Baumarktkette
Letzter Strohhalm für Praktiker

Auch nach der Insolvenz könnten die Praktiker-Baumärkte saniert werden, glaubt Großinvestorin de Krassny. Die Konkurrenz spottet: „Der Drogenabhängige ist gestorben.“ Für die Schwestermarke Max Bahr gibt es Hoffnung.
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DüsseldorfPraktiker-Großaktionärin Isabella de Krassny glaubt, dass die taumelnde Baumarktkette Praktiker zumindest teilweise noch gerettet werden kann. „Wenn jetzt alle Beteiligten an einem Strang ziehen, lässt sich Praktiker auch in der Insolvenz sanieren“, sagte die Österreicherin der Wirtschaftswoche.

Wie erwartet beantragte das Management am Donnerstag beim Amtsgericht Hamburg die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit. Einer Mitteilung zufolge gilt dies für acht Tochtergesellschaften der Praktiker-Holding, darunter die Praktiker-Märkte, Praktiker Online und die Märkte der Kette Extra Bau und Hobby. Das Unternehmen spricht von einer „Regelinsolvenz mit dem Ziel, einen Sanierungsplan zu erstellen“. Für die Praktiker AG-Holding soll ein Insolvenzantrag folgen.

„Die derzeit 132 Max-Bahr-Märkte und das Auslandsgeschäft sind davon nicht betroffen“, heißt es in der Mitteilung. Die Filialen der Vertriebslinien Praktiker sowie Extra Bau und Hobby sollen im Rahmen eines vorläufigen Insolvenzverfahrens uneingeschränkt fortgeführt werden.

Das Amtsgericht Hamburg hat den Heidelberger Rechtsanwalt Christopher Seagon zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt.

Die Gewerkschaft Verdi sprach von einer „menschlichen und existenziellen Tragödie“ für die Mitarbeiter. Diese hatten in den vergangenen drei Jahren unter anderem auf Teile ihres Jahresgehalts verzichtet, um das Unternehmen zu retten.

Großaktionärin de Krassny geht davon aus, dass der Konzern in Eigenverwaltung saniert werden kann. De Krassny sagte der „Wirtschaftswoche“, dass rund 80 defizitäre Praktiker-Filialen geschlossen werden müssten und neue Finanzmittel in Höhe von mindestens 40 Millionen Euro nötig seien. (Hier gibt es eine Karte der Praktiker-Filialen)

Kommentare zu " Baumarktkette: Letzter Strohhalm für Praktiker"

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  • Als Inhaber einer Handelsagentur, die verschiedene "PRAKTIKER"-Filialen vor meiner Zeit als Ruheständler betreute, habe ich mindestens drei Filial-Leiter vorgeschlagen, den kleinen Werbesatz ....(der billige Baumarkt" umzuwandeln in z.B. ... "der preiswerte Baumarkt". Man hörte nicht auf mich, und nun ist dieser Baumarkt nicht nur billig, sondern auch pleite!

    Das konnte auch nicht gutgehen, wenn die dort Beschäftigten der ca. 300 Märkte in Deutschland bereits seit vielen Monaten auf 5 % ihres Einkommens verzichten mussten. Die Bestellung eines neuen Vorstandschefs im Herbst 2011 war aufgrund der ständig ungenügenden Umsatzzahlen, trotz der bekannten 20% Rabattierung, zumindest aus meiner Sicht, viel zu spät!

    Bei solchen schlimmen Ereignissen, wo besonders die angestellten Mitarbeiter immer wieder nach vielen Jahren der Treue die richtig großen Verlierer sind, stellt sich erneut wie bei einem sportlich und besonders finanziell gescheiterten Fußballclub die ständig gleiche Frage: Warum haben die vielen Herren und Damen am Firmensitz nicht rechtzeitig mit aller Macht und entsprechendem Gegensteuern die dunklen Wolken am Himmel vertrieben, die sich nun zu einem mächtigen und zerstörenden Gewitter entluden, die in der weit verzweigten Baumarktkette
    das Licht auslöschten?

  • die 20% Aktionen sind auch nicht das Kernproblem. Praktiker hat im Innenleben seiner Mitarbeiter auch ein Billigkonzept etabliert. Man hat einfach den Unterschied zwischen billig und preiswert nicht verstanden.

  • Nur Trottel glauben heute immer noch an Werbeversprechen. 20% auf Alles sagt noch lange nicht auf welcher BASIS.

    Anstatt 4 Stunden seiner Zeit für 5 Euro Ersparnis 100 km durch die Gegend zu gurken, Preisrecherchen zu unternehmen und sich zu ärgern hilft manchmal auch einfach nur Gehirn einschalten. Geiz blockiert offenbar massivst die Gehirnzellen.

    Praktiker machte nur aus einem Grund die Grätsche: Zuviel Wettbewerb am Markt verbunden mit einem völlig daneben liegenden Vorstand. Die Österreicher haben zu spät einen Topmann installiert, der konnte nur noch den Niedergang verwalten. Warum er überhaupt kam, bleibt sein Geheimnis. Man will es auch nicht wissen.

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