Aufspaltung
Altria gewinnt Milliardenprozess

Der Zigaretten- und Nahrungsmittelkonzern Altria hat einen wichtigen Gerichtsstreit gewonnen, in dem eine Strafe von 10,1 Mrd. Dollar drohte. Das Urteil bringt das Unternehmen seinem Ziel näher, sich in zwei oder drei eigenständige Unternehmen aufzuspalten.

HB NEW YORK. Gestern erklärte das Verfassungsgericht des US-Bundesstaats Illinois im so genannten „Lights-Fall“ um Zigaretten mit niedrigerem Nikotin- und Teergehalt das Urteil einer niedrigeren Instanz für rechtswidrig. Damit entfällt die 10,1 Mrd. Dollar schwere Strafe, die die Altria-Tabaktochter Philip Morris zahlen sollte. Daraufhin erlebten neben Altria auch andere Tabakaktien wie Reynolds American und Carolina Group kräftige Kurszuwächse.

Verbraucheranwälte hatten in ihrer Sammelklage argumentiert, das Unternehmen habe mit Produktbezeichnungen wie „Lights“ (leicht) und „teerarm“ den falschen Eindruck erweckt, bestimmte Zigaretten seien weniger gesundheitsschädlich. Die Klage galt als Vorbild für Dutzende weiterer Sammelverfahren, die Anwälte in anderen Bundesstaaten und gegen weitere Zigarettenhersteller vorbereiteten.

Die Verlierer können versuchen, gegen das Urteil noch vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Stephen Tillery, ein Anwalt der Klägerseite, sagte, er werde Einspruchmöglichkeiten prüfen. „Dies ist ein trauriger Tag für Verbraucher in Illinois und auf der ganzen Welt“, sagte Tillery. Rechtsprofessor Carl Tobias von der Universität Richmond schätzt jedoch die Chancen als gering ein, dass die US-Bundesverfassungrichter den Fall annehmen. „Dieser Sieg hat große Bedeutung für die gesamte Klagelandschaft“, sagte David Dreman, Chef der stark in Tabakaktien engagierten Fondsgesellschaft Dreman Value Management.

Altria stellt die weltweit meistverkaufte Zigarettenmarke, Marlboro, her. Neben den beiden Tabaksparten Philip Morris USA und Philip Morris International hält der Mischkonzern 86 Prozent am Lebensmittelriesen Kraft. Konzernchef Louis Camilleri hofft, dass eine Aufspaltung in zwei oder drei Gesellschaften den Gesamtwert des Konzerns steigert. „Wenn auch die anderen Gerichtsfälle bald abgeschlossen werden, könnte Kraft im nächsten Jahr abgespalten werden“, sagt Thomas Russo vom Investmenthaus Gardner, Russo & Gardner.

In einem der beiden noch anhängigen Verfahren geht es um den Vorwurf, die Branche habe Erkenntnisse über die Schädlichkeit des Rauchens lange verschwiegen. Im anderen Fall verhandelt das Verfassungsgericht von Florida über ein Strafurteil von 145 Mrd. Dollar gegen die US-Tabakbranche, das von einer Zwischeninstanz bereits für nichtig erklärt wurde.

In Illinois wies das Gericht die „Lights“-Klage ab mit der Begründung, dass die bundesstaatliche US-Handelsbehörde FTC die Bezeichnungen „Lights und „teerarm“ ausdrücklich genehmigt habe. Deshalb sei Altria „nicht nach dem US-Verbraucherbetrugsgesetz haftbar, selbst wenn die Bezeichnungen für falsch, betrügerisch oder irreführend erklärt würden“, schrieb Richterin Rita Garman zur Begründung. tmo/Bloomberg

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