Angeschlagener Regional-Airport
Chaos gipfelt in Insolvenz des Flughafens Lübeck

Vor einem Jahr wurde Mohamad Rady Amar als großer Retter des Airports Lübeck gefeiert. Vor kurzem tauchte der Ägypter ab. Ein Notgeschäftsführer wurde bestellt, der sogleich die Insolvenz beantragt hat.
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LübeckIst es das Aus oder ein Neuanfang? Der Lübecker Flughafen hat Insolvenz beantragt. Das Gericht habe am Mittwoch einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt, sagte eine Sprecherin des Lübecker Amtsgerichts. Den Antrag habe der Notgeschäftsführer Siegmar Weegen gestellt, berichten die „Lübecker Nachrichten“ und die „Hannoversche Allgemeine“.

Weegen war bis Januar für das operative Geschäft verantwortlich, habe sich dann aber aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Er wurde als Notgeschäftsführer eingesetzt, weil der eigentliche Geschäftsführer nicht greifbar ist. Der ausgeschiedene Alt-Eigentümer Mohamad Rady Amar und auch sein Nachfolger - ein Berliner Unternehmer - sind abgetaucht.

Investor Amar hatte den Flughafen für den symbolischen Preis von nur einem Euro kaufen können, weil er versprach, bis 2018 mehr als 20 Millionen Euro zu investieren.

„Trotz verschiedener Versuche von verschiedener Seite - Stadt, Land, Mitarbeiter - gibt es weder zum ausgeschiedenen Alt-Eigentümer noch zu den neuen Eigentümern irgendeinen Kontakt“, sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) am Mittwoch der dpa. Briefe seien als „unzustellbar“ zurückgekommen.

Er glaube, dass in dieser Situation in einem Insolvenzverfahren auch ein Stück Hoffnung sein könne, sagte Saxe. Der Bürgermeister hatte zuvor das Verhalten der Flughafeneigentümer kritisiert, die nicht zu erreichen sind. „Es ist unverantwortlich von den Eigentümern und dem eigentlichen Geschäftsführer, das Unternehmen drei, fast vier Wochen alleingelassen zu haben.“

Aus Mieten und Pachten schulde die Betreibergesellschaft des Flughafens mit dem Namen „Yasmina“ der Stadt etwa 189.000 Euro. Die 100 Flughafenmitarbeiter warten seit dem 15. April zudem auf ihren Lohn für diesen Monat, wie eine Flughafensprecherin sagte. Die Gehälter für den März seien auch verspätet gezahlt worden. Im vergangenen Jahr reisten laut früheren Angaben der Flughafengesellschaft gegenüber Handelsblatt Online rund 370.000 Passagiere von dem Regionalflughafen. Flugzeuge hoben unter anderem Richtung Spanien, Italien, Polen, Schweden und die Ukraine ab.

Der Flughafen Lübeck ist nicht der erste Regionalflughafen in Deutschland, der Insolvenz anmelden muss. So wurde im April vergangenen Jahres das Insolvenzverfahren gegen den Black Forest Airport (Schwarzwaldflughafen) in Lahr (Baden-Württemberg) eröffnet.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Angeschlagener Regional-Airport: Chaos gipfelt in Insolvenz des Flughafens Lübeck"

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  • es ist zum schreien
    da gibt es doch immerwieder politniks und ministerialbeamte die versprechungen von scharlatanen und w..... glauben schenken, anstatt richtig die bonität dieser typen zu prüfen.
    anderer seits scheint das konzept der flugrouten, -linien, äirportbetreibern nicht so recht ausgereift zu sein, denn am flughafen f/main wird kapazität benötigt(?)
    vielleicht sollte der gesetzgeber mal darüber nachdenken wie man das problem lösen kann, möglichst ohne dass sich lobbyisten rein hängen und ihr(!) problem bei "einer tasse kaffee" an höchster stelle anbringen
    denn eins ist fakt der kapitalismus ist nur dann gut, wenn keine monopolisten da sind und alle mit gleichen regeln wirtschaften können

  • Einfach ein paar Euro aus Torsten Albig's Sonderfonds „Reparatur Deutschland“ rüberschieben, das fällt doch kaum auf.

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