Ausbau ist dringend nötig
Auf dem Frankfurter Flughafen klemmt es allerorten

Der Frankfurter Flughafen zahlt mit der Umsiedelung des nahen Chemiewerks Ticona einen hohen Preis für seine Expansionspläne. Doch der damit ermöglichte Bau der neuen Landebahn ist überlebenswichtig für die Hessen. Schon jetzt können sie dem Wachstumstempo der internationalen Konkurrenz kaum noch folgen. Es herrscht Mangelverwaltung.

DÜSSELDORF. Die Kritik ist nur wenige Tage alt: Der Rhein-Main-Flughafen sei inzwischen so anfällig gegen äußere Einflüsse geworden, „dass schon kleine Beeinträchtigungen durch Wind oder Gewitter das fragile Gleichgewicht stören und die Pünktlichkeitszahlen in den Keller rauschen lassen“. Der Kritiker, der dies vergangene Woche formulierte, war nicht irgendwer – Karl-Rudolph Rupprecht, Flughafen-Statthalter des größten Fraport-Kunden Lufthansa, meldete sich zu Wort.

Kapazitätsengpässe hätten die Pünktlichkeitsrate in den letzten beiden Jahren von 86 Prozent auf 70 Prozent sinken lassen. Der Airport, bislang stolz darauf, dass Passagiere mit 45 Minuten Umsteigezeit zwischen Ankunft und Weiterflug auskommen, lässt seit dem Winterflugplan der Airline-Kundschaft einen Puffer von 60 Minuten, häufig aber noch mehr. Und für Passagiere mit extrem kurzen Umsteigezeiten habe Lufthansa an ihrem Drehkreuz Nummer eins einen Abholservice eingerichtet, berichtete Rupprecht weiter.

Fraport schwächelt. Die Kapazitäten für Starts und Landungen sind ausgereizt, längst sind auch Flugzeug-Abstellplätze entlang den beiden Terminals und im Vorfeld zu Spitzenzeiten Mangelware. „Wir können die Wünsche der großen Airlines nach attraktiven Start- und Landezeiten nicht mehr erfüllen“, klagte Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender noch im August. Ausgerechnet im Ferienmonat hatte Fraport weniger Passagiere abgefertigt als im Jahr zuvor. Die beiden europäischen Wettbewerber – Heathrow in London und Charles de Gaulle in Paris – hatten dagegen parallel zu dem Luftverkehrsboom, der jährliche Zuwächse beim Passagieraufkommen von vier bis sechs Prozent verheißt, weiter zugelegt.

In der Statistik der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Verkehrsflughäfen liegt Deutschlands größter Airport in der Rubrik Wachstum stets an letzter Stelle. „Man fragt schon gar nicht mehr nach, ob man in Frankfurt noch landen kann“, beschrieb Martin Gaebges, Sprecher des Verbandes der nach Deutschland fliegenden Fluggesellschaften (Barig – Board of Airline Representatives), kürzlich die Situation.

Umso mehr muss Bender die teure Einigung mit dem Chemiewerk Ticona als Silberstreif am Horizont verstehen. Für 650 Millionen Euro erkauft sich Fraport die Chance, wenigstens in fünf Jahren wieder am Wachstum der Branche teilnehmen zu können. Bender drängt es: „Jeder Tag, an dem der lebhafte Weltmarkt des Flugverkehrs an uns vorbeifliegt, ist ein verlorener Tag für unser Unternehmen, seine Beschäftigten, aber auch für das Land.“

Seite 1:

Auf dem Frankfurter Flughafen klemmt es allerorten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%