Baumarktkette
Praktiker kämpft ums Überleben

Schlechte Stimmung bei Praktiker: Die angeschlagene Baumarktkette ist ohnehin schon ein Sanierungsfall. Jetzt ist sie noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Ein Grund dafür seien die Kosten für den Strategiewechsel.
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Kirkel/HamburgTurbulente Zeiten für Praktiker. Seit knapp einem halben Jahr bastelt Sanierungsexperte Thomas Fox an einem neuen Konzept für den von der Pleite bedrohten Konzern. Dabei hält er am Billigkonzept fest: „Hier spricht der Preis.“ Mit einem Umbau der Märkte - Arbeitstitel „einfach praktischer“ - vor allem aber mit einer Verschlankung und Stellenabbau will er den angeschlagenen Konzern wieder auf Kurs bringen. Den aktuellen Stand der Dinge will er an diesem Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Hamburg erläutern.

Nach zwei Verlustjahren in Folge rutschte Praktiker 2011 mit einem Minus von 554,7 Millionen Euro noch tiefer in rote Zahlen. Der Umsatz fiel um knapp acht Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Die Misere ist nach Einschätzung von Experten größtenteils hausgemacht. Die jahrelange Billigstrategie mit ständigen Rabattaktionen - „20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“ - haben die Margen aufgefressen. Die Aktionen sollten die Kunden in die Praktiker-Baumärkte locken. Sie blieben aber weg, wenn es gerade keine Schnäppchen gab.

Im Januar hatte sich Sanierungsexperte Fox angesichts des im vierten Quartal 2011 gestoppten Abwärtstrends beim Umsatz optimistisch gezeigt: „Das lässt uns hoffen, dass wir die erste Phase der Durststrecke geschafft haben.“ Am Donnerstag will er auch über den Geschäftsverlauf im ersten Quartal berichten. Im Januar soll sich der positive Trend fortgesetzt haben. Im Februar mit seinem kalten Wetter lief es für die Baumarktbranche dagegen nach Einschätzung von Experten eher schlecht.

Bei der Umsetzung des Sanierungsprogramms ist Fox schon ein gutes Stück vorangekommen. Die Zusammenlegung der Kirkeler Praktiker-Zentrale mit der florierenden Tochter Max Bahr in Hamburg bis Ende September ist auf den Weg gebracht, ein Sozialplan für den geplanten Abbau von insgesamt rund 1400 der mehr als 10.800 Stellen im Inland vereinbart.

Derzeit werden die rund 230 deutschen Märkte auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft, 30 davon gelten als unrentabel und damit als besonders gefährdet. „Die Verhandlungen mit den Vermietern laufen noch“, beantwortet Unternehmenssprecher Harald Günter Anfragen seit Wochen.

Die Finanzierung des für die Baumärkte wichtigen Frühjahrsgeschäfts ist laut Praktiker gesichert. Jetzt müssen Fox und seine Mannschaft das Geld für die Sanierung auftreiben. Die Kosten dafür hat der Konzern auf bis zu 300 Millionen Euro veranschlagt.

Der österreichische Großaktionär, die Investmentgesellschaft Maseltov, will dem Unternehmen finanziell unter die Arme greifen. Die Österreicher streben allerdings eine Zerschlagung des Konzerns an - etwa durch den Verkauf des Osteuropageschäfts. Der Versuch, auch die Anleihegläubiger mit ins Boot zu holen, ist dagegen vorerst gescheitert. Sie sollten einer Verringerung der Verzinsung für eine 250 Millionen Euro schwere Anleihe von 5,875 Prozent auf ein Prozent zustimmen. Die notwendige Beteiligung von mindestens der Hälfte des Anleihekapitals kam im ersten Anlauf aber nicht zustande.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Einen Bäcker mit Kleincafé kann sich schon mal nicht jeder Markt aufgrund der nicht vorhandenen Fläche leisten. Liegt in vielen Fällen auch daran, dass vor Jahren andere Baumärkte übernommen wurden.
    Ebenso unterscheidet sich der Gartenbereich von Filiale zu Filiale. Dass ein 5000 m²-Markt keinen riesigen Gartenbereich haben kann, sollte klar sein.

  • Angebot wurde ständig ausgedünnt. Wer Kupferrohre verkauft
    sollte auch alle Fittinge im Sortiment haben. Plötzlich gesammtes Regal umgestaltet. Brauchbare Fittinge nicht mehr vorhanden. Das ist nur 1 Beispiel.
    Jetzt bestelle ich im Internet.

  • PRAKTIKER kommt mir wie der "SCHLECKER" unter den Baumärkten vor. Die Ausstattung ist ähnlich spartanisch. Besucht wird PRAKTIKER wohl vor allem im Rahmen der FLYER-Aktionen. Die Konkurrenz macht es deutlich geschickter bei zudem einer hohen Baumärktedichte in Deutschland.

    Beispiel von 2 Baumärkten (Benchmark) im Ruhrgebiet: HELLWEG gegenüber PRAKTIKER.
    HELLWEG hat mehr Fläche, eine größere Sortimentsdichte, einen größeren Gartenbereich, einen Geräteverleih, einen kleinen Zeitungskiosk und einer Bäcker mit Kleincafé.

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