Beschaffung am Beispiel Karstadt
Neue Länder, neue Quellen

Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff spart nicht mit großen Worten, wenn er strategische Entscheidungen verkündet. So auch, als der 53-Jährige jüngst bekannt gab, der Warenhauskonzern werde seinen gesamten Einkauf im Ausland an den externen Dienstleister Li & Fung in Hongkong abgeben.

KÖLN/DÜSSELDORF. Diese Entscheidung sei „für Karstadt mindestens ebenso wichtig wie der Verkauf der Karstadt-Kompakt-Warenhäuser im vorigen Jahr“, umschrieb Middelhoff die Dimension des Projekts.

Der Karstadt-Chef überraschte mit dem Outsourcing der Beschaffung viele Handelsmanager und Einkaufsexperten – gilt doch gerade der Handel als Branche, in der der Einkauf zur absoluten Kernkompetenz zählt. Konzerne wie Metro steuern über eigene zentrale Einkaufgesellschaften gezielt ihre weltweite Beschaffung, die laut Metro „wesentlicher Bestandteil der Handelskompetenz“ ist. Karstadt hingegen verkauft die Tochter Karstadt-Quelle International Services an Li & Fung. Sie hatte bislang vom Firmensitz in St. Gallen aus mit 1 100 Mitarbeitern den Auslandseinkauf für den Essener Konzern erledigt.

Mit seiner Strategie, das Importgeschäft an einen Dienstleister abzutreten, wird Karstadt wohl nur wenige Nachahmer finden – davon sind Wissenschaftler überzeugt. „Der Mainstream geht genau in die andere Richtung“, berichtet Joachim Zentes, Professor an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Gemeinsam mit der Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) hat der Handelsexperte in einer Studie 86 Handelshäuser, die etwa die Hälfte des deutschen Beschaffungsvolumens im Handel repräsentieren, nach ihren internationalen Einkaufsgewohnheiten befragt. Eindeutiges Ergebnis: Die meisten von ihnen wollen künftig auf Zwischenhändler verzichten und den Anteil ihrer Direktimporte ausbauen. Sie nehmen die internationale Beschaffung also stärker selbst in die Hand.

„Der Direktimport wird von derzeit 26 bis 29 Prozent der Gesamtimporte auf 38 bis 41 Prozent im Jahr 2012 steigen“, rechnet Zentes vor. Grund: Deutsche Händler suchen vermehrt weltweit nach neuen Produkten und Beschaffungsquellen. Boten Einzelhandelsregale in den neunziger Jahren gerade einmal zu 46 Prozent ausländische Waren, ist ihr Anteil nach AVE-Schätzungen auf 61 bis 66 Prozent nach oben geschnellt. Nach den Umfrageergebnissen des Verbands wird die Quote in den nächsten sechs Jahren weiter steigen.

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