Amazon
Ein Marktplatz für Exoten

Amazon gilt als Totengräber des Einzelhandels. Doch gerade findige Händler in der Provinz haben die Plattform als Erfolgsmodell für sich entdeckt. Je spezieller die Produkte, desto besser laufen die Geschäfte.

Im schwäbischen Krumbach ist die Welt noch in Ordnung. Für seine Wurst geht man hier nicht einfach nur in den nächstgelegenen Supermarkt, sondern zum Metzger. In der bayerischen Kleinstadt ist das Karl Diem. Seit 1828 gibt es den Fleischer mit angeschlossenem Gästehaus in der Stadt: „Ich bin der Wirt von Krumbach“, sagt Diem, der den Betrieb in achter Generation führt. Zu seinem Sortiment gehören auch Vollkonserven, gefüllt mit Wildgulasch, Osso Bucco und sauren Nieren. Und die landen nicht nur in Krumbach auf dem Teller, sondern sogar in Frankreich oder auf Mallorca. Denn Karl Diem hat Amazon für sich entdeckt.

Diem ist damit nicht allein. Weltweit nutzten im Jahre 2013 mehr als zwei Millionen Marketplace-Verkäufer aller Größenordnungen die Amazon-Verkaufsplattform. Knapp 40.000 Händler waren es im Jahr 2014 in Deutschland, schätzt die Amazon-Analyseplattform Market Analytics. Während viele Händler Amazon als Konkurrenz fürchten, haben die Cleveren es zum wichtigen Vertriebskanal gemacht.

Bei Karl Diem waren es die Söhne, die den Familienunternehmer auf die Idee gebracht hatten, Amazon zu nutzen. Das Geschäft lief zwar, aber den Online-Handel wollte er trotzdem ausprobieren, erzählt Diem. Seit 2013 vertreibt er seine Vollkonserven auf dem Online-Marktplatz. Mit wachsendem Erfolg: „Unsere Verkaufszahlen wachsen kontinuierlich.“ Seit Beginn verzeichnet der Metzger zweistellige Zuwachsraten. Im Schnitt verkaufe er zwischen 100 und 150 Konserven im Monat, sagt Diem: „Zu Weihnachten werden es dann auch mal 250.“

Denn auch im kleinen Krumbach herrscht Wettbewerb im Geschäft mit Fleisch- und Wurstwaren: Neben drei selbstständigen Metzgern und einem Filialisten, konkurriert Diem mit sieben Supermärkten und einem Discounter. Er habe treue Kundschaft, sagt Diem: „Doch das Handwerk hat insgesamt gelitten, denn das Image der Metzger ist nicht das beste“, glaubt Diem.

Auch Trends wie Vegetarismus bemerke man. „Und dann gibt es ja noch die Supermärkte, die mitunter günstiger anbieten können. In vielen Städten haben Metzger dann kein Geld mehr verdient und mussten schließen.“ Und obwohl er noch keine hundert Konserve am Tag verkaufe, sei das Online-Geschäft zu einem zweiten Standbein geworden, berichtet Diem.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%