Arcandor
Sanierung ohne Ende bei Arcandor

Der Essener Handels- und Touristikkonzern braucht weitere 900 Millionen Euro für die Restrukturierung, die Finanznot des Konzerns wird immer größer. Woher das Geld kommen soll, ist unklar. Angesichts des Schuldenbergs von rund 2,6 Milliarden Euro erscheint ein neuer Bank-Kredit unwahrscheinlich. Droht nun die Zerschlagung?

DÜSSELDORF. Über Staatshilfe plaudert Karl-Gerhard Eick, als sei es das Natürlichste von der Welt. Die Bundesregierung habe die Konjunkturprogramme schließlich aufgelegt, damit sie auch jemand nutze, sagt der Arcandor-Chef gestern ungerührt. Sogar fahrlässig sei es im Sinne der Aktionäre, auf eine Prüfung solcher Finanzquellen zu verzichten.

Eicks Vortrag in der Düsseldorfer Stadthalle war allerdings so gar nicht nach dem Geschmack seiner Anteilseigner. Der Kurs der ohnehin gebeutelten Arcandor-Aktie sackte zeitweise um acht Prozent in den Keller. Denn die Präsentation des neuen Unternehmenskurses zeigt: Die Finanznot des Essener Touristik- und Handelsriesen wird immer größer.

Was der seit Anfang März amtierende Vorstandschef gestern zu verkünden hatte, übertraf die schlimmsten Befürchtungen. So verhandelt das Unternehmen nicht nur eine 650 Mio. Euro schwere Umschuldung, die bis Juni in trockenen Tüchern sein muss. Arcandor ringt darüber hinaus um 900 Mio. Euro frisches Kapital. Das Geld, so Eick, benötige der vormals unter Karstadt-Quelle firmierende Einzelhändler für die Restrukturierung. Eigentlich sollte die Sanierung schon fast abgeschlossen sein. Das zumindest hatte Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff noch vor wenigen Monaten stolz verkündet.

Angesichts des 2,6 Mrd. Euro schweren Schuldenbergs von Arcandor und hoher Verluste im operativen Geschäft stehen die Aussichten auf zusätzliche Finanzmittel denkbar schlecht. "Kaum eine Bank dürfte bereit sein, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen", glaubt Handelsexperte Peter Wodniok vom Analystenbüro Fairesearch. Auch Hauptaktionär Sal. Oppenheim werde das Unternehmen, das zuletzt bei 19,9 Mrd. Euro Umsatz 746 Mio. Euro Verlust generierte, kaum noch retten können. Im Übrigen benötige Arcandor keinesfalls nur Kredite, sondern in einem erheblichen Maße Eigenkapital, denn das sei so gut wie aufgezehrt.

Den Ernst der Lage hat Vorstandschef Karl-Gerhard Eick erkannt. Die Unterstützung aller Beteiligten sei notwendig, sagte er gestern. "Allein mit den Banken wird es nicht gehen." Mit den beiden Hauptaktionären Sal. Oppenheim und dem Aktionärspool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz würden daher Gespräche über eine Kapitalerhöhung geführt.

Der zusätzlich formulierte Finanzbedarf dürfte die aktuellen Kreditverhandlungen kaum erleichtern. Denn bleiben die Sanierungsgelder aus, müssten die Konsortialbanken - darunter Royal Bank of Scotland, Commerzbank und Bayerische Landesbank - ihre Darlehen womöglich abschreiben. Davon aber wollte Eick gestern nichts wissen. "Eine Planinsolvenz", sagte er auf Anfrage, "steht nicht auf unserer Prioritätenliste."

Noch darf der Arcandor-Chef hoffen. Der 100 Mrd. Euro schwere Rettungsfonds der Bundesregierung stehe grundsätzlich allen Unternehmen offen, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums auf Anfrage. Allerdings müsse im Einzelfall geprüft werden, ob jeweils die Voraussetzungen für eine Hilfsleistung erfüllt seien.

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