Arcandor
Middelhoff lobt sich trotz Verlust selbst

Es ist Thomas Middelhoffs letzte Bilanz-Pressekonferenz für den Handelskonzern Arcandor. Aber das, was der Vorstandschef präsentiert, ist kein schönes Abschiedgeschenk. Arcandor steckt tief in den roten Zahlen. Dennoch sieht er seinen Konzern auf dem richtigen Weg und seine Entscheidungen waren – natürlich – richtig.

HB ESSEN. Thomas Middelhoff zieht auf der Bilanz-Pressekonferenz eine positibe Bilanz seiner knapp vier Jahre als Konzernchef. „Arcandor befindet sich insgesamt auf einem guten Weg“, meinte er. „Die strategische Entscheidung, dem Konzern mit dem massiven Ausbau des Tourismus zum Stammgeschäft eine neue Wachstumsperspektive zu eröffnen, zahlt sich aus.“ Die Touristiktochter Thomas Cook sei eine Ertragsperle und mache heute rund 60 Prozent des Umsatzes und rund 90 Prozent des operativen Ergebnisses.

Herbe Einbußen bei der Warenhaustochter Karstadt und ein teurer Konzernumbau haben den Handels- und Tourismuskonzern Arcandor weit in die Verlustzone gedrückt. Trotz tiefroter Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008 (30.9.) und einem Schuldenberg von fast einer Milliarde Euro zeigte sich das Management des Essener MDax-Konzerns bei der Bilanzvorlage am Montag in Frankfurt optimistisch für die Zukunft.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende, Thomas Middelhoff, bekräftigte für den Konzern die Prognose, 2008/2009 im operativen Geschäft mehr als 1,1 Mrd. Euro Gewinn zu erzielen - dies wäre ein Zuwachs beim bereinigt Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von mindestens 34 Prozent binnen Jahresfrist. Zudem solle das Ergebnis pro Aktie positiv sein. Voraussetzung sei jedoch, dass sich die Finanzmarktkrise nicht noch verstärke und die Rezession nicht schlimmer ausfalle als erwartet.

Für das Geschäftsjahr 2007/2008 stand unterm Strich ein Verlust von 745,7 Mio. Euro. Arcandor begründete dies vor allem mit Restrukturierungskosten etwa durch Abfindungen oder den Verkauf von Geschäftsteilen sowie außerordentlichen Steuerbelastungen. Im operativen Geschäft erzielte der Konzern, der 2007 nur ein Rumpfgeschäftsjahr von neun Monaten bis Ende September hatte, auf der Basis von pro-forma-Zahlen ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 820,2 Mio. Euro nach 687 Mio. Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz blieb mit 19,9 Mrd. Euro nahezu konstant (20,1 Mrd. Euro).

Zum Bilanzstichtag betrug der Schuldenberg von Arcandor mindestens 802 Mio. Euro. Vor einem Jahr stand noch ein Vermögen von 185 Mio. Euro zu Buche. In den Schuldenstand eingerechnet hat Arcandor das Vermögen von Thomas Cook von 142 Mio. Euro. An dem Reisekonzern hält Arcandor 52,8 Prozent der Anteile. Thomas Cook herausgerechnet stehen Schulden von 944 Mio. Euro zu Buche. „Von Schulden in Milliardenhöhe, wie es gelegentlich zu lesen ist, kann keine Rede sein“, sagte Diesch. Konzernchef Thomas Middelhoff betonte, dass 2004 die Schuldenstand sich auf 4,2 Mrd. Euro belief.

Finanzvorstand Peter Diesch präsentierte eine lange Erklärung für die große Differenz zwischen Jahresverlust und EBITDA. So belaufe sich das bereinigte EBITDA des Konzerns auf 364 Mio. Abgezogen seien dabei das nur pro forma eingerechnete Ergebnis eines Monats der Reisesparte Thomas Cook (Rumpfgeschäftsjahr), Kosten für Restrukturierung von 528 Mio. Euro sowie Einnahmen durch den Verkauf der Immobilientochter Highstreet von 249 Mio. Euro. Abschreibungen von 529 Mio. Euro hätten dazu geführt, dass das EBIT auf minus 165 absackte. Ein Fehlbetrag von 397 Mio. Euro etwa durch Konzernfinanzierung und den Restrukturierungsaufwand führte zu einem EBT von 562 Mio. Euro. Durch den Verlust einiger Steuervorteile wie Verlustvorträge durch den Gesellschafterwechsel mit dem Einstieg des Bankhauses Sal.Oppenheim sei es schließlich zu dem Fehlbetrag von 746 Mio. Euro gekommen, sagte Diesch.

Hauptstütze des Geschäfts blieb der Tourismuskonzern Thomas Cook, deren Haupteigentümer Arcandor ist. Europas zweitgrößter Tourismuskonzern macht rund 60 Prozent des Umsatzes und rund 90 Prozent des operativen Konzern-Ergebnisses aus.

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