Betrug beim ADAC
Der scheinheilige Gelbe Engel

Der ADAC hat die Abstimmung zum Autopreis „Gelber Engel“ manipuliert. Dem guten Ruf des Automobilclubs droht ein Totalschaden. Trotz einer Entschuldigung ist das Vertrauen der Mitglieder erschüttert.
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DüsseldorfEs war eine Majestätsbeleidigung: Die Wahl zum „Gelben Engel“ sei gefälscht, ADAC-Kommunikationsdirektor Michael Ramstetter habe die Stimmzahlen bei der Leserwahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ persönlich nach oben korrigiert, hatte die Süddeutsche Zeitung wenige Tage vor der Vergabe des Autopreises berichtet. Vor 400 geladenen Gästen, darunter alle Granden der deutschen Autoindustrie, wurden die Journalisten in bayrischer Deftigkeit abgewatscht. „Blanker Unsinn“, polterte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair.

Nur wenige Tage später ist die Selbstherrlichkeit passé. Nachdem bei einer internen Prüfung Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen aufgekommen waren, gestand Kommunikationsdirektor Ramstetter am Freitag seine Manipulation und musste kurz darauf seinen Hut nehmen. Ja, er habe die Zahlen frisiert – offenbar über Jahre. Die niedrigen Teilnehmerzahlen seien ihm peinlich gewesen. Obermair, der ihn vor wenigen Tagen noch verteidigt hatte, greift ihn dafür nun scharf an. Ramsteller habe die Abstimmungszahlen „in einer unglaublich dreisten Art und Weise“ nach oben verändert, erklärt er öffentlich. „Dieser Vorgang tut uns leid, er trifft den ADAC ins Mark, weil wir als eine der vertrauenswürdigsten und seriösesten Organisationen galten“, sagte Obermair. „Dieser Ruf ist jetzt angeschlagen.“

Der „Gelbe Engel“ bangt um sein Image. Denn wie relevant ist ein Preis, über den wenige tausend Menschen entscheiden? Dem beliebtesten Auto der Deutschen, dem VW Golf sollen rund 3.400 Stimmen zum Sieg gereicht haben, im Büro von Ramstetter sollen daraus 34.299 Stimmen geworden sein. Bei so wenig Stimmen ist der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Um den laut Eigenwerbung „wichtigsten deutschen Autopreis“ zu gewinnen, hätten die Stimmen von 0,6 Prozent aller VW-Mitarbeiter gereicht.

Offiziell betont der ADAC, dass sich die Rangfolge durch die Manipulation nicht verändert habe. Für die vergangenen zwei Jahre deckt sich diese Aussage mit den Recherchen der Süddeutschen Zeitung. Ob die Reihenfolge bei vorangegangen Auszeichnungen verändert worden sei, will der ADAC noch nicht beantworten. Das müsse nun die interne Revision klären. Doch die gesamte Branche muss sich nach dem Skandal unangenehmen Fragen stellen.

Wirft man einen Blick auf die Sieger der vergangenen Jahre, sind tatsächlich viele deutsche Hersteller darunter. Der Golf, die A-Klasse, der Audi TT. Nicht immer sind diese Sieger auch die Sieger in der Zulassungsstatistik. Auch dieses Jahr gehören dennoch Volkswagen, BMW und Daimler zu den großen Gewinnern. Für die Hersteller ist die Erklärung einfach: „Viele träumen von einem Autos, das sie sich nicht leisten können“, sagte ein VW-Sprecher gegenüber Handelsblatt Online.

Kommentare zu " Betrug beim ADAC: Der scheinheilige Gelbe Engel"

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  • Und das ist nur die Spitze des Eisbergs: ;-)

    http://www.der-postillon.com/2014/01/adac-in-wahrheit-einzelner-mechaniker.html

  • Tja, hiermit beweist der ADAC, daß ihm seine Mitglieder eigentlich wurscht-egal sind. Wo ist der Einsatz? Wo ist der Fürsprecher der Autofahrer? Wir werden überall gemolken. Täglich spielen die Ölmultis an den Preisen, und keinen kümmerts. Testberichte werden bewusst geschönt. Preise werden zu Unrecht vergeben. Zuverlässigkeitsstatistiken vermutlich manupuliert (es darf ja nicht sein, daß die Japaner zuverlässiger sind...). Dann spricht sich der ADAC statt für eine Maut auch noch für höhere Mineralölsteuern aus. Super. Und dafür soll ich auch noch zum Dank Mitgliedsbeiträge zahlen? Bestimmt nicht. Ich trete aus.

  • Im Prinzip wird der deutsche Verbraucher dermaßen verarscht, daß es an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist. Besser noch: Er zahlt sogar dafür. Realistisch betrachtet werden hier alle Automobiltests geschönt. Deutsche Produkte werden mit aller Gewalt aufs Podest gehievt. Testergebnisse bewusst geschönt. Statt auf mögliche Differenzen zu ausländischen Anbietern hinzuweisen und die arrogante deutsche Automobilindustrie mal in die Schranken zu weisen, bauen wir angeglich noch immer die besten Autos der Welt (auch wenn diese z. T. nicht mehr in Deutschland gebaut werden). Nichts gegen Vaterlandsliebe, aber das ist schon lächerlich. Warum lassen wir dämlichen Deutschen uns diesen Umgang mit uns eigentlich gefallen? Ich jedenfalls trete aus dem ADAC aus und schließe über meine Versicherung einen Schutzbrief ab. Der ist deutlich preiswerter und erfüllt den gleichen Zweck.

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