Anbieter planen stärkere Kooperation mit Arbeitsämtern und erwarten steigende Nachfrage
Private Jobvermittler etablieren sich in Deutschland

Der Markt für Zeitarbeit bewegt sich langsam wieder nach oben, und auch die rund 3 500 privaten Personalvermittler in Deutschland erwarten bald wieder eine steigende Nachfrage.

tel FRANKFURT/M. „In vielen Unternehmen ist die Personaldecke mittlerweile zum Zerreißen dünn, da werden schnell wieder Mitarbeiter gebraucht“, sagt Anke Peiniger, Geschäftsführerin der gleichnamigen Personalvermittlung in Solingen und Vorstandsvorsitzende des Bundesverband Personalvermittlung (BPV). Nach drei Jahren Konjunkturkrise sei das Tal zwar noch nicht durchschritten, erläutert Peiniger mit Blick auf die nach wie vor hohe Zahl der Insolvenzen. Dennoch helle sich die Situation langsam auf.

Seitdem das Vermittlungsmonopol der damaligen Bundesanstalt für Arbeit vor zehn Jahren abgeschafft wurde, haben sich die privaten Vermittler neben den Zeitarbeitsunternehmen im Markt rund um die Arbeitsbeschaffung etabliert. Rund 200 000 Arbeitssuchende wurden im vergangenen Jahr über private Anbieter in Jobs vermittelt, 1995 waren es erst 20 000.

Im Unterschied zur Zeitarbeit suchen Personalvermittler zumeist im Auftrag von Unternehmen geeignete Bewerber; der Arbeitsvertrag wird zwischen Unternehmen und Bewerber abgeschlossen. Zeitarbeitsunternehmen dagegen stellen Mitarbeiter selbst ein und überlassen sie dann an Kundenunternehmen.

Allerdings ist das Gros der Zeitarbeitsunternehmen auch im Bereich der Personalvermittlung aktiv. Zu einem großen Zusatzgeschäft, wie noch vor zehn Jahren bei dem Fall des BA-Vermittlungsmonopols erwartet, hat sich die private Vermittlung für die Zeitarbeitsunternehmen aber nicht entwickelt. Beim Marktführer Randstad macht die private Vermittlung nur rund ein Prozent des Jahresumsatzes aus, beim Marktzweiten Adecco sind es etwa drei Prozent.

Thomas Reitz, der die Geschäfte beim drittgrößten deutschen Zeitarbeitsunternehmen Manpower führt, sieht aktuell aber einen deutlichen Anstieg der Vermittlungen. Das 18-prozentige Umsatzplus im zweiten Quartal, das die Deutschlandzentrale jüngst vermeldete, sei im Bereich der Personalvermittlung noch getoppt worden, sagte Reitz. Auch wenn der Anteil der privaten Vermittlung bei Manpower derzeit noch unter zehn Prozent liege, sei die Tendenz steigend. „Unternehmen nutzen die Personalvermittlung zunehmend, um schnell Talente zu finden“, glaubt Reitz. Besonders die Tochter Bankpower verzeichne derzeit eine steigende Nachfrage aus dem Finanzsektor.

Dass sich die Personalvermittlung nicht so dynamisch entwickelt hat wie vor zehn Jahren erhofft, führt Jürgen Uhlemann, Vorstandsvorsitzender der Zeitarbeitsfirma Jobs in Time Holding AG, Hamburg, auch darauf zurück, dass es erst einige Zeit gebraucht habe, bis die staatlichen Arbeitsämter die privaten Vermittler nicht mehr als Konkurrenz gesehen haben. „Letztlich geht es ja darum, dass Leute in Arbeit kommen. Wir sind im Grunde ein Zuarbeiter der Arbeitsämter, kein Wettbewerber“, meint Uhlemann, der vor zehn Jahren den Bundesverband Personalvermittlung (BPV) mitgründete. Heute hat der BPV Regionalkreise gebildet, die die Kooperation zwischen Arbeitsämtern und privaten Vermittlern ausbauen sollen.

Auch über Vermittlungsgutscheine des Arbeitsamtes bringen die privaten Vermittler seit März 2002 Arbeitslose ins Erwerbsleben zurück. Mehr als 70 000 Gutscheine wurden seitdem eingelöst. „Das könnte zwar mehr sein“, sagt BPV- Vorsitzende Peiniger und räumt damit ein, dass der große Erfolg dieses Instruments bundesweit bislang ausgeblieben ist. In Ostdeutschland allerdings habe sich mit den Vermittlungsgutscheinen ein neues Marktsegment entwickelt. „Dort haben sich vor allem kleine Vermittler auf die Integration Arbeitsloser spezialisiert und weisen gute Vermittlungserfolge vor. Für viele von ihnen ist das Instrument existenzsichernd“, ergänzt Peiniger. Als arbeitsmarktpolitisches Instrument sind die Vermittlungsgutscheine bis Ende 2004 befristet. Der BPV setzt sich für die Weiterführung ein.

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