Aufholjagd
Neue Messe Stuttgart rollt den Markt auf

Mit der neuen Messe Stuttgart betritt ein aufpolierter Spieler den hoch subventionierten und überbesetzten deutschen Messemarkt. Rund eine Milliarde Euro haben sich die Schwaben ihr neues Messegelände auf den Fildern kosten lassen. Nun blasen sie zur Aufholjagd.

STUTTGART. „Wir wollen der Hightech-Messeplatz Nummer eins in Deutschland werden“, kündigte Ulrich Kromer von Baerle, einer von zwei Geschäftsführern der Landesmesse Stuttgart, anlässlich der Eröffnung des neuen Messegeländes an. „Der Wettbewerb im Messegeschäft ist beinhart – und den werden wir jetzt ein wenig aufmischen.“ Stuttgart wolle mit dem neuen Messegelände auf den Fildern Marktanteile zurückholen, die durch das alte Gelände am Killesberg verloren gegangen seien. „Jetzt schlägt das Pendel zurück“, sagte Kromer. Bereits 2008 will er einen Rekordumsatz von 85 Mill. Euro erreichen. Bislang schwankte der um 60 Mill. Euro. Zur Ergebnisentwicklung sagt er nichts – wohl vorsichtshalber.

Mit Stuttgart betritt ein aufpolierter Spieler den hoch subventionierten und überbesetzten deutschen Messemarkt. Für über 800 Mill. Euro stampften die Schwaben ihr neues Messegelände direkt an der Autobahn A8 und dem Flughafen gelegen aus dem Ackerboden. Vor zwei Wochen weihte Bundespräsident Horst Köhler den in Architektenkreisen gepriesenen Neubau mit seinen charakteristischen geschwungenen Hallendächern und 100 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ein. Die Folgen sind absehbar: Der Wettbewerb unter den Messegesellschaften um erfolgreiche Veranstaltungen zur Auslastung ihrer Hallenkapazitäten wird schärfer.

„Das Geld des Steuerzahlers ist gut investiert“, sagte indessen Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) anlässlich der Eröffnung. Verbaut wurden schließlich öffentliche Gelder. Gesellschafter der Messe GmbH sind Land und Kommune zu gleichen Teilen. So war an diesem Eröffnungstag viel von einem Schub für die Wirtschaft sowie der Sicherung von Wachstum und Beschäftigung die Rede. Die Messe sei die ideale Plattform für die Präsentation der Leistungsstärke Baden-Württembergs, sagte Erwin Pfister (FDP), der Wirtschaftsminister des Landes. Nur einer wagt ein Widerwort: BUND-Landesgeschäftsführer Michael Spielmann. Das vermeintliche Schaufenster des Landes sei ein Symbol für Flächenfraß, Bodenvernichtung und Energieverbrauch. Mehr als 120 Hektar fruchtbarster Ackerboden seien zerstört worden.

Das kümmert bei der Eröffnung allerdings kaum jemanden. „Es gibt einen großen Bedarf für Ausstellungen am Standort Stuttgart. Mit dem neuen Gelände verfügen wir über Europas modernste Infrastruktur“, sagt Messegeschäftsführer Roland Bleinroth. Zumindest den zweiten Teil der Aussage bezweifelt in der Branche wohl niemand.

Die neue Messe Stuttgart startet mit einer Leistungsschau von 300 Unternehmen aus Baden-Württemberg. Das wirkt ein wenig provinziell, auch wenn in der Nachbarschaft Weltkonzerne wie Daimler, Porsche und Bosch sitzen. Als wichtigste Veranstaltungen nennt Kromer die Rolladen- und Torebaumesse R+T, sowie die Wein- und Fruchtsafttechnologiemesse Intervitis Interfructa. Zwei weltweit führende Branchenevents, sagt Kromer. Weitere „Flaggschiffe“ seien die Werkzeugmaschinenbaumesse AMB die Intergastra, die Interbad und die CMT als Europas größte Publikumsmesse für Touristik und Freizeit. Große Leitmessen sucht man in Stuttgart bislang allerdings vergeblich.

Seite 1:

Neue Messe Stuttgart rollt den Markt auf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%