Autobauer
"Skoda muss Weltmarke werden"

Autobauer Skoda soll dem schnell wachsenden VW-Konzern den Rücken freihalten und mit einem neuen Weltauto die koreanischen Angreifer Hyundai und Kia auf Abstand halten - das Unternehmen will so ein globaler Akteur werden.
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Mlada BoleslavDer neue Chef von Skoda will den Autohersteller gegen die aggressiv expandierenden Angreifer aus Korea stellen. „Die Koreaner erobern derzeit Europa, kaufen bereits den Japanern den Schneid ab. Hyundai und Kia sind eindeutig Skodas Hauptwettbewerber, gegen die wir bestehen müssen“, sagte Winfried Vahland dem Handelsblatt.

Eine wesentliche Rolle kommt dabei einem neuen Auto zu, das Skoda ab 2012 weltweit anbieten und auch produzieren will. „Skoda braucht ein Modell zwischen Fabia und Octavia – und das nicht nur in Europa. Gemeinsam mit VW haben wir den Gedanken diskutiert und ein Global Compact Car entwickelt, eine global ausgerichtete Limousine für die Familie, also mit fünf vollwertigen Plätzen“, so Vahland.

Das Auto soll zugleich die neue Designlinie der VW-Tochter vorgeben. Einzelne Elemente nimmt eine Studie vorweg, die Skoda heute auf dem Genfer Automobilsalon vorstellt. Der Preis für das Global Compact Car dürfte bei rund 12000 Euro liegen. Vahland zufolge denkt der Konzern darüber nach, ob etwa die Schwestermarke Seat ein solches Modell nutzen könnte. Skoda will es in Europa, China und Indien bauen.

Heute produzieren die Tschechen etwa 60 Prozent ihrer Autos in Europa und 40 Prozent in den neuen Wachstumsmärkten. Das soll sich ändern. „Wir gehen davon aus, dass sich dieses Verhältnis ziemlich genau umdrehen wird und die neuen Märkte mit 60 Prozent bedeutender sein werden“, sagt Vahland. Der Vorstandschef läutet damit die nächste Phase in der Entwicklung des tschechischen Autobauers ein. Er will das Unternehmen zu einem globalen Akteur ausbauen. Vahland: „Skoda ist der drittälteste Autohersteller der Welt. Und jetzt starten wir mit der Globalisierung von Skoda, wir wollen eine Weltmarke werden.“

Ziel ist es, den Absatz von Skoda bis zum Jahr 2018 zu verdoppeln und dann mindestens 1,5 Millionen .Autos pro Jahr zu verkaufen. Die neue Strategie geht einher mit einer Modelloffensive. Selbst leichte Nutzfahrzeuge nimmt Skoda dabei ins Visier.  „Grundsätzlich passen Nutzfahrzeuge zur Marke Skoda. Deshalb ist es lohnenswert sich darüber Gedanken zu machen“, sagt Vahland. "Innerhalb des Konzerns würden sich da zwei Bedürfnisse treffen: VW Nutzfahrzeuge wünscht sich preiswerte neue Modelle, wir bei Skoda wollen unsere Kompetenz erweitern." Zudem prüft Skodas die Einführung eines Geländewagens oberhalb des Yeti. „Das Segment mittelgroßer Geländewagen wächst. Das ist ein Thema, mit dem sich Skoda auseinandersetzen muss“, sagt Vahland.

Skodas Rolle innerhalb des Konzerns war zuletzt umstritten. Genau vor einem Jahr äußerte Konzernchef Martin Winterkorn Kritik an den Ambitionen von Vahlands Vorgänger Reinhard Jung, der mit dem Mittelklassemodell Superb dem VW Passat in vielen Tests den Rang ablief. Trotzdem hält Vahland an dem Flaggschiff fest: „Der aktuelle Superb soll beizeiten einen Nachfolger bekommen.“

Vahland steht seit fünf Monaten an der Spitze des größten tschechischen Unternehmens. Ihm ist bewusst, dass er die Kultur drehen muss. „20 Jahre nach der Öffnung Tschechiens und von Skoda kommt jetzt der nächste Schritt. Und das ist wirklich etwas Neues für das Unternehmen, ein Kulturwandel“, so der Vorstandschef.

Gelingt Vahland die Mission, gilt er in Wolfsburg als einer der aussichtsreichsten Favoriten für die Nachfolge von Konzernchef Winterkorn, dessen frisch verlängerter Vertrag bis Ende 2016 läuft.

 

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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