Aufstrebender deutscher Reiseveranstalter expandiert im höherwertigen Hotelmarkt
Alltours fischt im Teich der Tui

Der Reisekonzern Alltours greift im Hotelgeschäft Marktführer Tui an. Der viertgrößte deutsche Reiseveranstalter will sein Angebot im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich durch den Kauf von Hotelanlagen deutlich ausbauen. Das Unternehmen sei auf der Suche nach „vier bis sechs Filetstücken in der ersten Strandreihe“.

DUISBURG. Dafür wolle es bis zu 150 Mill. Euro investieren, sagte Alltours-Geschäftsführer Willi Verhuven dem Handelsblatt. „Wenn wir Geld in die Hand nehmen, dann künftig nur noch für Hotels in diesem höherwertigen Preissegment“, fügte Verhuven hinzu.

In der Öffentlichkeit wird der Duisburger Veranstalter noch weitgehend als „Aldi der Reisebranche“ wahrgenommen, der die Konkurrenz Jahr für Jahr mit neuen Preisattacken ärgert. Tatsächlich verlagert Verhuven den Schwerpunkt aber langsam auf das Geschäft mit höherwertigen Urlaubsreisen: In der Sommersaison 2005 sollen bereits 65 Prozent aller Alltours-Betten im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich liegen. Das Katalogangebot an Deluxe-Hotels hat sich bei Alltours im laufenden Geschäftsjahr von 20 auf 44 mehr als verdoppelt. „In diesem Segment können wir weit bessere Margen erzielen, auch weil Tui zu teuer ist“, sagte Verhuven.

Eine Tui-Sprecherin gab sich gelassen: „In der ersten Strandreihe – ich denke, in den Brot- und Butter-Destinationen rund ums Mittelmeer, ist alles längst verteilt.“ Vielerorts würden zudem Baustopps weitere Anlagen verhindern.

Auch Stephan Gerhard, Chef der Münchener Hotelunternehmensberatung Treugast, sieht wenig Chancen für Hotelneubauten. Allerdings gebe es immer wieder Verkäufe: Solche Bestandsobjekte seien zwar meist nicht sehr günstig zu haben. Doch sie aufzumöbeln sei sinnvoll, vor allem wenn man wie Alltours mit dem Reiseveranstalter im Rücken die Auslastung der Betten forcieren könne

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Tui sieht sich als „der größte Ferienhotelier in Europa“. Über Beteiligungen an zwölf Hotelmarken bringe die Tochter Tui Hotels & Resorts Gäste in 285 Herbergen mit 163 000 Betten, über 50 Prozent davon im Vier-Sterne-Bereich und 17 Prozent mit fünf Sternen. Allein in diesem Jahr kämen in diesen beiden Bereichen in Hotelneueröffnungen fast 6 000 Betten hinzu, ergänzte die Sprecherin. Zu den bekanntesten Hotelmarken zählen Grecotel, Grupotel, Iberotel, Magic Life, Robinson und Riu. Die spanische Gruppe Riu ist im Besitz von knapp zehn Prozent der Tui-Aktien.

Branchenexperten sehen in der Alltours-Expansion nur begrenzt Auswirkungen auf das Geschäft des europaweit tätigen Reise-Riesen. Im wichtigen Kernmarkt Deutschland, der Tui alljährlich gut 4 Mrd. Euro Umsatz bringt, wird der Duisburger Veranstalter allerdings zunehmend zum ernsthaften Widersacher. 1974 als Ein-Mann-Reisebüro gegründet, ist die von Verhuven geführte Alltours-Gruppe auch in den Krisenjahren des Tourismus gewachsen, während Tui abspecken musste und der Branchenzweite Thomas Cook mit seinen Marken wie Neckermann, Aldiana und Bucher gar Verluste im dreistelligen Millionenbereich kassierte. Der Alltours-Umsatz indes kletterte zuletzt auf 1,27 Mrd. Euro, der Gewinn vor Steuern (EBT) stieg Unternehmensangaben zufolge von 21 auf 24 Mill. Euro.

Für die laufende Saison hat der Veranstalter seine Wachstumsprognosen von 3,5 Prozent auf 8 Prozent angehoben. Derzeit liege das Buchungsplus im zweistelligen Prozentbereich – allerdings dank großzügiger Frühbucher-Rabatte, wie Verhuven einräumt. Er rechne nicht mehr mit einem Wachstum des gesamten touristischen Marktes: „Die Voraussetzungen für 2005 sind wegen der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland eher schlechter als im Vorjahr.“

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