetrieb läuft vor seiner Tür weiter. Der Lärm der Züge stört ihn nicht. „Die meisten Leute wohnen doch an einer Straße, wo es den ganzen Tag tost.“ Die regelmäßige Regionalbahn gebe dem Leben hingegen einen Rhythmus: „Der Zug um halb elf ist unser Gute-Nacht-Zug - wenn der da war, kann man getrost ins Bett gehen.“

Darüber, was die Bahn mit dem Verkauf der alten Bahnhöfe verdient, hüllt sich das Unternehmen in Schweigen. Besonders viel ist es wohl nicht. Fokus bei den Verkäufen sei es, wirtschaftliche und andere Risiken für die Bahn zu reduzieren, sagt ein Sprecher. Heißt im Klartext: Die Bahn will vor allem verhindern, dass die nicht mehr benötigten Gebäude sie weiter Geld kosten.

Bei den Angeboten auf der Website der Immobilientochter der Bahn schwanken die Preise für Bahnhofsgebäude nach Lage und Zustand. Ein Dorfbahnhof auf der schwäbischen Alb in Baden-Württemberg, 280 Quadratmeter Wohnfläche, renovierungsbedürftiger Zustand, ist für 80.000 Euro zu haben. Das kleinere Gebäude eines Bahnhofs in Heidelberg soll hingegen schon 525.000 Euro kosten. Der Bahnhof von Schnabelwaid im ländlichen Oberfranken (Bayern) ging hingegen für nur 28.000 Euro an einen neuen Besitzer.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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