Arcandor-Pleite
Eick: Ein Chef für 185 Tage

Vor einem halben Jahr ist Karl-Gerhard Eick angetreten, um Arcandor zu retten. Er hat Sanierungskonzepte geschrieben, um Staatshilfen gebettelt und neue Investoren gesucht. Vergeblich. Gestern hat das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren eröffnet. Protokoll des Scheiterns.

DÜSSELDORF. Schwarzes, offenes Hemd, silberne Manschettenknöpfe, das nicht mehr ganz so dichte Haupthaar streng nach hinten gegelt. Als Arcandors Vorstandsvorsitzender Karl-Gerhard Eick gestern Morgen zu einer Pressekonferenz ins Maritim am Düsseldorfer Flughafen eilt, scheint er längst seine Freizeit zu genießen.

So entspannt hat man den 55-Jährigen nicht mehr erlebt, seit er vor sechs Monaten die Nachfolge des gescheiterten Sanierers Thomas Middelhoff antrat. Damals hatte der Neuling fast stotternd der Hauptversammlung seinen ersten Bericht abgeliefert, voll Anspannung einen Monat später ein Sanierungskonzept präsentiert - und vor lauter Aufregung selbst die Firmennamen "Quelle" und "Grundig" in einem Fernsehinterview verwechselt.

Jetzt aber blinzelt er freundlich in die Morgensonne, lässt sich erst einmal einen Espresso kommen - "einen doppelten, bitte", lacht er dem Kellner zu.

Sechs Stunden später wird das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren eröffnen. Und Eick wird seine letzte Bürde endgültig los. Er ist so etwas wie ein Frührentner wider Willen, einer der bestbezahlten noch dazu.

185 Tage hat er bei Arcandor gearbeitet, frei von Erfolgen. Selten zuvor ist ein Manager, der sich so viel vorgenommen hatte, so schnell gescheitert. Dennoch stehen ihm 15 Millionen Euro Abfindung zu - umgerechnet 81 000 Euro pro Arbeitstag. Nach Klaus Esser, der 30 Millionen Euro zum Abschied von Mannesmann bekam, und Wendelin Wiedeking, der Porsche mit 50 Millionen Euro verließ, hat Deutschland einen neuen Buhmann: "Für das Scheitern sollte man grundsätzlich nicht belohnt werden", ätzt Ernst Sindel, Betriebsratschef bei der Arcandor-Tochter Quelle.

Für den Wahnsinn verantwortlich ist Arcandors Großaktionär Sal. Oppenheim. Die Kölner Privatbank hat den einst so erfolgreichen Telekom-Finanzchef als Wunderwaffe einsetzen wollen, um den Abstieg Arcandors (siehe auch: "Zehn Jahre Niedergang") noch auf den letzten Metern zu stoppen. Der Einsatz missglückte auf der ganzen Linie. Gestern dankte Eick - zusammen mit fünf weiteren Vorstandsmitgliedern - ab.

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