Aus Kaiser's wird Rewe
Wie eine Supermarktkette verschwindet

Die Traditionsmarke Kaiser’s stirbt aus. Bis Ende März werden 60 Filialen der Supermarktkette in Berlin zu Rewe – jeweils an einem einzigen Tag. Ein Kraftakt. Denn Rewe bringt mehr mit als nur die Payback-Karte.
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BerlinJürgen Gratz arbeitet sich langsam an einem Regal mit Fruchtsäften entlang. Sorgfältig tauscht er ein Etikett nach dem anderen aus. Der 61-Jährige trägt ein rotes T-Shirt, darauf prangt die schmunzelnde Kaffeekanne, das Logo von Kaiser's. Seit 40 Jahren arbeitet Gratz bei der Supermarktkette, sein ganzes Berufsleben. Seine Arbeitskleidung trägt er zum letzten Mal, einen Tag später wird er sie gegen das Hellgrau von Rewe eintauschen. „Da ist viel Wehmut dabei, wenn man so lange im Unternehmen gearbeitet hat“, erzählt er.

Gratz ist einer von 38 Mitarbeitern der Kaiser’s-Filiale an der Friedrichstraße in Berlin. Mitten im Herzen der Hauptstadt verwandelt sich die Filiale in einen „Rewe City“-Markt. Das IT-System wird komplett umgestellt, Kassen ausgetauscht, Ware umgeräumt, Neuware einsortiert, Logos und Schilder ersetzt, Mitarbeiter geschult – alles an einem einzigen Tag. Es ist der 28. von insgesamt 60 Berliner Märkten, die Rewe vom Konkurrenten Edeka übernimmt. Beinahe Halbzeit. Bis zum 31. März müssen alle Filialen umgerüstet sein.

Deshalb geht alles so schnell wie möglich. Seit sechs Uhr morgens läuft der Umbau. Gratz erzählt, auch seine Frau arbeite in einer Kaiser’s-Filiale. Sie hatten gescherzt, dass sie vielleicht bald Konkurrenten sein könnten, wenn ihre Filiale an Edeka geht. Aber dann wurde es für beide Rewe. „Wir sind zufrieden“, sagt Gratz, dem noch dreieinhalb Jahre bis zur Rente bleiben. „Für die nächsten fünf Jahre sind alle Jobs gesichert. Das hat die Gewerkschaft gut ausgehandelt.“

Nach einem Happy End sah es für die Kaiser’s-Mitarbeiter lange Zeit nicht aus. Im Oktober 2014 hatte Familienunternehmer Karl-Erivan Haub angekündigt, seine defizitäre Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann an den Marktführer Edeka zu verkaufen. Das Bundeskartellamt untersagte die Übernahme, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erteilte dennoch eine Ministererlaubnis. Dagegen klagte Edeka-Konkurrent Rewe. Schließlich drohte die Zerschlagung des Unternehmens, 8000 Arbeitsplätze waren gefährdet.

Gabriel setzte Altkanzler Gerhard Schröder als Schlichter im Streit zwischen Rewe und Edeka ein. Nach zähen Verhandlungen kam es schließlich im Dezember 2016 zur vertraglichen Einigung: Rewe und Edeka teilen die Kaiser’s- und Tengelmann-Filialen untereinander auf. Die Bedingung: Alle Beschäftigten behalten ihre Jobs. 60 Berliner Filialen von Kaiser's gingen dabei an Rewe.

„Das war ein ewiges Hin und Her“, erinnert sich eine Mitarbeiterin, die gerade Getränke ins Kühlregal räumt. Sie spricht schnell, ihre Stimme zittert. „Wir wussten überhaupt nicht, wie es weitergeht. Herr Haub hat sich immer wieder widersprüchlich geäußert.“ Durch den psychischen Stress seien viele Mitarbeiter krank geworden. In manchen Märkten habe permanenter Personalnotstand geherrscht. Ihr kommen die Tränen, als sie an diese Zeit der Anspannung zurückdenkt.

Draußen vor der Filiale montieren Handwerker gerade das Kaiser’s-Logo ab. Durch die Glasscheibe sehen die Mitarbeiter drinnen schweigend zu, wie die Arbeiter den Kaiser’s-Schriftzug mit einem Seilzug langsam herunterlassen. Einige Passanten bleiben stehen und schauen still zu.

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  • Na. J Schwarz. Einfach mal unter jeden Artikel irgendwas geschrieben. Prost!

  • Der Secondhandmarkt braucht noch Immobilien für tolle Geschäfte aus dem Oxxxt und bereichert unser Land!

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