Berliner Hauptbahnhof
Bahn will sich durch alle Instanzen klagen

Ein solches Unterhaltungsprogramm bekommen Bahnkunden an Bord nicht geboten: Nach dem Urteil des Berliner Landgerichts zur Gestaltung des Hauptbahnhofs duellieren sich Bahnchef Hartmut Mehdorn und der klagende Architekt Meinhard von Gerkan per Interview. Der Künstler nutzt die Gunst der Stunde, gleich ein paar Spitzen zu anderen Themen loszuwerden.

HB BERLIN. Gerkan hatte mit einer Klage gegen die Bahn am Dienstag vor dem Berliner Landgericht in erster Instanz Recht bekommen. Der Konzern hatte in dem im Mai eröffneten Hauptbahnhof im Untergeschoss nicht Gerkans aufwändige Gewölbekonstruktion, sondern eine simple und sehr viel billigere Flachdecke eingebaut - zu Unrecht, wie die Richter meinten.

„Für diesen Egotrip müssen nun bis zu 40 Millionen Euro aufgewendet werden, mal abgesehen von jahrelangen Beeinträchtigungen des Zugverkehrs“, ließ sich Mehdorn nun in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung vernehmen. Kunden, Mitarbeiter und indirekt die Steuerzahler als Finanziers der Bahn müssten diese Zeche bezahlen. „Dagegen werde ich kämpfen.“ Mehdorn kündigte an, die Bahn werde bis zur letzten Instanz gehen.

Der Bahnchef beklagte sich darüber, dass die Justiz dem Unternehmen vorschreiben wolle, was es zu bauen habe. „Wir haben einen Bahnhof bestellt und keine Kathedrale. Dass ein Architekt bestimmen kann, welche Konstruktion der Bauherr und Eigentümer wählen muss, kann doch nur Kopfschütteln auslösen“, sagte Mehdorn.

„Übelste Methoden der Täuschung“

Gerkan wiederum warf der Bahn neben dem Bruch von Vereinbarungen „trickreiche Manöver“, „übelste Methoden der Täuschung“, die Behinderung der Architektenarbeit und das Ausbleiben des Honorars vor. „So ist man noch niemals mit uns umgegangen“, sagte der international tätige Architekt der „Süddeutschen Zeitung“. Gerkan betonte, die Bahn solle sich an Vereinbarungen halten, die sie getroffen hat. Falls das Urteil in höheren Instanzen bestätigt werde, sollte der Bahnhof die ursprünglich vorgesehene Decke und die Überdachung der Bahnsteige erhalten.

Zur Zahlungsmoral der Bahn meinte der Architekt: „Ich werde bei unseren China-Projekten oft gefragt: Wie ist denn die Zahlungsmoral der Chinesen? Ich sage dazu immer nur: Zehnmal besser als die der Bahn. Das kommt ja noch hinzu: Die verweigern einem sogar das verdiente Honorar! Das ist in der Öffentlichkeit noch gar nicht bekannt“, sagte der Architekt. „Dieses Benehmen ist einfach unmöglich, unfassbar!“

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Seiner Ansicht nach ist das Urteil, sollte es Bestand haben, ein Präzedenzfall. „Das war ja auch eines der Motive für unsere Klage“, erläuterte Gerkan. Wichtig sei, „dass das ein sehr ausgewogenes Urteil ist zugunsten einer Balance zwischen kommerziellen Interessen und Selbstdarstellungsinteressen des Bauherrn auf der einen Seite und der Baukultur auf der anderen Seite“.

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